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Vom Nutzen der Philosophie heute
Die Philosophie
weist eine lange Geschichte, eine ausgedehnte Tradition auf. Nach Odo Marquard
(1981) ist diese Geschichte aber von einem stetigen und allmählich schwindenden
Verlust von Zuständigkeiten geprägt. Erst war die Philosophie kompetent für
alles; dann war die Philosophie kompetent für einiges; schließlich ist die
Philosophie kompetent nur noch für eines: nämlich für das Eingeständnis der
eigenen Inkompetenz (Marquard, 1981, S. 24).
In seinem Festvortrag über Inkompetenzkompensationskompetenz.
Über Kompetenz und Inkompetenz in der Philosophie 1963 beschrieb er die
Philosophie sogar als eine verstorbene Wissenschaft, die sich ihres Todes noch
nicht bewusst ist (Marquard, 1981).
Meiner Ansicht nach ist die Philosophie gegenwärtig sowohl für den
Einzelnen als auch für die Gesellschaft von großem Nutzen und folglich für mich
keine tote Wissenschaft.
Die Philosophie vermag für mich die persönliche Entfaltung eines
jeden Menschen wesentlich zu fördern und zu unterstützen. Folgende Bereiche
werden im Folgenden näher ausgeführt: erstens Werte, Einstellung und Normen,
zweitens seriontologische Fragen und drittens Bildung.
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Dem
Einzelnen steht es nun frei diese ihm gegenwärtige Einstellungen, Werte und
Normen zu übernehmen oder sich mit diesen auseinander zu setzen.
So beugt sich beispielsweise ein guter Schüler dem Wunsch seines Vaters
eine akademische Ausbildung anzustreben und beginnt mit dem Studium des Arztes,
obwohl ihm die Tätigkeit als einfacher Krankenpfleger mehr Freude bereitet.
Nach Kant sind Menschen tendenziell faul und feige.
Sie überlassen es lieber anderen für sich zu denken, als selbst für sich
nachzudenken. Menschen mit dieser Präferenz sind nach Kant unmündig. Unmündigkeit
ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderes zu
bedienen (Kant, online, S. 2).
Hinsichtlich der Befreiung aus dieser Unmündigkeit
nach Kant (online) kann die Philosophie einen wesentlichen Beitrag leisten, da
Selbstdenken und die Anleitung zum Selbstdenken (Pieper, 2002, S. 14)
wesentlich sind für die Philosophie. Nicht vergessen, sondern innerlich
aneignen, nicht sich ablenken, sondern innerlich durcharbeiten, nicht erledigt
sein lassen, sondern durchhellen, dass ist philosophische Lebensführung (Jaspers,
1996, S. 93).
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bedingt diese Auseinandersetzung mit eigenen Ansichten. Es gilt also, auch die
eingeschliffenen Wahrnehmungsmuster und Denkgewohnheiten kritisch zu
überprüfen, inwieweit sie Vorurteile und Ideologien begünstigen, bevor die
Philosophie an ihren Anfang gelangt, von wo aus sie ihren Blick ungetrübt auf
das Wesen der Dinge richten kann (Pieper, 2002, S. 14). Durch dies können
Stereotype und eigene Vorurteile abgebaut werden. Weiters entwickelt meiner
Ansicht nach jede Person durch diese philosophische Auseinandersetzung seine
persönlichen und reflektierten Werte, Einstellungen sowie Normen und folglich
wird seine Persönlichkeitsentfaltung wesentlich durch Philosophie mitgetragen.
Meiner Ansicht nach werden bestimmte Haltungen und Normen übernommen, da
sie der eigenen Orientierung in der Welt dienen, wie jene einer Religion oder
Glaubensgemeinschaft.
Auch
wenn nach Marquard (1981) die Philosophie im Laufe der Geschichte zunehmend ihre
Zuständigkeit hinsichtlich seriontologischer Fragestellungen an Religionen
verloren hat, vertrete ich die Ansicht, dass der Stellenwert der Philosophie
diesbezüglich nicht untergraben werden kann und darf.
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Aus meiner Erfahrung nimmt die zugesprochene Wertigkeit dieser stetig ab. Auch
erlebe ich in meinem Freundeskreis, dass zwischen Kirche und Glaube getrennt
wird und teils essentielle Aspekte des Christentums von bekennten Christen
abgelehnt werden, so glauben viele an die Wiedergeburt. Weiters beobachte ich,
dass immer mehr Menschen Halt in esoterischem Gedankengut suchen und finden.
Basierend
auf meinen Beobachtungen, dass der Stellenwert, vor allem der anerkannten
Religionen schwindet und Menschen Richtlinien unterschiedlicher, teils
divergenter Glaubensrichtungen mixen, bin ich der festen Überzeugung, dass seriontologische
Fragestellungen wieder in die Zuständigkeit der Philosophie fallen können.
Folglich kann Philosophie für den einzelnen einen wertvollen Beitrag
hinsichtlich der seriontologischer Fragestellungen leisten.
Bildung ist
meiner Ansicht nach ein bedeutendes Gut. Nach Bieri (2005) verhindert Wissen
Opfer zu werden.
Für mich erscheint es in der heutigen Zeit als ob jede Wissenschaftsdisziplin
für sich kämpfe. Bereits in meiner Schulzeit erklärte mir jede Lehrkraft, dass
das eigene Fach das Bedeutendste sei. Auch an der Universität erlebe ich die
einzelnen Disziplinen als Einzelkämpfer und weniger Interdisziplinarität.
Historisch gesehen haben die verschiedenen Disziplinen ihre Wurzeln gemeinsam
in der Philosophie (Rosenberg, 1989).
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Biere (2005) nennt als weitere wesentliche Kennzeichen eines Gebildeten
Neugierde sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und den
kulturellen Unterschieden hinsichtlich Moral. Dies wird wie bereits unter dem
Aspekt Werte, Einstellungen und Normen ausführlich dargestellt durch philosophische
Auseinandersetzung gefördert. Ein weiterer bereits erwähnter Aspekt
hinsichtlich Bildung ist für mich die Vermittlung der philosophischen Methoden,
wie etwa der Bedeutungs- und Rechtfertigungsfragen (Rosenberg, 1989).
Nach
Höffe (2006) entwickelt Philosophie folgende Kompetenzen: In systematischer
Folge beginnen sie mit (1) einer Wahrnehmungs- und (2) einer Erinnerungskultur,
sie setzen sich in (3) einer Urteilskultur fort, die in Aufklärung gipfelt;
innerhalb der Erinnerungskultur sorgen sie (4) für anamnetische Gerechtigkeit
und tragen (5) zu Orientierungs- und Sinndebatten, einschließlich einer
Aufklärung über Aufklärung, bei. Zusätzlich spielen auf alle diesen Stufen
Kreativität und Originalität, auch Entdeckerfreude und Editorenglück, kräftig
mit (Höffe, 2006, S.4).
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