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Sprachanalyse
Glauke:
Die Figur
Glauke aus Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“ tritt als ein sehr schwacher,
sowohl physisch als auch psychisch, und äußerst ambivalenter und unsicherer
Charakter auf. Im Folgendem werde ich versuchen diesen Charakter anhand des
Textes (S.129 – 149; Suhrkamp Verlag) zu untersuchen und dabei ein besonderes
Augenmerk auf die sprachliche Gestaltung legen.
Im 6.
Kapitel des Romans werden die Gedanken von Glauke, die Königstochter,
dargestellt. Kurzfassend
zeigt sich in diesem Kapitel die Zerrissenheit Glaukes um die Person Medea,
die auf der einen Seite Glauke geholfen hat ihr Selbstwertgefühl zu steigern,
aber die auf der anderen Seite, wie vom König Kreon und Turon behauptet wird,
Glauke manipuliert hätte und ihr ihre Freundschaft nur vorgetäuscht haben soll.
Bereits der
erste Satz zu Beginn des 6. Kapitels „Es ist alles meine Schuld“ weist auf das
mangelnde Selbstwertgefühl der Glauke hin. Ihre Unsicherheit und
Unzufriedenheit mit sich selbst ist auch deutlich an der rhetorischen Frage zu
erkennen, die sie sich selbst stellt, „welcher Mann, und sei es der eigene
Vater, berühr[e] gerne die blasse unreine Haut, das dünne schlaffe Haar oder
die linkischen Glieder eines Mädchens“ (S. 130). Besonders auffallend sind die
Begriffe, die Glauke benutzt, um sich selbst du definieren.
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ist. Glauke, die öfters an ihrer körperlichen Schwäche versagt (vgl. Agameda;
S.77 „[..]Schwächeanfälle der Glauke“), bekommt von Akamas verordnet Turon als
„Beschützer“ an die Seite gestellt, da ihr Vater ihr „hat [..] sagen
lassen“, dass er sich um sie sorge, dies ihr aber wegen
„Regierungsgeschäfte“ nicht persönlich sagen könne (vgl.
S.129). Hier wird vor
allem die Distanz und Kommunikationslücke zwischen Vater und Tochter deutlich,
die nochmal speziell durch die Tatsache verstärkt wird, dass Glauke Angst und
Freude zugleich empfindet, als Kreon, ihr Vater, sie an den Schultern packt und
schüttelt, - und damit zum ersten Mal angefasst hat- um seine Wut über
die häufigen Besuche von Medea bei Glauke abzulassen. Diese kontroversen
Gefühle nehmen besonderen Ausdruck durch die Parataxen, mit welche sie ihr
Empfinden bei diesem Ereignis beschreibt „mein Vater faßte mich an, das hatte
es noch nie gegeben, das war Angst und Freude zugleich. Es war mir geglückt,
ich hatte ihn so weit gebracht, er faßte mich an, das musste sie sehen, dachte
ich[..]“ (S.132). Die nebenstehenden sehr kurzen Hauptsätze, wirken hastig,
energisch und drücken auch etwas Erstauntes aus, was hier speziell ihre Freude
und Überraschung ausdrückt, aber auf der anderen Seite auch ihre Angst
impliziert, die sie während dieser Tat des Königs hat.
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sich selbst lieben darf und auch andere/s hassen darf. Medea hilft ihr
Selbstvertrauen aufzubauen, bringt ihr eine weitere Vertrauensperson, Arinna,
mit und „erweckt Glauke zum Leben“. Außerdem vergleicht Glauke Medea mit ihrer
Mutter, um genauer zu sein, mit der mütterlichen Seite ihrer Mutter, die sich
um Glauke gekümmert hat, wenn sie krank gewesen ist und die ihr Lieder
vorgesungen hat. Auffällig ist hier, dass die Königstochter erkennt, welchen
positiven Einfluss Medea auf sie hat und vorerst diese Erfahrungen durchaus
positiv bewertet, „wunderbar, ach wie wunderbar“ (S.131) sei die Erfahrung
gewesen, Pfiffe für ihr Aussehen zu ernten, welche sie aufgrund der Tipps von
Medea und Arinna erhalten hat. Diese Erfahrungen legt Glauke im Nachhinein
jedoch immer wieder, eingeleitet durch ein „aber“ (S. 131 -> „aber das war
eben ihre schwarze Magie“), negativ aus, beeinflusst durch Turon und Kreon. (vgl.
auch „,[..] sie ließ mich fühlen, was es nicht gab, nicht gibt [..] aber
das war alles Täuschung [..]“. Der Tempuswechsel, der hervorgehoben ist, ist
ein Correctio, welcher ihren inneren Zwang Medea schlecht nachzureden deutlich
macht. Die Wirkung, die Medea auf sie hat, zeigt sich an den vielen Anaphern
und Aufzählungen, die Glauke ständig benutzt. Der Inhalt fällt durch die
ständigen Wiederholungen besonders auf und drückt zugleich Glaukes Zwiespalt
aus. „[..] ich muß den Namen [..] aus meinen Erinnerungen tilgen, ich muß mir
diese ganze Person aus dem Kopf schlagen [..], ich muß [..]“; „[..] fast hätte ich
ihr geglaubt, fast hätte ich [..]; „es war etwas anderes, es war raffinierter,
es ging tiefer, es rührte [..]“.
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„Seils“ (S. 135; 136; 137) die Glauke benutzt, um zu beschreiben, was Medea für
sie bedeutet hat. „Hinablassen, hinabsteigen, hinabsinken.“ (S.136) Diese
Alliteration, im Zusammenhang des Seils, wird besonders hervorgehoben. Medea
ist für Glauke eine Vertrauensperson geworden, genauso wie Arinna. Beide haben
ihr geholfen selbstständiger zu werden (vgl. S. 134), Glauke fragt sich im
Nachhinein, wie sie es geschafft haben, und warum Glauke ständig hat angefangen
hat zu erzählen. Auch diese Tatsache zeigt auf, dass Glauke krampfhaft
versucht, Medeas Freundschaft ins schlechte Licht zu ziehen und gibt ihrer
eigenen Schwäche sogar die Schuld dafür, dass sie ihr vertraut hat. „Ich weiß
nicht, ich weiß es echt nicht, wie sie mich dazu gebracht hat, zu reden [..]“
(S. 138). Zu alldem ist eine Entwicklung in Glaukes Charakter zu erkennen.
Glauke, die sich in ihrem eigenen Körper nicht wohl gefühlt hat, signifikant hierfür
ist die Aussage, „[..] ich kann ja kühn sein, wenn ich nicht Glauke bin.“
(S.133), kann hassen, kann lieben, kann sich egoistisch Lust empfinden (bzgl.
Jason), ohne sich schuldig für alles zu fühlen. Doch dadurch, dass dies fast
nur in Gedanken passiert, ist die Wirkung, die Medea auf Glauke gehabt hat,
vergänglich.
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