Unternehmen und Strukturwandel
Strukturwandel bezeichnet die wertmäßigen Beiträge der einzelnen
Wirtschaftszweige und Wirtschaftssektoren zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)
aufgrund der marktwirtschaftlichen Dynamik. (Koch, S.16)
Der Begriff Strukturwandel wird auf unterschiedliche
Phänomene bezogen:
ü auf Qualifikation, Alter und
Geschlecht der Beschäftigten
ü auf Regionen oder Wirtschaftsräume
=> regionaler Strukturwandel
ü auf die Zusammensetzung der Produktion
eines Landes nach Wirtschaftszweigen
ü auf die Änderungen der Verteilung
der Beschäftigten auf unterschiedliche Wirtschaftsbereiche
ü auf die Änderungen der
Produktionsfaktoren (Kapital, Arbeit, Wissen)
Der sektorale Strukturwandel
Charakteristisch für den sektoralen Strukturwandel ist der
abnehmende BIP-Anteil von Land- und Forstwirtschaft sowie der Industrie,
während der BIP-Anteil des Dienstleistungsbereichs deutlich zunimmt.
Ursachen des sektoralen Strukturwandels:
·
der Wandel der
Bedürfnis- und Nachfragestruktur
·
Angebotsbedingter
Strukturwandel
- Produktionsangebotwandel (
z.B. Einführung neuer Produkte)
- Produktionsprozess (Veränderungen in der Herstellung)
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·
Prozesspolitisch
bedingter Strukturwandel
·
Naturbedingter
Strukturwandel
Unternehmen und Strukturwandel
Faktoren, die den
unternehmerischen Strukturwandel auslösen
Ø Technologischer Wandel
neue Informations- und Kommunikationstechnologien, neue
Transporttechnologien
Ø Globalisierung und
Internationalisierung
die weltweite Ausbreitung von Produkten und die weltweite
Vernetzung wirtschaftlicher Tätigkeiten
Ø Verhandlungsmacht der
hochqualifizierten Leistungsträger (War for talents )
Ø Beschleunigung von
Produktlebenszyklen (z. B. Entwicklung neuer Produkte)
Ø Dynamik der Finanzmärkte (z. B. Kapital
als Wettbewerbsfaktor, Shareholder Value)
Ø Erweiterung der Markthorizonte (z.
B. EU-Erweiterung)
Reaktionen von Unternehmen auf
Strukturwandel
1. Wandel der Organisationsstruktur von Unternehmen
a. Klassische Organisationsstruktur
Ø Massengüter-Produktion, Automatisierung
und Rationalisierung durch standardisierte Prozesse, Fließbandfertigung
Ø hierarchische Strukturen, hohe
Arbeitsteilung und starke Kontrolle
Ø Abhängigkeiten von Standorten
Ø Orientierung an vorhandenen
Kapazitäten, die häufig in langwierigen Prozessen aufgebaut wurden=> kaum Berücksichtigung
individueller Kundenwünsche
Ø etablierte Spielregeln und
Gesetzmäßigkeiten
Funktionale Organisation
- Aufteilung des Betriebes nach den betrieblichen
Funktionen
- Zentralisierte Entscheidungskompetenz
- starke Spezialisierung
b. „Neue“ Organisationsstrukturen
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Aufteilung in verschiedene Sparten bzw. Divisionen durch
Anwendung des Objektesprinzips
Je nach Intensität der Entscheidungsdelegation und Umfang
der Verantwortung:
·
Cost-Center-Organisation:
Divisionen sind nur für ihre Kosten verantwortlich.
·
Profit-Center-Organisation:Divisionen
sind für selbständig erarbeiteten Gewinn verantwortlich.
·
Investment-Center-Organisation:
Entscheidungskompetenzen und Verantwortung für Investitionen.
v Holding-Struktur
Die Holding: Organisationsstruktur
solcher Unternehmen, deren betrieblicher Hauptzweck im Halten einer auf Dauer
angelegten Beteiligung an einem oder mehreren anderen rechtlich selbständigen
Unternehmen liegt.
Formen der Holding
·
Finanz-Holding: hält und verwaltet Beteiligten, übt aber
keine Führungsfunktionen aus. Im Vordergrund steht die „Finanzierungsfunktion“.
·
Management-Holding: Im Gegensatz zur Finanzholding hält
sie nicht nur die Beteiligungen an den Tochtergesellschaften, sondern führt
diese auch.
v Netzwerkorganisation
und virtuelle Organisation
Eine Netzwerkorganisation besteht
aus autonomen Mitgliedern (Einzelpersonen, Gruppen, Unternehmen), die durch
gemeinsame Ziele miteinander verbunden sind und zur gemeinsamen
Leistungserstellung ein komplementäres Know-how einbringen.

Netzwerkorganisationen
intern extern
stabil dynamisch (virtuelle Organisation)
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2. Change Management
Change Management laufende Anpassung von Unternehmensstrategien und-
strukturen an veränderte Rahmenbedingungen.
a. Lean Management (schlankes Management)
Grundlage
: Lean Production (schlanke Produktion)
Zentrale
Ansatzpunkte des Konzepts sind:
-
Segmentierung des Unternehmens - Einführung von Gruppenarbeit
- Kundenorientierung
im Mittelpunkt - Abbau von Hierarchiestufen
-
Outsourcing
b. Total Quality Management
( TQM)
Die Gesamtheit aller Maßnahmen, die einerseits die
Qualität der Produkte und Dienstleistungen verbessern und anderseits die
Herstellkosten senken wird als Total Quality Management bezeichnet. (Thommen
2001, S. 831) => die Qualität steht im Mittelpunkt
wesentliche Prinzipien:
-
Qualität
orientiert sich am Kunde
-
Qualität wird
mit Mitarbeitern aller Bereiche und Ebenen erzielt
-
Jeder Mitarbeiter trägt für die Erzeugung von
Qualität Verantwortung
-
Qualität ist
kein Ziel, sondern ein Prozess, der nie zu Ende
-
European Foundation for Quality
Management (EFQM)
Ein Teil des TQMs ist Kaizen (Kai
= Veränderung; ZEN = zum Besseren) ist die Philosophie, dass kontinuierliche, unendliche Verbesserung in allen Bereichen unter Einbeziehung aller Mitarbeiter,
anzustreben ist. In
westlichen Unternehmen: Kaizen = kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) Instrumente zur ständigen
Verbesserung:
- Kundenorientierung - Kanban
- Qualitätszirkel - Just - in
-Time
- Vorschlagswesen - Fehlerlosigkeit
- Arbeitsdisziplin -
Kleingruppenarbeit
- Produktivitätssteigerung - Entwicklung neuer
Produkte
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Kanban: ein Produktmittel wird,
dann gefertigt und geliefert, wenn der Grundbestand durch Verbrauch auf einen
bestimmten Level abgesunken ist. ( Pull-Prinzip)
3. Methoden des organisatorischen Wandels
a. Business Reengineering
ein fundamentales Überdenken und radikales Redesing von
Unternehmen oder wesentlichen Unternehmensprozessen. ( Thommen 2001 S. 810)
- fundamental: Welche sind die wesentlichen Aufgaben eines
Unternehmens?
- radikal: die bestehende Struktur wird nicht nur
angepasst, sondern völlig neue umgestaltet.
- ein Expertentean ist mit Reorganisationsmaßnahmen
beschäftigt
- Prozesse werden zur Grundlage der Unternehmensstruktur
b. Organisationsentwicklung
Die Organisationsentwicklung (Organization
Development): ein langfristig angelegter, organisationsumfassender
Entwicklungs- und Veränderungsprozess von Organisationen und der in ihnen tätigen
Menschen.
grundlegende Prinzipien :
- Betroffene zu
Beteiligten machen
- Hilfe zur Selbsthilfe
- Machtausgleich
4. Innovation
Innovation: Erzeugung und Umsetzung von Neuerungen, wie Schaffung
neuer Produkte oder die Verbesserung vorhandener Produkte ( Produktinnovation),
die Entwicklung neuer Produktions-und Herstellungsverfahren sowie die
Erschließung neuer Kundenkreise und Absatzmärkte ( z.B. Verkauf über Internet)
verstanden.
5 . Auswirkungen auf Mitarbeiter und
Qualifizierungsanforderungen
·
„Lebenslanges
Lernen“
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·
Selbständigkeit
·
Flexibilisierung
der Arbeitsformen( z.B. Arbeit auf Abruf) und Arbeitszeiten
·
Interkulturelle
Kompetenz
Quellen:
Eisenführ, F./ Theuvsen L.:
Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 4.Auflage, Stuttgart 2004
Füser, K.: Modernes Management,
3.Auflage, München 2001
Hardes, H-D. ( Hrsg.)
Volkswirtschaftslehre – problemorientiert, Tübingen 1995
Koch, M./ Backe, Ch.:
Unterrichtseinheit„Unternehmen und Strukturwandel“
Picot, A./Neuburger, A):
„Veränderte Rahmenbedingungen – Ausgangspunkt für den betrieblichen Wandel, in:
Unterricht Wirtschaft (Heft 13), Organisation und betrieblicher Strukturwandel, 2003
Thommen, J-P./ Achleitner, A-K.:
Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 3.Auflage, Wiesbaden 2001
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