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Theorien und Methoden der Geographie .doc

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Environmental Science
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Geo Sciences
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2003
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Geo Sciences

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Theorie und Methoden

Gerhard LIEB

Organisatorisches: Prüfung: kurzfristig (2-3 Tage, max. 1 Woche) ausmachen, mündlich, Schwerpunkt: Verständnis

1. Zum Wesen der Geografie

1.1.         Alte und neue Definitionen

Stufen des wissenschaftlichen Arbeitens (BOESCH 1989)

- deskreptiv Beschreibungsebene

- explikativ Erklärungsebene: Verbesserung des theoretischen Wissens,

- normativ Gestaltungsebene: Bewertungen, Lösungsvorschläge

z.B. Entwicklungsleitlinie der Gg

1.2.         Die Geografie im Wandel der Zeit

  1. Beschreibende (kosmographische) Phase

 

In der Antike war das Wichtigste das Sammeln von enzyklopädischem Wissen der „terra incognita“. Der regionale Wissenshorizont wurde erweitert, erste Erkenntnisse der Mensch-Umwelt-Beziehung gesammelt. Auch gab es bereits eine klima-regionale Differenzierung

Im Mittelalter wurde das Wissen hauptsächlich in Arabien und China gewonnen / verbreitet.

Erst in der Renaissance kam es zu einem Ausgraben der antiken Kenntnisse; im 18.Jahrhundert kam es zur Begründung der eigentlichen Geografie (Spezialisierung), Vorreiter war HUMBOLDT. Vorrangiges Ziel war es damals, die weißen Flecken auf der Landkarte zu beseitigen (topographischer Aspekt); die Gg wurde noch von Einzelpersonen und deren individueller Forschung getragen.

 

  1. Etablierung der Gg als Wissenschaft

 

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Im frühen 19. Jh. Kam es zur Gründung der ersten Geografischen Gesellschaften (Österreich: 1856, damit einer der ersten weltweit).

Es kommt zu einer Ausbildung der Teilgebiete / Ausdifferenzierung der und innerhalb einzelner Fächer (Humangeografie: RICHTHOFEN, Physiogg: RATZEL). Diese Epoche ist geprägt durch

  • rasanten Wissens- und Methodenfortschritt
  • Eintritt in die explikative Phase
  • Institutionelle Aufwertung, Forschung

 

  1. Die Geografie des 20.Jahrhunderts

 

  • weitergehende Spezialisierung (Entwicklung eigener Disziplinen, z.B. Sozialgeografie, Almgeografie, Quartärforschung)
  • Diskussion von unterschiedlichen Ansichte, Richtungen, Zugängen und Ansätzen (Paradigmen = Forschungsansätze)
  • Richtungsstreit
  • Zunehmende Interdisziplinarität aufgrund der rasch zunehmenden Wissensmenge
  • Internationalisierung der Forschung
  • Politisierung der Gg (v.a. im 1. und 2.Weltkrieg), nationalistische Ideologien werden durch die Gg zu bestätigen versucht; Instrumentalisierung durch die Politik; einziger positiver Aspekt: erstmals kommt es zu einer Praxisrelevanz
  • Zunehmender Praxisbezug (angewandte Geografie)
  • Zunehmende Einbeziehung von neuen geografischen Technologien wie z.B. Fernerkundung

 

 

2. Die Geografie und ihre Stellung innerhalb der Wissenschaften

 

2.1. Aspekte des Wissenschaftsbegriffes

 

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WIRTH 1979 definiert Wissenschaft folgendermaßen:

  • Wissenschaft ist ein gesellschaftliches Teilsystem (institutionalisiert, abhängig von den gesellschaftlichen Rahmenbedingen
  • Überlieferter Wissensbestand (Transport mittels Sprache, Karten, Medien usw.); die Wissenschaft muss nachvollziehbar sein
  • Wissenschaft ist ein Prozess (z.B. deskriptiv – explikativ – normativ); dazu ist ein dynamischer Zugang erforderlich: Erforschen, Erkennen

 

Erkenntniswege:

INDUKTIV: durch Einzelbeobachtungen (z.B. Daten) folgert man allgemein gültige Regeln (z.B. Stadtbild einer orientalischen Stadt)

DEDUKTIV: man erarbeitet sich allgemeingültige, theoretische Regeln und wendet diese dann auf die Praxis an (z.B. THÜN’sche Ringe)

Gesellschaftliches Teilsystem: die Wissenschaft wird beeinflusst durch:

* persönliches System * soziales System * politisches System

* zeitliches System * wirtschaftliches System * kulturelles System

* materielles System *gedankliches System (Paradigmen)

Es kann daher keine objektiven Gesamtwahrheiten, keine wirkliche Objektivität, keine Unumstößlichkeit geben.

Wissenschaft muss nachvollziehbar sein (Interobjektivität)

Wissenschaft muss vorurteilsfrei und unparteilich sein

Offenheit gegenüber Kritik, Toleranz gegenüber anderen Meinungen

Verantwortlichkeit gegenüber der Gesellschaft, daraus folgen Handlungsanleitung (Internet: Handlungsanleitungen zum Abfassen von Arbeiten)

 

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  • nomothetisches Prinzip: ist ein Arbeitsprinzip, welches Gesetzmäßigkeiten sucht, um daraus Gesetze herzuleiten bzw. aufzustellen
  • idiografisches Prinzip: versucht Individualitäten des Versuchsobjektes zu beschreiben

 

Ansatzweisen:

  • Die Geografie als empirische Wissenschaft (beobacht- und messbare Daten)

 

Hierarchisches System: BASISSATZHYPOTHESE (Erklärungsversuche) – THEORIE (erklärt Wirklichkeit systematisch) – eventuell WIDERLEGUNG

Beispiel: Der Mt. Everest weist keine Vergletscherung auf, Hypothese: aufgrund von Wind lagert sich kein Schnee an; Theorie: oberhalb der Gletscher gibt es eine weitere Höhenstufe, auf der kein Gletscher existieren kann (Luftfeuchtigkeit); Widerlegung: andere Berge ähnlicher Höhe, welche Gletscher aufweisen

Fallbeispiele:

  1. Lavastromartige Ströme im Hochgebirge – Blockgletscher (Bsp. Schober-Gruppe)

 

Basissatz: es gibt lavastromartige Schuttgebilde (Blockgletscher)

Hypothese: Schutt muss plastisch sein, durchtränkt; oder ein Gletscher „versteckt“ sich im Schutt; oder der Permafrost ist verantwortlich (Eisübersättigung);

Überprüfung durch v.a. Physiografen

Theorie: Permafrosteis und Eisübersättigung ist für diese Blockgletscher verantwortlich

 

  1. Suburbanisierung am Beispiel Zypern

 

Basissatz: zypriotische Städte wachsen auffallend dynamisch in ihr Umland hinaus

Hypothese: Geburtenbilanz??, Lebensstandard!?, Zuwanderung!!, pol. Willenserklärungen

Überprüfung durch v.a. Humangeografen

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  • Objektebenen der Geografie

 

Erfahrungs-/Realobjekte ßà Erkenntnis-/Formalobjekt

(gg. Realität, Erde, Geosphäre) (Bezieh., Vernetz., Mensch-Umweltsystem)

2.2. Raum – Gesellschaft – Wirtschaft: Beziehungen der Gg zu anderen Fächern

Verschwimmen der Grenzen zwischen den Wissenschaften, Ineinandergreifen (Seite 4/5)

·         monodisziplinär: Bearbeitung eines Problems durch eine Wissenschaft

·         multidisziplinär: mehrere Wissenschaften arbeiten an einem Problem nebeneinander und ohne Kontakt

·         interdisziplinär: Zusammenarbeit der Wissenschaften

·         transdisziplinär: Partizipative Forschung, Betroffene werden involviert und profitieren davon

Beinamen der Geografie:

-          Raumwissenschaft

-          Naturwissenschaft ßà Geistes-/Human-/Kulturwissenschaft

-          Gesellschaftswissenschaft

-          Gegenstandswissenschaft

-          Beziehungswissenschaft (z.B. Mensch – Umwelt)

3.Vielfalt der Geografie

Modell der Dichotomien in der Geografie (ßà, Zweiteilungen, Gegensatzpaarungen)

-          Allgemeine Gg ßà Länderkunde/Regionalgeografie

-          Nomothetische Gg ßà Idiografische Geografie

-          Physiogeografie ßà Humangeografie

Skizze:

Idiografische Gg Allgemeine Gg

Physiogeografie ßà Humangeografie

 

Nomothetische Gg Regionalgg

 

 

 


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