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Stilkunde der Fotografie .rtf

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Art / Visual Arts
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STILKUNDE DER FOTOGRAFIE

THEMEN:

1. Frühe fotografische Verfahren (1839; Niepce, Talbot)

2. Frühe Porträtfotografie (Hill, Adamson)

3. Fotografie & Malerei (Konkurrenz (Ingres); Fotos als Malvorlagen;

Kombinationsfotografie; Fotos als Kunst)

4. Frühe Dokumentarfotografie (Reisefotografie, Kriegsfotografie (Matthew Brady), Native

Americans (Curtis), Sozialdokumentation)

5. Fotografie & Wissenscha (Duchamp de Bologne – Elektroschocks bei Nervenkranken;

Ernst Mach; Röntgen)

6. Kunstfotografie (Malerei – Fotografie; Landschasfotografie)

7. Straight Photography (Erste Jahrzehnte 20. Jh.; Fotografie als eigenes Medium (Stieglitz,

Steichen, Adams – f/64))

8. Experimentelle Tendenzen (Beginn in den 20ern und 30ern; Rodtschenko, Bauhaus,

Photogramme)

9. Fotojournalismus (Life Magazine, Weege (erster Paparazzi))

10. Die 50er-/60er-Jahre („Reine Fotografie“ – Robert Frank (e Americans); „Subjektive

Fotografie“ – Steinart; Experimentalfotografie (US-Ostküste))

11. 60er-/70er-Jahre: Konzeptuelle Fotografie

12. Feministische Fotografie (Aktionismus; Schneemann, Pane (Selbstverletzung))

 

1. HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER FOTOGRAFIE

 

WAS IST EINE FOTOGRAFIE?

„Malen mit Licht“

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Camera obscura

Wesely – Langzeitbelichtungen (wesely.org)

FIXIERUNG

Nicéphore Niepce (Heliografie, Kupferstich-Repros); Judäapech + Lavendelöl

Prinzip: Licht härtet Materialien

Ausblick aus dem Landhaus (Kupferplatte), Stillleben (Glas)

Daguerre – Erfinder der Fotografie

Daguerre und Niepce haben sich nie persönlich getroen, sondern nur über Charles

Chevalier (u.a. Objektivbauer) kommuniziert

Niepce verkaue seine Erfindung dem französischen Staat, dieser stellte sie der

Allgemeinheit zur Verfügung

„Erfindungsjahr“ der Fotografie: 1839

Träger: versilberte Kupferplatte + Silberjodid, Entwicklung mit Quecksilberdämpfen,

Fixierung mit NaCl

Merkmale: spiegelnde Oberfläche; Positivverfahren; Oxidationsgefahr, daher

Auewahrung unter Glas

Daguerre, Der Louvre vom linken Seineufer aus (1839)

Aufgabe der frühen Fototechnik: Steigerung der Lichtstärke bzw. Verkürzung der

Belichtungszeit

Daguerre, Boulevard du Temple (1839, Paris)

Vgl. Chuck Close, Self-Portrait (21,6x15,6cm)

• Experimente mit Daguerreotypie

• Starke Hell-Dunkel-Kontraste, geringe Tiefenschärfe

Jerry Spagnoli (geb. 1956), O.T. (2001; Daguerreotypien)

http://www.jerryspagnoli.com

• Spiel mit geringster Tiefenschärfe

Jerry Spagnoli, Serie New York (1998–2004)

 

FOTOGRAFIE IN ÖSTERREICH

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Jänner/August 1839 – Veröentlichung der Daguerreotypie

Im selben Jahr erreichte die Technik auch Österreich

Andreas Freiherr von Ettingshausen: einer der ersten Wanderdaguerreotypisten in den

1840er- und 1850er-Jahren; die Wanderdaguerreotypisten mieteten sich meist für einige

Zeit in einer Stadt ein, omals in Apotheken oder Glashäusern

Frühe „Zentren der Fotografien“: Hauptstädte (Wien, Budapest), Ferienziele (Bad Ischl,

Semmering, etc.)

Gebrüder Rospini, Stadtkrone von Graz (1840)

Erste Interessenten: Maler, Chemiker, Physiker, Apotheker (Verfügbarkeit der Substanzen)

LICHTSTARKE OBJEKTIVE

Josef Petzval und Friedrich Voigtländer (Wiener) entwickelten das erste lichtstarke

Objektiv (f/3,6)

Aufnahmen waren durch die Konstruktion kreisrund

KALOTYPIE

Henry Fox Talbot entwickelte parallel eine weitere Technik (Talbotypie od. Calotypie –

Silbernitrat als lichtempfindliches Material; Papier als Träger), u.a. als Ersatz für

Reisezeichnungen; Talbot ließ sich die Technik patentieren

Henry Fox Talbot (1800–1877), photogenic drawings

• Motive waren Äste, Blätter, etc.

Anfänge der klassischen Fotografie, da Papier mit Silbernitrat lichtempfindlich gemacht

wurde – dadurch erhielt er ein Negativ, nachdem er das belichtete Papier mit Öl oder

Wachs durchsichtig gemacht hatte

Henry Fox Talbot, e pencil of nature (1844–1846)

• Erstes Fotobuch

• Genrebilder und Stillleben

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2. FRÜHE PORTRAITFOTOGRAFIE

David Octavius Hill (1802–1870; Maler) und Robert Adamson (1821–1848; Fotograf)

Gruppenbild des Gründungskonvents der Free Church of Scottland, Edinburgh (1843;

1,5x3m)

• Bild wurde von Octavius Hill nach einer Fotografie von Adamson gemalt

Die gröbere Struktur der Kalotypie wurde von den zeitgenössischen Malern geschätzt

Man orientierte sich an der klassischen Malerei (z.B. Vermeer)

Hill u. Adamson, Porträts von D. O. Hill (1840er-Jahre)

• Sehr klassische Bildgestaltung: dunkle Hintergründe, Attribute (Darstellung von Hill als

Maler durch Skizzenblock in der Hand)

Hill u. Adamson, Charlotte Hill (1845)

NASSES KOLLODIUMVERFAHREN

Erfunden 1851 von Frederick Scott Archer; Glasplatten; Kollodium als Träger

Papier wurde als Positivmaterial beibehalten

Musste nass und zeitnahe belichtet und entwickelt werden, die Platten wurden daher vor

Ort vorbereitet und verarbeitet

Vorteil: kurze Belichtungszeiten

1871: Richard Leach Maddox entwickelt eine Trockenplatte auch Bromsilbergelatinebasis

POSITIVVERFAHREN

Albuminpapier (Hühnereiweis; 1850 von Louis Blanquart-Evrard entwickelt)

Erstes in Massenproduktion hergestelltes Fotomaterial

Solarkamera »Jupiter«, Nashville Tenessee, ca. 1866

• Erster Vergrößerer

 

WEITERE HISTORISCHE VERFAHREN

Ambrotypie (1852) – Glasplatte; mit schwarzem Hintergrund wurde das sehr schwache

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Ferrotypie/Tintype (1855) – Eisenplatte mit grober lichtempfindlicher Schicht; sehr

schnelles und günstiges Verfahren, daher z.B. auf Jahrmärkten eingesetzt

CARTES DE VISITE

Das Format stammt von der Visitenkarte (6x9cm), mit der Aufspaltung wurde die

Kalotypie erschwinglich (8 Aufnahmen auf einer „typischen“ Platte); später wurde das

Format wieder etwas größer (12cm)

André Disdéri (1854)

Am Todestag des Prinzen wurden in England 70.000 Porträts verkau (»Kartomanie«)

Merkmale der Porträts: gemalte Hintergründe; meist stehend; meist

Ganzkörperdarstellung; verschiedene Staagen (Pflanzen, Möbel, Spielzeug, etc.)

FRÜHE KÜNSTLERISCHE PORTRÄTFOTOGRAFIE

Nadar (1820–1910), Porträts Sara Bernardt (um 1859)

• War in der Künstlerszene veranktert und fotografierte abseits des Mainstreams

• Größere Formate; Konzentration auf den Charakter der Person, auch durch die

Verhüllung des Körpers

Nadar, Georges Sand (1866)

Nadar, Franz Liszt (1886)

NADAR

Paris

Künstler

legte Wert auf besondere „Portraitfotografie“

„Sara Bernardt“ Licht als Akzentuierung, Person im Vordergrund, das Körperliche

verhüllt er

„Georges Sand“ „Franz Liszt“

Portrait seiner Mutter: Lichtakzentuierung, Blick ins Jenseits, Melancholie, die Aura wird

eingefangen

Selbstportrait: Handhaltung + Verbindung mit dem Gesicht, Charakter, Blick

er machte erste Luaufnahme, eine neue Perspektive wurde erönet (1858)

Katakomben (1861) schlechte Lichtsituation


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