Täuschungs-Dimension
Täuschung - Fake -
Fälschung
In den westlichen Gesellschaften
umfasst das Feld der Fälschung einen unüberschaubaren Bereich der
Unterscheidungen zwischen dem Echten oder Wahren und dem Gefälschten oder
Unwahren.
Von den angeblichen Hitler
-Tagebüchern bis zum trojanischen Pferd, - welches eines der ältesten
Beispiele strategischer Täuschung darstellt, muss man mit einbeziehen das die
Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch politische Fragen zur Folge haben.
Nicht nur historische Beispiele
sondern auch Alltagssituationen lassen sich beschreiben. Täuschung und
Fälschung sind stark von moralischen Bewertungsstrategien abhängig, welche den
gesellschaftlichen Rahmen für die Kunstfälschung bestimmen. Seit dem 15. Jh.
ist nicht die Fälschung strafbar, sondern der Betrug der den Handel mit
falschen Kunstwerken betrifft. (Kunstfälschungen beziehen sich immer auf ein
Original)
Der Aufschwung des neuen
Fälschungsbegriffs meint das ein Falsches, welches innerhalb einer bestimmten
sozialen Gruppe als Falsch verstanden wird, ohne dass ihm ein Original
gegenübergestellt wurde, weil man sich der Scheinhaftigkeit bewusst ist.
Paradoxerweise wird es trotzdem als Fake bezeichnet.
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In der 2.Hälfte des 20.Jh. kam es zu
grundsätzlichen und folgenschweren Änderungen des Grundmodells, welche auch den
Fälschungsbegriff mit einbezieht.
In den 50ern hängte man bewusst
Fälschungen in Museen auf. Zu Beginn der 1970er Jahre bediente man sich an
verschiedensten künstlerischen Techniken, um bewusste Fälschungen an
zufertigen. Wesentlich war auch die Vollendung der theoretischen Untersuchung
der Fälschung, aus der sich ergeben hat, dass die Weiterentwicklung des
Begriffs, nicht mehr mit traditionellen kunstgeschichtlichen
Beschreibungsmethoden erfasst werden kann.
Solange die Fälschung als Original
anerkannt wird, hat es der Fälscher geschafft, den Kriterien der Experten zu
Entsprechen. Dass heißt, dass es keine Fälschung mehr ist sondern noch
Original. Wird die Fälschung wiederum als solche erkennt, spiegelt die Form
der Täuschung sehr präzise die Kunstnorm der Zeit wieder.
Die Veränderung des Strukturmusters
ist von der Moderne (= Ethik des Originals) bis zum postmodernen Fake (= kein
eindeutiger Ursprung, kein best. Vorbild) extrem geprägt.
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Seit Anfang der 90er Jahre werden die
Begriffe Fake und Fälschung synonym verwendet à Fake ist
trendy und kürzer
Der Begriff des »Fake« meint eine
mimetische Nachahmung eines anderen Kunstwerks, die im Gegensatz zur Fälschung
selbst auf ihren gefälschten Charakter hinweist. Das Fake zielt demnach mittels
einer genauen Untersuchung auf einen Erkenntnisprozess: Die Reproduktion wird
nicht mehr moralisch als Fälschung verurteilt, sondern das Fake wird als Kritik
der Institution der Kunst und ihrer Ideologie des Originals betrachtet.
Das einbezogene Zweck dienende Wissen
um einen geschickten, witzigen Akt der Täuschung wird als Fake bezeichnet,
während nach der Entschleierung einer Fälschung, vorurteilend von Fälschung
die Rede ist.
Die 3 Gebrauchstechniken für Fake:
à
Als Ausruf bei einer Entschleierung einer Fälschung
à
Bei einer Fotomontage mit illusionistischen Effekten
à
Kulturelle Taktik, wodurch der falsche Charakter von scheinbar wahren
Phänomenen in der falschen Kultur vorgeführt werden soll
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à
keine Fixierung auf rein ästhetisches Verstehen, Vorraussetzung ist eine
künstlerische Autonomie
Durch die Verwendung von Fake in
medientheoretischen Bereichen, bekommt er positive und kreative Anerkennung.
Die Doppelbedeutung lenkt
Aufmerksamkeit auf sich, einerseits durch das Bestehen als originales
Kunstwerk und andererseits als Fälschung .Das Problem dabei ist, dass es
keine Stilzuweisung und Fixierung auf Themen, Motive oder Medien gibt.
Carol
Duncan, The Fake as More, by Cheryl Bernstein (1973)
Als Carol Duncan und ihr damaliger
Mann Andrew an einem Abend 1970 aus einer Laune heraus den kurzen, aber für die
weitere Entwicklung der Appropriation Art nicht unwichtigen Text The Fake as
More, über die theoretische Kunstauffassung Artforum schrieben, hatten sie
nach der späteren Erzählung der Autorin nichts weiter im Sinn gehabt, als eine
Parodie auf die damaligen Diskurse der Kunsttheorie zu verfassen. Tatsächlich
wurde daraus im Zusammenhang der frühen Manifestation der Appropriation Art -
ohne jede Intention der Verfasser - einer der einflussreichsten und meist
beachteten Texte, welcher den theoretischen Diskurs der 80er Jahre bestimmen
sollte.
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Das neue
Konzept von Herron war, dass er das gesamte Werk Frank Stellas in nur einem
Jahr Produktionszeit nahezu perfekt kopierte. Dieses für die damalige Zeit und
dem damaligen theoretischen Diskurs geradezu absurde Konzept Herrons, wurde von
Bernstein mittels zahlreicher Referenzen auf die aktuellen postmodernen
französischen Philosophen durch eine nicht minder ungewöhnliche Rechtfertigungsrhetorik
als new manifestation gefeiert und damit (insgeheim) ironisiert.
Weil die
sprachlich überaus gründlich ausgeformten, aber in teilweise nur sehr lockerem
Sinngefüge benutzten Zitate
der
Philosophiegeschichte zwar als rhetorische Finessen gelesen, aber nicht als
zynische Kritik an dem Kunstbetrieb verstanden wurden.
Erst 13 Jahre
später, als Hank Herron als geheimnisvoller Vorläufer der damals
vieldiskutierten Appropriation Art seine höchste Popularität genoss, klärte
Thomas Crow in seinem Essay The Return of Hank Herron darüber auf, dass es
sich bei dem Künstler um ein Hoax (=Täuschung) handeln würde und das Carol
Duncan die Autorin sei.
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