Totes Tier am Teller – Rede
Eines
ist wichtig. Ich möchte es gerne gleich erwähnen. Dieser Text wurde nicht zu
Propagandazwecken verfasst. Ich hasse es, wenn Leute anderen andauernd ihre
Meinung aufdrücken wollen. Ich wollte – zumindest im Bezug auf dieses Thema –
nie so werden. Gott sei Dank wird sich die Gelegenheit dazu sowieso nicht mehr
ergeben. Sie fragen sich wieso? Nun, ich werde bald sterben. Oh,
Entschuldigung, falls ich Sie erschreckt habe. Ich denke eigentlich nicht, dass
ich bald sterben werde, aber Sie tun das doch? Fleisch ist ja immerhin
essentiell für den Menschen.
Ohne Fleisch kann der Mensch doch nicht überleben.
Fleisch bringt’s. Ich hoffe aber zumindest, dass ich noch sterbe, bevor ich bei
der Matura kläglich versage. „Was?!?“, fragen Sie sich, „Wie kommt er dann da
drauf?“. Naja, schon vergessen, fleischlose Ernährung mach ja dumm? Vegetarier
sind ja generell nicht die hellsten.
Vielleicht beginnen sich ihre grauen mittlerweile Zellen zu fragen wie ich –
ich armer kranker Vegetarier – es geschafft haben mich hier her zu quälen. Sagen
wir so, es war leichter, als sie sich das vielleicht vorstellen. Wie das? Nun,
ihre Vorurteile sind – Überraschung – alle falsch.
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einfach nur erzählen, was Vegetarismus so an sich hat, wieso ich noch lebe und
warum eine vegetarische Ernährung nicht dumm macht, sondern eine
nicht-vegetarisch teilweise gar nicht so klug ist.
Generell gilt, dass Fleisch ein
wichtiger Bestandteil unserer Ernährung sein kann. Es enthält viel hochwertiges
Eiweiß und auch Eisen und bietet sich besonders im Körperaufbau als nützliches
Nahrungsmittel an. Nur, wenn wir hier von Fleisch sprechen, sprechen wir von
zwei- bis dreimal Fleisch oder Wurst pro Woche! Der durchschnittliche
Österreicher konsumiert zwei-bis dreimal Fleisch oder Wurst pro Tag! Die Folgen
davon sind ein hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht und, infolgedessen, eine
Vielzahl an Krankheiten wie z.B. Herzinfarkt. Dosis facit venum, und wenn Leute
eine solche Dosis zu sich nehmen ist das weit von gesunder, ausgewogener
Ernährung entfernt.
Fleischesser
XY denkt sich jetzt natürlich: „Jo, und bei den Vegetariern fehlt das dann halt
alles!“ Denkste. Der durchschnittliche Vegetarier kommt dem empfohlenen
Nährstoffverhältnis von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß näher als ein
Nichtvegetarier. Auch die Wahrscheinlichkeit an Herzerkrankungen zu sterben
ist bei Vegetariern um ca. 20% geringer.
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Aber
eigentlich wollte ich mich gar nicht auf die gesundheitlichen Aspekte
konzentrieren. Ich wollte an die Moral appellieren. Hört sich kitschig an?
Teilweise leben Kühe, nachdem ihnen, während sie mit einem einzigen Fuß an
einem Haken hängen, die Kehle durchgeschnitten wurde, noch so lange weiter, bis
ihnen die Innereien aus dem Körper fallen. Noch immer kitschig? Hoffentlich
nicht. Denn was teilweise mit Tieren passiert, bevor sie als Schnitzel am
Teller und Wurst im Weckerl landen, würde bestimmt jedem den Appetit verderben.
Wie Paul McCartney so schön sagt: „Wenn Schlachthäuser Wände aus Glasen hätten,
wären wir alle Vegetarier!“
Wenn
ich ehrlich bin will ich jetzt aber nicht davon Anfangen, was in den
Schlachthäuser vor sich geht, da ich davon ausgehe, dass Ihr später noch etwas
essen werdet und ich euch den Appetit nicht nehmen will. Mein Problem ist
einfach zu verstehen, wie die Leute es schaffen, sich so einfach ihr Gewissen
rein zu reden. Wie sie es schaffen Tieren einfach so jegliches Recht auf Leben
abzusprechen. Mir steigt die Galle auf wenn ich als Antwort auf: „Wie kannst du
rechtfertigen, dass Tiere für dich getötet werden?“ bekomme: „Die sind ja
sowieso nur gezüchtet worden, damit wir sie essen können!“.
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Aber ich schweife schon wieder ab, immerhin möchte ich hier keine Lösungen für
die Probleme der Welt geben. Ich möchte mich nur aufregen, aufregen über die
engstirnigen Meinungen von Leuten, die denken, sie wüssten es besser.
Natürlich,
wenn man ignoriert, dass das Steak nicht als Steak geboren wurde ist es
leichter es genüsslich zu verspeisen.
Wenn
man schon Fleisch isst, dann sollte man sich doch wenigstens Gedanken darüber
machen und schätzen, dass man die Möglichkeit dazu hat. Schätzen, dass ein Tier
dafür sein Leben lassen musste. Aber einfach die Tiere unter den Menschen zu
stellen und sie grausam niederzumetzeln um dann selbstverständlich sein Essen
in sich reinzustopfen ist nicht nur unverantwortlich, sondern einfach nur sau
blöd. „Man kann den
Fortschritt und moralischen Wert einer Gesellschaft daran messen, wie sie mit
ihren Tieren umgeht“, sagte Mahatma Gandhi und hatte damit meiner Meinung nach
Recht.
Rückblickend
muss ich zugeben, dass meine Rede durchaus einen werbenden Effekt hatte. Jedoch
denke ich nicht, dass sich dieser auf Vegetarismus bezog sondern eher auf die
Menschlichkeit. Ich sagte nie „Werdet Vegetarier“, sondern „Beginnt zu
schätzen, was ihr esst.“ Denkt darüber nach, was Tiere erleiden mussten bis sie
auf euren Teller gelangten. Entschuldigung, ich werde schon wieder schnulzig,
aber manchmal kann ich es mir einfach nicht verkneifen.
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Aber
ich muss mir ja über das, was andere denken, Gott sei Dank keine Sorgen mehr
machen, denn ich armer Vegetarier bin sowieso bald tot, da der Mensch ja ohne
Fleisch nicht überleben kann, oder...?
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