Aus Gründen der Differentialdiagnose, wird im
nächsten Unterkapitel die Entwicklung der kindlichen Sprache und des Sprechens
beschrieben. Es ist sinnvoll zunächst die Vorraussetzungen zum Sprechenlernen
zu klären um im Anschluss die normale Sprachentwicklung mit der eines
zerebralparetischen Kindes zu vergleichen und Abweichungen aufzuzeigen.
So wird deutlich, dass die Kinder sowohl unter
Sprechstörungen, die durch fehlende Koordination der Sprechmotorik verursacht
werden, als auch unter Sprachstörungen, bedingt durch die fehlende
Auseinandersetzung mit der Umwelt, leiden können. Die Sprach- und
Sprechprobleme werden im letzten Unterpunkt des zweiten Kapitels benannt und
erläutert.
Der Definition und den Ausprägungsformen der
Dysarthrophonien infolge von infantiler Zerebralparese ist das dritte Kapitel
gewidmet.
Eine präzise Diagnose ist Vorraussetzung für
geeignete Interventionen. Im vierten Kapitel wird das Arbeitsfeld des
Diagnostikers im sprachheilpädagogischen Bereich beschrieben und von anderen
abgegrenzt. Ergänzend dazu gibt es einen Überblick über einige Konzepte der
sprachheilpädagogischen Diagnostik.
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Im Anschluss wird auf die spezielle Diagnostik von
Dysarthrophonien eingegangen, die auf medizinischer und sprachtherapeutischer
Ebene durchgeführt wird. Nachdem die medizinische Vorgehensweise angerissen
wurde, wird primär auf das Diagnoseverfahren auf sprachpädagogischer Ebene
eingegangen.
Die vorgestellten Verfahren betreffen Erwachsene. Aus diesem Grund
wird im Folgenden eine Diagnostik beschrieben, die LEHMANN (2001) in einer
vierten Sonderschulklasse durchgeführt hat. Im Anschluss wird die Untersuchung
des Sprechens bei Kindern mit infantilen Zerebralparesen auf Basis der Behandlung
von BOBATH & BOBATH aufgezeigt.
Im sechsten Kapitel wird eine Auswahl verschiedener
Therapiekonzepte benannt. Im Detail wird auf die Therapie von BOBATH &
BOBATH und das CASTILLO MORALES Konzept eingegangen. Der Schwerpunkt liegt auf
diesen Therapiekonzepten, weil sie die Notwendigkeit der interdisziplinären
Zusammenarbeit besonders deutlich machen. Eine Sprechtherapie nach BOBATH &
BOBATH bedarf gewisser Vorrausetzungen, die der Therapeut im Vorfeld schaffen
muss. Sind die entsprechenden Grundlagen erarbeitet muss dem Kind dazu
verholfen werden Stimme zu geben. Dieser Vorgang, sowie das Schulen der
Artikulation und das Anbahnen verschiedener Laute wird im Detail erläutert.
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Im Anschluss soll ein kritischer Blick auf
verschiedene Therapiekonzepte deutlich machen, dass individuelle
Befindlichkeiten individueller Behandlungen bedürfen.
Der Verlauf jeder Therapie ist von den körperlichen
und geistigen Möglichkeiten des zerebralparetischen Kindes abhängig. Das Ziel sollte
jedoch immer sein, jedes Kind, entsprechend seiner Möglichkeiten, zu fördern.
Es kann durchaus mehrere Jahre dauern, bis ein Kind die nächste Stufe der
Sprachbehandlung erreicht. In der Regel ist die Therapie ein lebenslanger
Prozess.
Um den Bezug zur Praxis herzustellen, wird im siebten
Kapitel ein Fallbeispiel vorgestellt. Es handelt sich um ein Kind, das im
Sozialpädiatrischen Zentrum in Frankfurt am Main – Höchst (SPZ) in Behandlung
ist. Die Vorgehensweise einer Fachklinik, sowie die Kooperation der
verschiedenen Therapeuten bei der Arbeit mit zerebralparetischen Kindern soll
aufgezeigt werden. Welche Therapieverfahren werden angewendet? Welche
verschiedenen Berufsgruppen kommen bei der Therapie zum Einsatz? Welchen Weg
ist das Kind gegangen, bevor es zum SPZ gekommen ist? Die Informationen stammen
von der behandelnden Logopädin, einem Physiotherapeuten, der Mutter, eigenen
Beobachtungen und der Internetseite des SPZs.
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2
Die infantilen Zerebralparesen
2.1
Definition
„The modern definition of CP is
this: A persistent, but not unchanging disorder of movement and posture due to
a non-progressive disorder of the immature brain (that is, under about 2 years
of age). “ (HINCHCLIFFE 2007, S. 13).
CP steht für ‚Cerebral palsy’ und ist die international
anerkannte und benutzte Abkürzung für infantile Zerebralparesen. ‚Cerebral’
bedeutet ‚das Gehirn betreffend’ und ‚palsy’ bedeutet ‚die Unfähigkeit sich zu
bewegen’ (vgl.: HINCHCLIFFE 2007, S. 13).
Das Gehirn muss sich demzufolge mit einem Defekt
weiterentwickeln, wodurch spastische, ataktische und dyskinetisch/athetotische
Formen sowie verschiedene Mischformen entstehen. Alle diese Formen gehen mit
Wahrnehmungsstörungen einher, die für das betroffene Kind einen tief greifend
andersartigen und ganz individuellen Erfahrungsschatz bedeuten (vgl.:
AMBÜHL-STAMM (Hrsg.) 1999, S. 37 f).
Die CP hat eine Inzidenz von 1,5 – 2,5 Kindern pro
tausend in Europa und 2,3 Kinder pro tausend in den USA (vgl.: AMBÜHL-STAMM
(Hrsg.) 1999, S. 38). In
den Entwicklungsländern ist ca. ein Kind pro 300 Geburten betroffen.
Diese recht hohe Zahl lässt sich zum einen durch die hohe Variationsbreite
bezüglich der Ausmaße der Behinderung erklären, zum anderen durch die schlechte
medizinische Versorgung.
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Es gibt viele verschiedene Folgen für die
Betroffenen, manche sind in ihrer Bewegungsfähigkeit nur wenig eingeschränkt
und haben nur geringe Probleme sich verbal auszudrücken, während andere sich
kaum mitteilen können und wenig mobil sind (vgl.: GÖLLNITZ 1992, S. 122). CP
ist nicht heilbar. Doch verschiedene therapeutische Maßnahmen können den
Schaden mindern, indem sie zu mehr Eigenständigkeit verhelfen (vgl.: HEINEN
& BARTENS (Hrsg.) 2001, S. 13).
2.2
Ausprägungsformen der Infantilen
Zerebralparese
Eine klare Einteilung der Ausprägungsformen der CP
ist schwierig, da es viele Mischformen gibt.
Eine Möglichkeit die Krankheit zu klassifizieren ist,
laut CRICKMAY (1990), sie nach der Lokalisation der Bewegungsstörungen auf den
Körper einzuteilen. Dies sieht folgendermaßen aus:
Monoplegie bezeichnet die Betroffenheit einer einzelnen
Gliedmaße.
Diplegie bezeichnet die Betroffenheit beider oberen
oder beider unteren Gliedmaßen.
Paraplegie bezeichnet die Betroffenheit beider Beine.
Quadriplegie bezeichnet die Betroffenheit aller vier
Extremitäten.
Hemiplegie bezeichnet die Betroffenheit entweder der
rechten oder der linken Körperseite
(vgl.: CRICKMAY 1990, S. 3).
Tetraplegie bezeichnet die Betroffenheit der Arme und
Beine, meistens deutlich seitendifferent
(vgl.: THIELE 1999, S. 4).
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