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Sprachanalyse Glauke: Medea. Stimmen von Christa Wolf .docx

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Faculty
Human Science
Discipline
German
Document category
Interpretation
University, School
Humboldt-Universität zu Berlin
Additional information
2011
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Sprachanalyse Glauke:

Die Figur Glauke aus Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“ tritt als ein sehr schwacher, sowohl physisch als auch psychisch, und äußerst ambivalenter und unsicherer Charakter auf. Im Folgendem werde ich versuchen diesen Charakter anhand des Textes (S.129 – 149; Suhrkamp Verlag) zu untersuchen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die sprachliche Gestaltung legen.

Im 6. Kapitel des Romans werden die Gedanken von Glauke, die Königstochter, dargestellt. Kurzfassend zeigt sich in diesem Kapitel die Zerrissenheit Glaukes um die Person Medea, die auf der einen Seite Glauke geholfen hat ihr Selbstwertgefühl zu steigern, aber die auf der anderen Seite, wie vom König Kreon und Turon behauptet wird, Glauke manipuliert hätte und ihr ihre Freundschaft nur vorgetäuscht haben soll.

Bereits der erste Satz zu Beginn des 6. Kapitels „Es ist alles meine Schuld“ weist auf das mangelnde Selbstwertgefühl der Glauke hin. Ihre Unsicherheit und Unzufriedenheit mit sich selbst ist auch deutlich an der rhetorischen Frage zu erkennen, die sie sich selbst stellt, „welcher Mann, und sei es der eigene Vater, berühr[e] gerne die blasse unreine Haut, das dünne schlaffe Haar oder die linkischen Glieder eines Mädchens“ (S. 130). Besonders auffallend sind die Begriffe, die Glauke benutzt, um sich selbst du definieren.

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Dies verdeutlicht auch, wie einfach Glauke zu beeinflussen ist. Glauke, die öfters an ihrer körperlichen Schwäche versagt (vgl. Agameda; S.77 „[..]Schwächeanfälle der Glauke“), bekommt von Akamas verordnet Turon als „Beschützer“ an die Seite gestellt, da ihr Vater ihr „hat [..] sagen lassen“, dass er sich um sie sorge, dies ihr aber wegen „Regierungsgeschäfte“ nicht persönlich sagen könne (vgl.

S.129). Hier wird vor allem die Distanz und Kommunikationslücke zwischen Vater und Tochter deutlich, die nochmal speziell durch die Tatsache verstärkt wird, dass Glauke Angst und Freude zugleich empfindet, als Kreon, ihr Vater, sie an den Schultern packt und schüttelt, - und damit zum ersten Mal angefasst hat- um seine Wut über die häufigen Besuche von Medea bei Glauke abzulassen. Diese kontroversen Gefühle nehmen besonderen Ausdruck durch die Parataxen, mit welche sie ihr Empfinden bei diesem Ereignis beschreibt „mein Vater faßte mich an, das hatte es noch nie gegeben, das war Angst und Freude zugleich.

Es war mir geglückt, ich hatte ihn so weit gebracht, er faßte mich an, das musste sie sehen, dachte ich[..]“ (S.132). Die nebenstehenden sehr kurzen Hauptsätze, wirken hastig, energisch und drücken auch etwas Erstauntes aus, was hier speziell ihre Freude und Überraschung ausdrückt, aber auf der anderen Seite auch ihre Angst impliziert, die sie während dieser Tat des Königs hat.

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Medea lehrt Glauke, dass sie sich selbst lieben darf und auch andere/s hassen darf. Medea hilft ihr Selbstvertrauen aufzubauen, bringt ihr eine weitere Vertrauensperson, Arinna, mit und „erweckt Glauke zum Leben“. Außerdem vergleicht Glauke Medea mit ihrer Mutter, um genauer zu sein, mit der mütterlichen Seite ihrer Mutter, die sich um Glauke gekümmert hat, wenn sie krank gewesen ist und die ihr Lieder vorgesungen hat.

Auffällig ist hier, dass die Königstochter erkennt, welchen positiven Einfluss Medea auf sie hat und vorerst diese Erfahrungen durchaus positiv bewertet, „wunderbar, ach wie wunderbar“ (S.131) sei die Erfahrung gewesen, Pfiffe für ihr Aussehen zu ernten, welche sie aufgrund der Tipps von Medea und Arinna erhalten hat.

Diese Erfahrungen legt Glauke im Nachhinein jedoch immer wieder, eingeleitet durch ein „aber“ (S. 131 -> „aber das war eben ihre schwarze Magie“), negativ aus, beeinflusst durch Turon und Kreon. (vgl. auch „,[..] sie ließ mich fühlen, was es nicht gab, nicht gibt [..] aber das war alles Täuschung [..]“.

Der Tempuswechsel, der hervorgehoben ist, ist ein Correctio, welcher ihren inneren Zwang Medea schlecht nachzureden deutlich macht. Die Wirkung, die Medea auf sie hat, zeigt sich an den vielen Anaphern und Aufzählungen, die Glauke ständig benutzt. Der Inhalt fällt durch die ständigen Wiederholungen besonders auf und drückt zugleich Glaukes Zwiespalt aus. „[..] ich muß den Namen [..] aus meinen Erinnerungen tilgen, ich muß mir diese ganze Person aus dem Kopf schlagen [..], ich muß [..]“; „[..] fast hätte ich ihr geglaubt, fast hätte ich [..]; „es war etwas anderes, es war raffinierter, es ging tiefer, es rührte [..]“.

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Besonders auffallend ist auch die Metapher des „Seils“ (S. 135; 136; 137) die Glauke benutzt, um zu beschreiben, was Medea für sie bedeutet hat. „Hinablassen, hinabsteigen, hinabsinken.“ (S.136) Diese Alliteration, im Zusammenhang des Seils, wird besonders hervorgehoben. Medea ist für Glauke eine Vertrauensperson geworden, genauso wie Arinna.

Beide haben ihr geholfen selbstständiger zu werden (vgl. S. 134), Glauke fragt sich im Nachhinein, wie sie es geschafft haben, und warum Glauke ständig hat angefangen hat zu erzählen. Auch diese Tatsache zeigt auf, dass Glauke krampfhaft versucht, Medeas Freundschaft ins schlechte Licht zu ziehen und gibt ihrer eigenen Schwäche sogar die Schuld dafür, dass sie ihr vertraut hat. „Ich weiß nicht, ich weiß es echt nicht, wie sie mich dazu gebracht hat, zu reden [..]“ (S. 138).

Zu alldem ist eine Entwicklung in Glaukes Charakter zu erkennen. Glauke, die sich in ihrem eigenen Körper nicht wohl gefühlt hat, signifikant hierfür ist die Aussage, „[..] ich kann ja kühn sein, wenn ich nicht Glauke bin.“ (S.133), kann hassen, kann lieben, kann sich egoistisch Lust empfinden (bzgl. Jason), ohne sich schuldig für alles zu fühlen.

Doch dadurch, dass dies fast nur in Gedanken passiert, ist die Wirkung, die Medea auf Glauke gehabt hat, vergänglich.

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