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Sitten und Gebräuche der Skythen im Krieg in der Darstellung des Herodot von Halikarnassos .doc

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2006
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Sitten und Gebräuche der Skythen im Krieg

in der Darstellung des Herodot von Halikarnassos

Kaiser Rudolf 2. an Julius von Braunschweig in Franz Grillparzers „Bruderzwist im Hause Habsburg“:

Ich sage dir: nicht Skythen und Chazaren,

Die einst den Glanz getilgt der alten Welt,

Bedrohen unsere Zeit, nicht fremde Völker:

Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,

Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,

Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche

Herabgestürzt von der Höhe, die sie schützt,

Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,

Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.

Hier werden die Skythen als Inbegriff der kulturzerstörenden Wilden genannt. Und so stellt sie Herodot auch dar. Sie haben grausame Sitten, seltsame Bräuche und lehnen alles Nicht- Skythische ab. Andererseits brachten sie auch den Königssohn Anacharsis hervor, einen gebildeten Griechenfreund. Auch das Land der Skythen wird von Herodot als äußerst unwirtlich beschrieben. Er sagt aber auch:

„Der Pontos Euxenios, gegen dessen Einwohner Dareios zu Felde zog, hat von allen Völkern die unkultiviertesten mit Ausnahme der Skythen hervorgebracht. Denn wir können westlich des Pontos kein einziges Volk seiner Klugheit wegen erwähnen und kennen auch keinen gelehrten Mann, der aus dieser Gegend stammt, außer dem skythischen Volk und Anacharsis. Das skythische Volk hat innerhalb des menschlichen Bereichs, soweit wir wissen, aufs schlauste einen ganz besonderen Vorteil, obgleich ich es im Übrigen nicht bewundere.

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Diese Eigenschaft ist auch schon das charakteristische an der Kriegsführung auf Skythenart. Doch dazu später mehr.

Die Herkunft der Skythen

„Skythen“ ist ein in griechischen und lateinischen Quellen gebräuchlicher Name für ein ostiranisches Reitervolk und auch die Bezeichnung für nomadische Stämme mit ähnlicher Kultur in Südsibirien und Mittelasien. Den skythen verwandt sind Saken, Sarmaten und Masssegeten.

Die Skythen, die für uns relevant sind, sind die die ungefähr auf dem Staatsgebiet der Ukraine und in Südrussland ab dem 7.Jh. v.Chr. bis in die Spätantike siedelten.

Herodot gibt drei Erklärungen für die Herkunft der skythen an: Laut ihnen selbst stammen sie von Targitaos, dem ersten Menschen in ihrem Siedlungsgebiet ab, dessen drei Söhne waren die Ahnen der skythischen Stämme. Zwischen Targitaos und der Intervention Dareios lägen laut den Skythen 1000 Jahre. Herodot bezweifelt diese Theorie aber selbst auch.

Die zweite Version stammt von den Griechen. Ihnen zufolge soll Herakles in das Skythenland gekommen sein, wo er mit einem Zwitterwesen, halb Frau, halb Schlange, drei Söhne zeugte. Der jüngste, Skythes, wurde zum Stammvater aller Könige der skythen.

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Politische Geschichte bis zu Dareios Intervention

Und so sieht es auch die Wissenschaft. Auf ihren Eroberungszügen stießen die Skythen Eroberungszügen schließlich bis zur ägyptischen Grenze vor. 28 Jahre lang herrschen sie über Kleinasien, bis sie von den Medern vertrieben werden. Die Nachbarn ihres neuen Siedlungsgebietes am Schwarzen Meer waren dann die Sarmaten, die Thraker, die Agathyrser, Neurer und Taurer.

Das Skythenland

Das Siedlungsgebiet entspricht in etwa dem Gebiet der heutigen Ukraine und reicht von der Donau bis zum Don. Es ist von zahlreichen Flüssen durchzogen, die bereits genannten mit dem Donaudelta, dem Dnstr, dem Dnjpr, dem Südlichen Bug. Das Klima beschreibt Herodot als rau, die meiste Zeit herrsche strenger Winter vor, Wasser, dass man ausschütte, würde sofort gefrieren.

Der nördliche teil Skythiens sei wegen seiner Kälte ohnehin unbewohnbar. Auch Ovid, der gezwungenermaßen in Tomis weilen musste, jammert in einem Brief an Kaiser Augustus über die grausamen klimatischen Bedingungen, sogar den Wein müsse man in Stücke zerschneiden, denn da er sofort gefriere, könne man ihn nicht trinken.

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Die Kultur der Skythen

Herodot beschreibt die Skythen als Volk auf ochsengezogenen Wagen. Hier irrt er sich aber, denn Feldforschungen haben ergeben, dass es sehr wohl feste Handels- und Handwerksplätze sowie Residenzen der Oberschicht gegeben hat. Die Skythen waren vor allem Viehzüchter, einige betrieben aber auch Ackerbau, das spiegelt sich auch in den Stammesnamen wieder.

Herodot spricht von den Nomaden-, den Bauernskythen und den vorherrschenden Königsskythen.

In der Kunst spielte der theriomorphe Stil eine große Rolle, der sich auch auf die darstellende Kunst der Nachbarvölker auswirkte. Die Oberschicht ließ sich in Kurganen, großen Grabhügeln, bestatten, zahlreiche Grabbeigaben wurden ihnen mitgegeben, die Dienerschaft wurde getötet und ebenfalls mitbestattet.

Sie trieben mit den griechischen Kolonien an der nördlichen Schwarzmeerküste regen Handel, besonders als Sklavenhändler taten sie sich hervor. Die Polizeitruppe Athens bestand auch aus skythischen Sklaven und hieß, nomen est omen, „Skythai“.

Herodots Skythenlogos

Herodot schreibt, dass Dareios die Skythen bestrafen wollte, da diese nach Medien eingefallen waren und mit dem Unrecht begonnen hätten. Und da die Skythen so in Kontakt mit den Persern kamen, wurde ihnen auch die Ehre eines eigenen Logos zu teil.

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Das meiste, das er erzählt, klingt sehr übertrieben und märchenhaft. Herodot kannte aber die Mündungen des Dnestr, des Dnjpr und des Bug. Er verweilte lange Zeit in der griechischen Kolonie Olbia. Dort erzählten ihm die Kaufleute Geschichten über die Skythen und ihren Nachbarvölkern. Er berichtet quasi nur „legein ta legomena“.

Und der Gedanke, dass er durch übereifrige Gewährsmänner in die Irre geführt worden ist, fällt nicht sehr schwer. Allerdings kann manches, von dem er schreibt, archäologisch sehr wohl bestätigt werden. Herodot berichtet im Rahmen seines Exkurses auch ausführlich über die etwas seltsame Behandlung von Gegnern im Krieg.

Doch dazu später.

Kriegsführung auf Skythenart

Bereits zu Beginn habe ich erwähnt, dass Herodot eine ganz besondere Eigenart der Skythen erwähnt: Sie können nicht gefunden werden, wenn sie nicht gefunden werden wollen. Daran scheitern letztlich auch Dareios Pläne. Zu einem Boten Dareios sagt auch der Skythenkönig, sie täten jetzt nichts anderes als in Friedenzeiten, denn auch da würden sie herumziehen. Die Skythen stellen sich also keiner offenen Feldschlacht, sondern führen einen Guerillakrieg und setzen auf eine Politik der verbrannten Erde.


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