Sitten und Gebräuche der Skythen im Krieg
in der Darstellung des Herodot von
Halikarnassos
Kaiser Rudolf 2. an Julius von
Braunschweig in Franz Grillparzers „Bruderzwist im Hause Habsburg“:
Ich sage dir: nicht Skythen und
Chazaren,
Die einst den Glanz getilgt der
alten Welt,
Bedrohen unsere Zeit, nicht fremde
Völker:
Aus eignem Schoß ringt los sich der
Barbar,
Der, wenn erst ohne Zügel, alles
Große,
Die Kunst, die Wissenschaft, den
Staat, die Kirche
Herabgestürzt von der Höhe, die sie
schützt,
Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
Bis alles gleich, ei ja, weil alles
niedrig.
Hier werden die Skythen als
Inbegriff der kulturzerstörenden Wilden genannt. Und so stellt sie Herodot auch
dar. Sie haben grausame Sitten, seltsame Bräuche und lehnen alles Nicht- Skythische
ab. Andererseits brachten sie auch den Königssohn Anacharsis hervor, einen
gebildeten Griechenfreund. Auch das Land der Skythen wird von Herodot als
äußerst unwirtlich beschrieben. Er sagt aber auch:
„Der Pontos Euxenios, gegen dessen
Einwohner Dareios zu Felde zog, hat von allen Völkern die unkultiviertesten mit
Ausnahme der Skythen hervorgebracht. Denn wir können westlich des Pontos kein
einziges Volk seiner Klugheit wegen erwähnen und kennen auch keinen gelehrten
Mann, der aus dieser Gegend stammt, außer dem skythischen Volk und Anacharsis.
Das skythische Volk hat innerhalb des menschlichen Bereichs, soweit wir wissen,
aufs schlauste einen ganz besonderen Vorteil, obgleich ich es im Übrigen nicht
bewundere.
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Diese Eigenschaft ist auch schon
das charakteristische an der Kriegsführung auf Skythenart. Doch dazu später
mehr.
Die Herkunft der Skythen
„Skythen“ ist ein in griechischen
und lateinischen Quellen gebräuchlicher Name für ein ostiranisches Reitervolk
und auch die Bezeichnung für nomadische Stämme mit ähnlicher Kultur in
Südsibirien und Mittelasien. Den skythen verwandt sind Saken, Sarmaten und
Masssegeten. Die Skythen, die für uns relevant sind, sind die die ungefähr auf
dem Staatsgebiet der Ukraine und in Südrussland ab dem 7.Jh. v.Chr. bis in die
Spätantike siedelten.
Herodot gibt drei Erklärungen
für die Herkunft der skythen an: Laut ihnen selbst stammen sie von Targitaos,
dem ersten Menschen in ihrem Siedlungsgebiet ab, dessen drei Söhne waren die
Ahnen der skythischen Stämme. Zwischen Targitaos und der Intervention Dareios
lägen laut den Skythen 1000 Jahre. Herodot bezweifelt diese Theorie aber selbst
auch.
Die zweite Version stammt von
den Griechen. Ihnen zufolge soll Herakles in das Skythenland gekommen sein, wo
er mit einem Zwitterwesen, halb Frau, halb Schlange, drei Söhne zeugte. Der jüngste,
Skythes, wurde zum Stammvater aller Könige der skythen.
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Politische Geschichte bis zu
Dareios Intervention
Und so sieht es auch die
Wissenschaft. Auf ihren Eroberungszügen stießen die Skythen Eroberungszügen
schließlich bis zur ägyptischen Grenze vor. 28 Jahre lang herrschen sie über
Kleinasien, bis sie von den Medern vertrieben werden. Die Nachbarn ihres neuen Siedlungsgebietes
am Schwarzen Meer waren dann die Sarmaten, die Thraker, die Agathyrser, Neurer
und Taurer.
Das Skythenland
Das Siedlungsgebiet entspricht in
etwa dem Gebiet der heutigen Ukraine und reicht von der Donau bis zum Don. Es
ist von zahlreichen Flüssen durchzogen, die bereits genannten mit dem
Donaudelta, dem Dnstr, dem Dnjpr, dem Südlichen Bug. Das Klima beschreibt
Herodot als rau, die meiste Zeit herrsche strenger Winter vor, Wasser, dass man
ausschütte, würde sofort gefrieren. Der nördliche teil Skythiens sei wegen
seiner Kälte ohnehin unbewohnbar. Auch Ovid, der gezwungenermaßen in Tomis
weilen musste, jammert in einem Brief an Kaiser Augustus über die grausamen
klimatischen Bedingungen, sogar den Wein müsse man in Stücke zerschneiden,
denn da er sofort gefriere, könne man ihn nicht trinken.
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Die Kultur der Skythen
Herodot beschreibt die Skythen als
Volk auf ochsengezogenen Wagen. Hier irrt er sich aber, denn Feldforschungen
haben ergeben, dass es sehr wohl feste Handels- und Handwerksplätze sowie
Residenzen der Oberschicht gegeben hat. Die Skythen waren vor allem
Viehzüchter, einige betrieben aber auch Ackerbau, das spiegelt sich auch in den
Stammesnamen wieder. Herodot spricht von den Nomaden-, den Bauernskythen und
den vorherrschenden Königsskythen.
In der Kunst spielte der
theriomorphe Stil eine große Rolle, der sich auch auf die darstellende Kunst
der Nachbarvölker auswirkte. Die Oberschicht ließ sich in Kurganen, großen
Grabhügeln, bestatten, zahlreiche Grabbeigaben wurden ihnen mitgegeben, die
Dienerschaft wurde getötet und ebenfalls mitbestattet. Sie trieben mit den
griechischen Kolonien an der nördlichen Schwarzmeerküste regen Handel,
besonders als Sklavenhändler taten sie sich hervor. Die Polizeitruppe Athens
bestand auch aus skythischen Sklaven und hieß, nomen est omen, „Skythai“.
Herodots Skythenlogos
Herodot schreibt, dass Dareios die
Skythen bestrafen wollte, da diese nach Medien eingefallen waren und mit dem
Unrecht begonnen hätten. Und da die Skythen so in Kontakt mit den Persern
kamen, wurde ihnen auch die Ehre eines eigenen Logos zu teil.
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erzählt, klingt sehr übertrieben und märchenhaft. Herodot kannte aber die
Mündungen des Dnestr, des Dnjpr und des Bug. Er verweilte lange Zeit in der
griechischen Kolonie Olbia. Dort erzählten ihm die Kaufleute Geschichten über
die Skythen und ihren Nachbarvölkern. Er berichtet quasi nur „legein ta
legomena“. Und der Gedanke, dass er durch übereifrige Gewährsmänner in die Irre
geführt worden ist, fällt nicht sehr schwer. Allerdings kann manches, von dem
er schreibt, archäologisch sehr wohl bestätigt werden. Herodot berichtet im
Rahmen seines Exkurses auch ausführlich über die etwas seltsame Behandlung von Gegnern
im Krieg. Doch dazu später.
Kriegsführung auf Skythenart
Bereits zu Beginn habe ich erwähnt,
dass Herodot eine ganz besondere Eigenart der Skythen erwähnt: Sie können
nicht gefunden werden, wenn sie nicht gefunden werden wollen. Daran scheitern letztlich
auch Dareios Pläne. Zu einem Boten Dareios sagt auch der Skythenkönig, sie täten
jetzt nichts anderes als in Friedenzeiten, denn auch da würden sie herumziehen.
Die Skythen stellen sich also keiner offenen Feldschlacht, sondern führen einen
Guerillakrieg und setzen auf eine Politik der verbrannten Erde.
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