Textsorten
In der
praktischen Kommunikation gibt es im Grunde keine konkreten Textsorten.
Bestimmte Textexemplare können bestimmte Merkmale aufweisen, die es
rechtfertigen sie zu einer Klasse von Texten, also Textsorten
zusammenzufassen.
Textsorten sind also Mengen von Texten mit bestimmten
gemeinsamen Eigenschaften und haben Merkmale mit denen man sie von anderen
Teilmengen abgrenzen kann. Textklasse bezieht sich auf die Gesamtheit von
Textmengen. Textsorten bilden daher nur eine Teilmenge von Textklassen.
1. Hierarchische
Stufung von Text-Klassen:
ð Text-Typ:
wenig generelle Gemeinsamkeiten
Großer
Geltungsbereich
Hohe
Abstraktionsstufe
z.B.:
Schrift-Texte, politische Texte, Medien-Texte
ð Textsorten:
große Anzahl von konkreten Merkmalen
Geringer Geltungsbereich
Niedrige Abstraktionsstufe
z.B.: Arztrezept, Kochrezept, Privatbrief, Wetterbericht
ð Textsortenklasse:
Zwischenstufe im Geltungsbereich
Zwischenstufe für Gemeinsamkeiten
z.B.: medizinische Texte, Anweisungstexte
ð Textsortenvarianten:
sind inhaltlich geprägte Subklassen von Textsorten
z.B.: Reisewetterbericht, Biowetterbericht
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2.
Klassifikationskriterien für Textsorten (aus Studienbuch)
Textinterne
Kriterien:
ð Die
lautlich-paraverbale (bzw. graphische) Ebene:
= ist die graphische Gestaltung des Textes, z.B. Absätze, Überschriften
ð Die
Wortwahl:
= Schlüsselwörter; Welche Wörter geben Hinweise? Viele Nomen, Verben,
Adjektive?
ð Art
und Häufigkeit von Satzbaumustern:
= welche Wörter und wie oft kommen sie vor? Werden Sätze wiederholt?
z.B. Wissen wir aufgrund geballter Nominalkonstruktionen und Partizipialgefüge
dass es eher kein Liebesbrief oder ein Märchen ist; Sätze über mehrere Zeilen: HS
GS
ð Die
Themenverbindung und der Themenverlauf:
= ein Thema soll durchgehalten und vertiefend behandelt werden. Nicht der
Fall ist dies oft bei Privatbriefen, bei Vorträgen jedoch schon.
ð Das
Thema selbst:
= zeigt schon die Textsorte selbst; Tipp: siehe Überschrift, z.B.
wissenschaftlicher Text über Atemnot
ð Textstrukturmuster:
= ist eine textsorten-spezifische Gliederungs- oder Baustruktur; betrifft
die Tiefenstruktur eines Textes
Textexterne
Kriterien:
ð Die
Textfunktion:
= ist an den Kommunikationszusammenhang gebunden, z.B.: Information,
Aufklärung,
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ð Das
Kommunikationsmedium, das den Text trägt:
= z.B.: Brief, Telegramm, Fachzeitschrift, Lexikon, Zeitung,
ð Die
Kommunikationssituation, in die ein Text eingebettet ist:
= Situation im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld; Faktoren wie Zeit
und Ort und aktuelle Umstände spielen eine Rolle.
Öffentlichkeitscharakter einer Situation z.B. öffentl. Komm. (Buch,
Zeitung)
der soziale Status der Kommunikationspartner
das Vorwissen der Kommunikationspartner
Bekanntheitsgrad der Kommunikationspartner
Kohäsion
Die Beziehungen
zwischen den einzelnen Sätzen eines Textes lassen sich in vielen Fällen an
sprachlichen Elementen festmachen, die untereinander im syntaktischen oder auch
semantischen Bezug stehen. Wenn wir solche sprachlichen Textbezüge haben,
sprechen wir von Kohäsion. Die Mittel, die dazu eingesetzt werden, nennt man
Kohäsionsmittel. Je nach Art des sprachlichen Mittels unterscheidet man
verschiedene Formen von Kohäsion.
1. Rekurrenz
Unter Rekurrenz
verstehen wir die Wiederaufnahme eines einmal eingeführten Textelements im
nachfolgenden Text.
Im einfachsten
Fall wird das gleiche Lexem immer wieder aufgegriffen:
z.B.: Gestern sah ich
einen Vogel. Der Vogel war ganz klein. Als Nestplatz hatte sich
der Vogel unseren Baum ausgesucht.
Es gibt auch
die Möglichkeit, dass lediglich ein Lexem desselben Lexemverbandes aufgegriffen
wird:
z.B.:
entdeckte Entdeckungsreise
Entdecker Entdeckung
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Es sind aber
auch Texte denkbar, in denen sich zwei gleiche Wortformen sich nicht auf ein
Referenzobjekt beziehen: z.B.:
Meine Mutter ist so ängstlich. Annas Mutter ist furchtloser.
2.
Substitution
Substitution
liegt dann vor, wenn ein Textelement, also ein Wort oder eine Wortgruppe, im
nachfolgenden Text ein ihm inhaltlich verbundenes Element wieder aufgenommen
wird und wenn sich beide Textelemente auf dasselbe außersprachliche Objekt
beziehen, d.h. dieselbe Referenz haben. Dies gilt meist bei Synonymen,
Unterbegriffen, Oberbegriffen, Metaphern.
z.B.: Ich habe Petunien
gesehen. Diese Balkonpflanzen mag ich.
Das Gold wurde von
einem Drachen bewacht. Der Lindwurm tötet jeden, der den Schatz
erobern will.
3. Pro-Formen
Zu den
Pro-Formen gehören vor allem Pronomina, aber auch Adverbien (dort, da)
und Pronominaladverbien (wobei, darauf, womit), sowie
Demonstrativpronomina (dieser, der).
Als
Bezugselemente können sprachliche Einheiten unterschiedlicher Größe auftreten:
Wörter, Wortgruppen, Einzelsätze, ganze Satzgruppen.
z.B.: Das ist Markus. Er
ist Linguist.
Paul ist in Griechenland.
Es gefällt ihm dort.
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4. Bestimmter
und unbestimmter Artikel (Textdeixis)
Auch die
Artikelsetzung kann zur Textverknüpfung beitragen. Sie sind eine Art Anweisung,
im umgebenden Text nach Bezugselementen zu suchen. In diesem Zusammenhang
spricht man auch von Textdeixis. Mit dem unbestimmten Artikel können neue,
(noch) unbekannte Größen in einen Text eingeführt werden, während der bestimmte
Artikel dagegen üblicherweise dann benutzt wird, wenn über bereits Bekanntes
gesprochen wird. Oftmals wird aber auch auf außertextliche Wissensbestände
verwiesen ((Vor-)Wissensdeixis).
5.
(Situations-)Deixis
Sowohl die
Pro-Formen als auch der bestimmte Artikel können in einem Text auch noch eine
weitere Aufgabe übernehmen: Sie können außer zur Verknüpfung von Textelementen
auch dazu verwendet werden, einen Bezug zu der konkreten Situation
herzustellen, in die ein Text eingebettet ist, d.h. sie können den Text mit dem
ihn umgebenden außersprachlichen Kontext verknüpfen. Sie verweisen also oft
auch auf eine Realität, sie haben eine situationsdeiktische Funktion. Meist ist
sie aber nur in der gesprochenen Sprache zu finden.
6. Ellipse
Der elliptische
Anschluss ist eine Form der Textverknüpfung, die eine Suchanweisung durch
fehlendes Wortmaterial auslöst.
z.B.: Rom hat mir sehr gefallen.
Paris weniger.
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