Dieses Verhalten animiert zur
Nachahmung. Außerdem werden die Kinder nicht durch die komplexe
Erwachsenensprache überfordert. Durch Reime und Abzählverse gelingt es dem Kind
einen gewissen Rhythmus für die Sprache zu entdecken. Außerdem kann es
hilfreich sein, die Gedanken des Kindes zu verbalisieren. Z.B.: wenn ein Kind
Milch trinkt, sagt die Therapeutin: ‚Milch trinken’. Auf diese Weise lernt das
Kind seine Gedanken richtig zu formulieren.
CRICKMAY (1990) betont, dass diese Stufe des Sprechens
nur bei den leicht geschädigten Kindern erreicht werden kann. Bei Kindern,
deren Intelligenz nicht ausreicht und die nicht die Vorraussetzungen mitbringen
um diesen neuro-muskulären Entwicklungsstand zu erreichen, kann auch eine gute
Therapeutin wenig tun.
Sie sollte jedoch immer versuchen jedes Kind seinen
individuellen Bedürfnissen nach soweit es geht zu fördern (vgl.: CRICKMAY 1990,
S. 118 ff).
6.4 Das CASTILLO MORALES
Konzept
Das CASTILLO MORALES Konzept setzt sich aus drei
Teilen zusammen. Der erste Teil ist die Neuromotorische Entwicklungstherapie,
die für die Behandlung von Kindern mit Meningomyelozelen, Retardierungen und
peripheren Paresen zuständig ist. Der zweite Teil ist die Orofaziale
Regulationstherapie, die für Kinder mit sensomotorischen Störungen im Bereich
des Gesichtes, des Mundes und des Rachens, und besonders für die Behandlung von
Saug-, Kau-, Schluck-, und Sprechstörungen zuständig ist.
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In diesem Zusammenhang soll nur auf die Orofaziale
Regulationstherapie von Kindern mit CP eingegangen werden.
Bevor mit der Therapie begonnen werden kann, muss
zunächst der orofaziale Komplex genau untersucht werden. Im Anhang befindet
sich ein Untersuchungsbogen für den orofazialen Komplex nach CASTILLO MORALES
(vgl.: CASTILLO MORALES 1998, S. 106 ff).
Bei Kindern mit CP ist es wichtig, dass man die
Techniken der Orofazialen Regulationstherapie mit anderen therapeutischen
Konzepten kombiniert. Denn diese sind speziell für das Kind, mit seinen individuellen
Bewegungsstörungen, entwickelt worden. Wie auch die Therapie von BOBATH &
BOBATH gezeigt hat, ist es wichtig, dass der jeweilige Therapeut über Techniken
aus der Krankengymnastik bescheid weiß, die pathologische Bewegungsmuster und
unerwünschte Reaktionen verhindern. Jedes Kind hat seine eigene optimale
Ausgangsstellung, die für die erfolgreiche Behandlung des orofazialen Komplexes
Vorraussetzung ist (vgl.: CASTILLO MORALES 1998, S. 165 ff). Doch bevor in die
Therapie eingestiegen werden kann, muss der orofaziale Komplex muskulär,
artikulär und sensoperzeptuell vorbereitet werden.
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Das Berühren muss sich angenehm und sicher anfühlen
und wird mit den Fingerspitzen oder der ganzen Handfläche ausgeführt. Durch die
Berührung erfolgt eine Aktivierung der Nervenendigungen und der Merkelschen
Tastscheiben.
Beim Streichen werden die Nervenendigungen stimuliert
indem die Haare über der Haut in Bewegung gesetzt werden, und diese als kleine
Hebelsysteme agieren. Das Streichen sollte fest und langsam geschehen.
Der Zug sollte langsam und sanft auf einen einzelnen
Muskel oder eine synergetische Muskelkette ausgeführt werden. Dadurch werden
hauptsächlich primäre und sekundäre Rezeptoren, die sich in den Muskelspinden
befinden, aktiviert. Da die propriozeptiven Empfindungen, die von diesen
Rezeptoren ausgehen, die afferente Grundlage von Haltung und Bewegung sind,
spielen sie eine große Rolle in der Regulierung von Haltung und Bewegung.
Der Druck wird an die gewünschte Reaktion angepasst
und in eine bestimmte Richtung ausgeübt. Die Stimulationszone muss zuvor
bestimmt werden. Da sich die Pacini-Körperchen und die Meißnerschen
Tastkörperchen, die hauptsächlich aktiviert werden, schnell an einen Stimulus
anpassen, erfolgt der Druck meistens vibrierend. Er sollte fest sein, aber
keine Schmerzen auslösen.
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Nachdem die Muskeln vorbereitet wurden, kann mit der
Therapie begonnen werden. Bei der Basisübung befindet sich der Patient in
Rückenlage, bei der die Arme locker neben dem Körper liegen, die Wirbelsäule in
ihren physiologischen Schwingungen eingeordnet ist und die Beine leicht gebeugt
sind, mit einer Rolle unter den Knien. Liegt der Patient auf einer
Behandlungsbank, nimmt der Therapeut den Kopf in seine Hände, liegt er auf
einer Matte, setzt sich der Therapeut in den Grätschsitz und nimmt den Kopf zwischen
seine Beine. Um die Hals- und Nackenmuskulatur zu entspannen, führt der
Therapeut Flexions-, Extensions-, Lateral- und Rotationsbewegungen aus. Danach
umfasst er mit einer Hand flächig die Okzipitalzone und mit Daumen und
Zeigefinger die Mastoidfortsätze. Mit der Handfläche der anderen Hand drückt er
das Kinn leicht in Richtung der Kiefergelenke. Beide Hände ziehen den Kopf und
bringen ihn in eine Extension. Danach wir er in eine Flexion gebracht und
zur Kinnhand des Therapeuten gedreht. Das Kinn befindet sich nun in der Nähe
der Schulter. Die Hand, die am Hinterkopf hält, streckt den Nacken soweit wie
möglich und der Therapeut fordert den Patienten auf zu schlucken. Handelt es
sich um einen Patienten, der nicht Schlucken kann oder die Anweisung nicht
versteht, streicht der Therapeut über den Mundboden und übt einen leichten
Druck mit Vibration Richtung dorsal/kranial aus.
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Nach dem gleichen Prinzip können verschiedene Übungen
durchgeführt werden, bei denen die Basisstellung ein wenig variiert werden
muss. So kann die Mandibula vorverlagert, der Kiefer aktiv geöffnet, die
Zungenbeinmuskulatur aktiviert, die Oberlippe aktiviert, die Hyperaktivität der
Kinnmuskulatur inhibiert, und die Wangen und Lippen zum vibrieren gebracht
werden.
Es gibt verschiedene motorische Punkte im Gesicht,
durch deren Stimulation man bestimmte motorische Reaktionen eines Muskels
hervorrufen kann. Der obere Nasenpunkt liegt im mittleren Anteil der
Nasenwurzel. Durch Druck, Stretch oder Vibration erreicht man das verstärkte
Öffnen des Mundes. Der untere Nasenpunkt oder der Oberlippenpunkt umfasst die
gesamte Fläche der Oberlippe, übt man hier Druck, Stretch oder Vibration aus
protrusiert und elevatiert der mittlere Anteil der Oberlippe. Der
Nasenflügelpunkt befindet sich an beiden Seiten der Nasenflügel, durch ihre
Stimulation heben sich die Nasenflügel und die Nasenöffnungen erweitern sich.
Der Augenlidpunkt bewirkt nach Stimulation einen bilateralen Augenliderschluss,
er befindet sich außerhalb des äußeren Augenwinkels.
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