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Textlinguistik und Textsorten .doc

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Human Science
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German
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University, School
Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2008
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Textsorten

In der praktischen Kommunikation gibt es im Grunde keine konkreten „Textsorten“. Bestimmte Textexemplare können bestimmte Merkmale aufweisen, die es rechtfertigen sie zu einer Klasse von Texten, also „Textsorten“ zusammenzufassen.

Textsorten sind also Mengen von Texten mit bestimmten gemeinsamen Eigenschaften und haben Merkmale mit denen man sie von anderen Teilmengen abgrenzen kann. „Textklasse“ bezieht sich auf die Gesamtheit von Textmengen. „Textsorten“ bilden daher nur eine Teilmenge von „Textklassen“.

1. Hierarchische Stufung von Text-Klassen:

ð    Text-Typ: wenig generelle Gemeinsamkeiten

Großer Geltungsbereich

Hohe Abstraktionsstufe

z.B.: Schrift-Texte, politische Texte, Medien-Texte

ð    Textsorten: große Anzahl von konkreten Merkmalen

Geringer Geltungsbereich

Niedrige Abstraktionsstufe

z.B.: Arztrezept, Kochrezept, Privatbrief, Wetterbericht

ð    Textsortenklasse: Zwischenstufe im Geltungsbereich

Zwischenstufe für Gemeinsamkeiten

z.B.: medizinische Texte, Anweisungstexte

ð    Textsortenvarianten: sind inhaltlich geprägte Subklassen von „Textsorten“

z.B.: Reisewetterbericht, Biowetterbericht

 

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2. Klassifikationskriterien für Textsorten (aus Studienbuch)

Textinterne Kriterien:

ð    Die lautlich-paraverbale (bzw. graphische) Ebene:

= ist die graphische Gestaltung des Textes, z.B. Absätze, Überschriften

ð    Die Wortwahl:

= Schlüsselwörter; Welche Wörter geben Hinweise? Viele Nomen, Verben, Adjektive?

ð    Art und Häufigkeit von Satzbaumustern:

= welche Wörter und wie oft kommen sie vor? Werden Sätze wiederholt? z.B. Wissen wir aufgrund geballter Nominalkonstruktionen und Partizipialgefüge dass es eher kein Liebesbrief oder ein Märchen ist; Sätze über mehrere Zeilen: HS – GS

ð    Die Themenverbindung und der Themenverlauf:

= ein Thema soll durchgehalten und vertiefend behandelt werden. Nicht der Fall ist dies oft bei Privatbriefen, bei Vorträgen jedoch schon.

ð    Das Thema selbst:

= zeigt schon die Textsorte selbst; Tipp: siehe Überschrift, z.B. wissenschaftlicher Text über Atemnot

ð    Textstrukturmuster:

= ist eine textsorten-spezifische Gliederungs- oder Baustruktur; betrifft die Tiefenstruktur eines Textes

 

Textexterne Kriterien:

 

ð    Die Textfunktion:

= ist an den Kommunikationszusammenhang gebunden, z.B.: Information, Aufklärung,…

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ð    Das Kommunikationsmedium, das den Text „trägt“:

= z.B.: Brief, Telegramm, Fachzeitschrift, Lexikon, Zeitung,

ð    Die Kommunikationssituation, in die ein Text eingebettet ist:

= Situation im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld; Faktoren wie Zeit und Ort und aktuelle Umstände spielen eine Rolle.

• Öffentlichkeitscharakter einer Situation z.B. öffentl. Komm. (Buch, Zeitung)

• der soziale Status der Kommunikationspartner

• das Vorwissen der Kommunikationspartner

• Bekanntheitsgrad der Kommunikationspartner

Kohäsion

Die Beziehungen zwischen den einzelnen Sätzen eines Textes lassen sich in vielen Fällen an sprachlichen Elementen festmachen, die untereinander im syntaktischen oder auch semantischen Bezug stehen. Wenn wir solche sprachlichen Textbezüge haben, sprechen wir von Kohäsion.

Die Mittel, die dazu eingesetzt werden, nennt man Kohäsionsmittel. Je nach Art des sprachlichen Mittels unterscheidet man verschiedene Formen von Kohäsion.

1. Rekurrenz

Unter Rekurrenz verstehen wir die Wiederaufnahme eines einmal eingeführten Textelements im nachfolgenden Text.

Im einfachsten Fall wird das gleiche Lexem immer wieder aufgegriffen:

z.B.: Gestern sah ich einen Vogel. Der Vogel war ganz klein. Als Nestplatz hatte sich der Vogel unseren Baum ausgesucht.

 

Es gibt auch die Möglichkeit, dass lediglich ein Lexem desselben Lexemverbandes aufgegriffen wird:

z.B.: …entdeckte – Entdeckungsreise – Entdecker – Entdeckung

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Es sind aber auch Texte denkbar, in denen sich zwei gleiche Wortformen sich nicht auf ein Referenzobjekt beziehen: z.B.: Meine Mutter ist so ängstlich. Annas Mutter ist furchtloser.

2. Substitution

Substitution liegt dann vor, wenn ein Textelement, also ein Wort oder eine Wortgruppe, im nachfolgenden Text ein ihm inhaltlich verbundenes Element wieder aufgenommen wird und wenn sich beide Textelemente auf dasselbe außersprachliche Objekt beziehen, d.h. dieselbe Referenz haben. Dies gilt meist bei Synonymen, Unterbegriffen, Oberbegriffen, Metaphern.

z.B.: Ich habe Petunien gesehen. Diese Balkonpflanzen mag ich.

Das Gold wurde von einem Drachen bewacht. Der Lindwurm tötet jeden, der den Schatz erobern will.

3. Pro-Formen

Zu den Pro-Formen gehören vor allem Pronomina, aber auch Adverbien (dort, da) und Pronominaladverbien (wobei, darauf, womit), sowie Demonstrativpronomina (dieser, der).

Als Bezugselemente können sprachliche Einheiten unterschiedlicher Größe auftreten: Wörter, Wortgruppen, Einzelsätze, ganze Satzgruppen.

z.B.: Das ist Markus. Er ist Linguist.

Paul ist in Griechenland. Es gefällt ihm dort.

 

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4. Bestimmter und unbestimmter Artikel (Textdeixis)

Auch die Artikelsetzung kann zur Textverknüpfung beitragen. Sie sind eine Art Anweisung, im umgebenden Text nach Bezugselementen zu suchen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Textdeixis. Mit dem unbestimmten Artikel können neue, (noch) unbekannte Größen in einen Text eingeführt werden, während der bestimmte Artikel dagegen üblicherweise dann benutzt wird, wenn über bereits Bekanntes gesprochen wird.

Oftmals wird aber auch auf außertextliche Wissensbestände verwiesen ((Vor-)Wissensdeixis).

5. (Situations-)Deixis

Sowohl die Pro-Formen als auch der bestimmte Artikel können in einem Text auch noch eine weitere Aufgabe übernehmen: Sie können außer zur Verknüpfung von Textelementen auch dazu verwendet werden, einen Bezug zu der konkreten Situation herzustellen, in die ein Text eingebettet ist, d.h. sie können den Text mit dem ihn umgebenden außersprachlichen Kontext verknüpfen.

Sie verweisen also oft auch auf eine Realität, sie haben eine situationsdeiktische Funktion. Meist ist sie aber nur in der gesprochenen Sprache zu finden.

 

6. Ellipse

 

Der elliptische Anschluss ist eine Form der Textverknüpfung, die eine Suchanweisung durch fehlendes Wortmaterial auslöst.

z.B.: Rom hat mir sehr gefallen. Paris weniger.

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