Unterrichtsformen
1. Geschlossener Unterricht
Def.: Der direktive (=geschlossener)
Unterricht bezeichnet schulisches Lernen, das vom Lehrer und/oder einem
Lehrsystem (insbesondere Unterrichtsmedien) geplant ist, damit ist er in seinem
Verlauf fremdgesteuert und bezüglich Ausführung und Ergebnis ständig kontrollierbar. (Peter Köck)
1.1 Geschichtlich Ansätze und
Entwicklung
-
Die Entstehungsgeschichte des sogenannten
geschlossenen Unterrichts ist im Zusammenhang mit der Bildungsreform der
ausgehenden 60er und 70er Jahre zu sehen.
-
Die Terminologie verändert sich: aus Lehrplänen
werden Curricula. Außerdem wurden die Curricula stärker fachlich gegliedert und
präzise Angaben über zu erreichende Lernziele, Lerninhalte, Methoden, Medien
und Tests wurden festgelegt.
-
Wissenschaftsorientierung wurde zu einem
didaktischen Prinzip der Grundschule
-
Hinwendung zum lernzielorientierten Unterricht
1.2 Formen
-
lernzielorientierter
Unterricht
-
lehrerzentrieter
Unterricht
-
lehrstoff- und
wissenschaftsorientierter Unterricht
Lernzielorientierter Unterricht:
Dabei werden die Lernziele und die zum Erreichen
dieser Lernziele notwendigen methodischen Schritte genau festgelegt. Planung,
Durchführung und Kontrolle stehen somit im Zusammenhang mit eindeutig
festgelegten Lernzielen. (Elisabeth Neuhaus-Siemon)
Lehrerzentrierter Unterricht (v.a. Frontalunterricht):
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1.3 Vorteile
-
Ökonomie, d.h. durch
strenge und exakte Planung zeitsparend
-
leichtere
Leistungskontrolle
-
differenzierte Hinweise
für Unterrichtsgestaltung auf Seiten des Lehrers
1.4 Nachteile
-
wenig Eigeninitiative und
Kreativität auf Seiten der Schüler
-
kein Raum für
Differenzierung
-
pädagogischer Freiraum
geht verloren
-
Starrheit und mangelnde
Anpassungsfähigkeit
-
fehlende Kommunikation
2. Vom geschlossenen zum
offenen zum Unterricht
-
kritische Auseinandersetzung mit verbreiteten
Konzepte der Lernzielorientierung des geschlossenen Curriculums sowie der
unterrichtstechnologischen Ansätze der 60er und 70er Jahre führt zur
Gegenreaktion.
-
erkennbare auftretende Mängel, da Lernziele,
-inhalte, Lernverfahren Medien und Tests und damit die Lernprozesse im vorhinein
festgelegt waren.
-
Verweis auf englische Vorbilder wie „Nuffield
Junior Sience Projekt“ (NJSP) (1967) und der „Mehrperspektivische Unterricht“
(MSP) einer Reutlinger Forschungsgruppe (1974).
-
Forderung nach „Offenheit“, die sich zunächst auf
die Materialien bezog, d.h. die Unterrichtsmaterialien sollten so entworfen und
arrangiert sein, dass dem Lehrer ein Anpassen an die jeweilige
Unterrichtssituation ermöglicht wird.
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à Offener Unterricht wurde als Notwendige Reaktion bzw. Antwort auf die
veränderten Lebensbedingungen der Kinder gesehen.
3. Offener Unterricht
Def.: Unter
offenen Unterricht versteht man Unterricht, dessen Unterrichtsinhalte,
-durchführung und –verlauf nicht primär vom Lehrer, sondern von den Interessen,
Wünschen und Fähigkeiten der Schüler bestimmt wird. (Elisabeth Neuhaus-Siemon)
Der Begriff
„offener Unterricht“ wird häufig auch als Sammelbegriff für
Unterrichtsprinzipien (z.B. schülerorientierter Unterricht, schülerzentrierter
Unterricht) und für Unterrichtskonzepte (z.B. handlungsorientierte
Unterricht, handelnder Unterricht, ganzheitlicher Unterricht) verwendet.
Der Begriff
„offener Unterricht“ wird oft mit „Öffnung des Unterrichts“ gleichgesetzt.
Dabei lassen sich folgende Dimensionen unterscheiden (nach Brügelmann):
-
Persönliche Öffnung zu den Kindern und Eröffnung von Beziehungen
zwischen diesen.
-
Institutionelle Öffnung der Schule zur Lebenswelt der Kinder.
-
Organisatorische
Öffnung der Arbeitsformen
(Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen und Arbeitsstile).
-
Inhaltliche Öffnung der Lernwege und Denkmöglichkeiten.
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-
Methodische Öffnung (Lernen „mit allen Sinnen“)
3.1 Geschichtliche Ansätze
Beeinflusst
wurde der offene Unterricht unter anderem durch reformpädagogisches
Gedankengut:
-
Georg Kerschensteiner
(Arbeitsschule)
-
Maria Montessori („Hilf
mir, es selbst zu tun!“)
-
Célestin Freinet („Eine
Schule des Volkes“)
-
John Dewey („learning
by doing“)
-
Berthold Otto
(Gesamtunterricht)
-
Peter Petersen
(Jena-Plan-Schule)
-
u.a.
3.2 Begründung für offenen
Unterricht
-
Heterogenität der Klasse
-
Art. 128 Bayerische
Verfassung: Jeder hat den Anspruch darauf, „einen seinen erkennbaren Fähigkeiten
und seiner inneren Berufung entsprechende Ausbildung zu erhalten“
-
lässt sich auch aus
anthropologischer, psychologischer , pädagogischer und gesellschaftlicher Sicht
begründen
3.3 Bedeutung für Schüler und
Lehrer
Schüler:
-
Eigenständigkeit hinsichtlich Entscheidungen über
Arbeitsformen und Arbeitsmöglichkeiten, soziale Beziehungen, Kooperationsformen
o.ä.
-
Selbst- bzw. Mitbestimmung
bei der Auswahl von Unterrichtsinhalten, der Unterrichtsdurchführung und des
Unterrichtsverlaufs
-
Selbständigkeit in
Planung, Auswahl und Durchführung von Aktivitäten (Zeit, Matarialien)
-
Selbstkontrollmöglichkeiten
oder Kontrolle durch Mitschüler
Lehrer:
-
Zulassung von Handlungsspielräumen
und Förderung von (spontanen) Schüleraktivitäten
-
Preisgabe bzw.
Relativierung des Planungsmonopols
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-
hohe soziale und
pädagogische Kompetenz
3.4 Formen
Der offene Unterricht
ist auch Sammelbegriff für folgende Formen:
-
Freiarbeit
-
Projektunterricht
-
Tages- bzw. Wochenplan
-
Werkstattunterricht
-
Stationentraining
Freiarbeit:
Freiarbeit kann
als selbstverantworteter Zugriff des Kindes auf Lernangebote in einem
didaktischen Umfeld definiert werden. (Peter Köck)
Als Vorform der Freiarbeit kann das Spiel angesehen werden.
Merkmale:(nach Günther Schorch)
-
das Klassenzimmer besitzt
„Werkstattcharakter“, als „Lernlandschaft“ angelegt (Lernzonen, vielfältiges
Materialangebot)
-
Lehrer als „Lernbegleiter“
(Organisation, Beratung, individuelle Hilfe)
-
Lerntätigkeit der Schüler
ist durch Selbstkontrolle bestimmt
-
Lernergebnisse möglichst
sichtbar machen und „veröffentlichen“
Projektunterricht:
Ein Projekt ist
ein Unterrichtsziel, dass von Lehrer und Schüler gemeinsam entworfen wurde,
einem praktischen Zweck dient und längere Zeit das gesamte Unterrichtsgeschehen
bestimmt. Methoden und Medien bleiben variabel. (Hartwig
Schröder)
-
Vorläufer John Dewey
Merkmale (nach Herbert Gudjons):
-
Situationsbezug
-
Orientierung an den
Interessen der Beteiligten
-
Selbstorganisation und
Selbstverantwortung
-
Gesellschaftliche
Praxisrelevanz
-
Zielgerichtetheit
-
Produktorientierung
-
Ganzheitlichkeit
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