Legen Sie den theologischen Hintergrund der Eheauffassung
der Protestanten am Beispiel des Dramas "Susanna" dar.
In dieser Arbeit wird anhand von Beispielen aus Lutherschen Texten und
„Ein geistlich spiel/von der Gotfurchtigen vnd keuschen frawen Susannen“
von Paul Rebhun der theologische Hintergrund der Eheauffassung der Protestanten
dargelegt.
Es gilt Parallelen zu finden und durch diese ein deutliches Bild der
Idealvorstellungen einer protestantischen Ehe aufzuzeichnen. Die Verbindung von
Rebhuns Werk und Luthers Texten zum ehelichen Leben erscheint insofern
sinnvoll, als, dass der später protestantische Pfarrer Rebhun zahlreiche
Kontakte zu Martin Luther und Philipp Melanchthon hatte, die ihn als einen
eifrigen Anhänger des Wittenberger Kreises bezeichnen.
In seinen Texten, die als „Vom ehelichen Leben“
zusammengefasst sind, beschreibt Luther welchen Regeln eine von Gott gewollte
Ehe folgen muss. Er beruft sich dabei wiederholt auf das Bibelwort, besonders
aber auf das Alte Testament und „– den nicht immer frauenfreundlichen – Paulus“.
Somit schafft er klare Aussagen, die, wenn sie zusammengetragen werden, eine
Anleitung zum führen einer Ehe geben.
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Luther beginnt damit die drei Arten der Liebe aufzuzählen; die falsche,
die natürliche und die eheliche. Jede davon findet auch in Rebhuns Susanna
ihren Platz. So lieben die Richter falsch, indem sie Susanna, also „Weiber
außer der Eh lieben wider Gottes Gebot“,
begehren.
Sie planen, wie sie dennoch ihre Gunst erlangen können: „Drumb mussen
wir vns unterstehen/ Einr andern hinterlist/ vnd sehen/
Ob wir durch vnser gwalt sie biegen/ Vnd vnsern willen möchten kriegen[...]“.
Darauf folgt die natürliche Liebe, die Liebe zwischen Vater und Kind, Bruder
und Schwester und anderen engen Familienmitgliedern. „Aber über die alle geht
die eheliche Liebe, das ist eine Brautliebe, die brennet wie das Feuer und
sucht nicht mehr denn das eheliche Gemahl, die spricht: >Ich will nicht das
deine, ich will weder Gold noch Silber, weder dies noch das, ich will dich
selber haben, ich will’s ganz oder nichts haben.<“.
In Rebhuns Drama wird diese Verbindung zwischen Susanna und Joachim durch
ihren Abschiedsschmerz deutlich. Als Joachim eine Reise antreten muss sagt
Susanna: „Das yhr wolt ziehen aus dem haus/ Vnd mich in trauern sitzen lahn?“
und versichert ihm „Jo herr/ mein freud fast alle gar/ Nemt yhr mit euch/ sag
ich fur wahr/ Dann ja nach got dem herrn ist mir/ Kein lieber ding auff erd
denn yhr“.
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Auch nennt er einige Varianten zur Bestrafung eines Ehebrechers. Wenn
beispielsweise die Obrigkeit es versäumt die Todesstrafe zu vollstrecken, so
soll der Ehebrecher in ein fernes Land geschickt werden.
Soweit kommt es aber bei Susanna nicht, da die Richter sie des Ehebruchs
anklagen und sie, wie auch Luther vorschlägt, zum Tod durch Steinigung
verurteilt wird. Susanna erhält eine, dem Protestantismus nach, legitime
Bestrafung: „Darum hat Gott im Gesetzt geboten, die Ehebrecher zu steinigen
[...], denn wer seine Ehe bricht, der hat sich schon selbst geschieden und ist
für einen tot Menschen geachtet. Tot, tot mit ihm, um bösen Exempels willen zu
meiden.“
Das Urteil über Susanna wird bei Rebhun auf Betreiben der Richter hin
fast übersturzartig gefällt und kann nicht etwa durch ihren Einwand, oder den
ihres Mannes, sondern nur durch den des prophetischen Jungen Daniel verhindert
werden.
Eine weitere Bedingung einer Ehe ist laut Luther „dass es Frucht bringt.
[...] Das ist aber nicht gnug, dass die Frucht geboren wird, [...] sondern dass
man die Frucht ziehe zu Gottes Dienst, Lob und Ehre und nichts anderes darinnen
suche, das leider selten geschieht.“
Die gottesfürchtige Erziehung der Kinder und der Gehorsam derer ihren Eltern
gegenüber scheint für Luther fast das wichtigste Leitbild der Kindererziehung
zu sein. Wie es auch im vierten Gebot Gottes heißt:
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Bei Rebhun erfüllt Susanna diese Aufgabe gewissenhaft, wie sich unter
anderem an im folgendem Gespräch zwischen Susanna und ihrem Sohn zeigt:
„BENIAMIN. [...] Das wir Got fürchten solln/ vnd allzeit ehren/ Vnd hütten vns
vor schweren [...] SVSANNA. [...] Dann Gott gedrohet hat alln bösen kinden/
Das er sie straffen wöll/ als offt sie sünden/ So aber sie nach seinem
willen leben/ So will er endlich ihn den hymel geben.“
Doch Susanna kann ihre Kinder nur gottesfürchtig erziehen, indem sie sich
selbst an die gepredigten Gebote hält. So wird ihre Ehrbarkeit an mehreren
Stellen bewundert und ausgesprochen, auch von einem der Richter: „Sie ist ein
frum gotfurchtig weibe/ Kein vnzucht ist in yhrem leibe/ Yhrn man sie helt in
allen ehren/ Thut sich von seiner lieb nicht keren/ Auff ehr/ vnd tugnt sie
zeucht yhr kinde/ Dazu yhr gantzes haus gesynde/ Vol erbarkeit seind all yhr
sitten.“
Auch ihre Mutter spricht ihr vor dem Gericht gut zu und bezeichnet sie
als „Die du hast von jugnt dein leben gefürt/ Keüsch/ wie einer frummen fraw
gebürt“.
Aber nicht nur ihren Kindern hat sie Gottesfürchtigkeit gelehrt, sondern auch
ihren Bediensten, die sie aufgrund dessen sehr schätzen. Erschrocken von dem
Vorwurf gegen sie, sagt einer:
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Zeitgleich kann auch ihrem Mann Joachim eine große Ehrbarkeit
zugesprochen werden, weil er zu seiner Frau steht, auch wenn die Obrigkeit
etwas anderes behauptet. So sagt auch Luther „Der Mann das Weibsbild oder
–glied nicht verachte noch spotte, wiederum das Weib den Mann nicht, sondern
ein jeglicher ehre des anderen Bild und Leib als ein göttlich gut Werk, das
Gott selbst wohl gefället.“
Joachim fragt, „Weysen herrn/ was hat verschult mein weibe/ Die kein vntugnt
hat in yhrem leibe“
und äußert schließlich, er möchte seinem „erretten yhre ehre.“
Schlussendlich hält sich Joachim in Rebhuns Drama an die ewige und durch Gott
verbundene Ehe und Treue indem er seine Frau nicht verstößt, sondern zu ihr
hält. „CHORUS PRIM. [...] #
Denn was kann edlers sein auff erd/ Denn so sich ehleut halten/ Gegn
ander alzeit lieb vnd werdt/ Vnd lassen sich nicht spalten/ Durch vnfal/ oder
frembde lieb/ Noch klafferey/vnd böss getrib“.
Er weiß, dass sie von Gott gegeben ist: „dass es Gottes Werk ist und Gott
wohlgefalle, was sie mit einem Weib leben und tun. [...] weil sie sehen, dass
es ihres lieben Gottes Wohlgefallen ist, könnten sie Frieden in Leid und Lust
mitten in der Unlust, Freud mitten in der Trübsal, wie die Märtyrer im Leiden,
haben.“
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