Sevdalinke
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eine Musik im Wandel
1. Einführung
Bosnien-Herzegowina (im folgenden
nur noch Bosnien genannt) stand vor 20 Jahren im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Grund war die Bedrohlichkeit eines grauenvollen Krieges in Europa, am
Rande der EU. Besonders die Sevdahmusik, die traditionelle städtische Musik in
diesem Land, hat selbst durch den Krieg und im Zuge der
Renationaisierungstenzenden der Nachkriegszeit einen Wandel erfahren. Doch
befand sich die Sevdamusik schon Jahrzehnte und Jahrhunderte davor in
Veränderungs-prozessen. Und sie wird sich sicherlich – schon aufgrund der
technischen Veränderungen und Möglichkeiten – weiterhin entwickeln. Ein
Beispiel für diese Entwicklung in der Nachkriegszeit ist die
bosnisch-österreichische Sängerin Natasa Mirkovic-De Ro. Ursprünglich in
Sarajevo geboren flüchtete sie nach Österreich und lebt und arbeitet zur Zeit
in Wien. Um sowohl die Entstehung der Sevdahmusik als auch die Inhalte der
Sevdalinke besser zu verstehen gebe ich zunächst einen kleinen Einblick in die
Geschichte und Gesellschaft Bosniens. Die allgemeinen Einführung in die
Sevdahmusik beruht auf ein paar wenigen Quellen, da sich das aktuelle Wissen
über die Sevda-Musik vorwiegend auf die aktuelle Praxis in Bosnien sowie der
mündlichen Überlieferung stützt.
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zusammenfassen.
2. Bosnien
2.1. Osmanische Besetzung
Zur Entstehungszeit der Lieder
waren bosnische Städte muslimisch geprägt.
Da die osmanischen Verwaltungszentren in Städten waren, und diese im 16. und
17. Jahrhundert wuchsen, wuchs auch die muslimische Bevölkerung in den Städten.
Dies beruht aber nicht auf Zuzug türkischer Menschen, sondern auf der langsam
aber konstanten Zunahme an konvertierenden katholische und orthodoxen Christen.
Die Annahme des islamischen Glaubens war meist mehr oder minder freiwillig.
Natürlich genossen muslimische Bosnier mehr Vorzüge und christliche Bosnier
waren in bestimmten Bereichen benachteiligt. „Bekehrt“ in dem Sinne wurden
Christen nicht. Meist wurden zunächst muslimische Namen angenommen und
„offiziell“ der islamische Glaube. Im Alltag lebten die Menschen dennoch oft
die slawische Kultur ihrer Familie weiter. Erst langsam übernahmen die konvertierten
Slawen muslimische Kleidung, muslimisches Verhalten, religiöse Riten usw.
Insbesondere die großen Städte waren überwiegend muslimisch.
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2.2.Gesellschaft
In der muslimischen Kultur
Bosniens im 17. und 18. Jahrhundert gab es eine strenge Geschlechtertrennung
mit bestimmten Regeln. Diese hatte in dörflichen Gegenden noch bis ins 20.
Jahrhundert bestand, wie man am Beispiel der Forschungsarbeit Yvonne R.
Lockwoods
in einem bosnische-muslimischen Ort in den 1960er Jahren sehen kann. Der klassische Haushaltstyp in Bosnien in bosnische muslimischen
Dörfern war die „zadruga“, „a virilocal, extended familiy which
communally owns its means of production and jointly produces and consumes the
means of livelihood.“ Es gab einen Hausherren, die über alle Mitglieder (zum Teil
auch cousins und cousinen) herrschte, die Hausherrin wachte über alle
Aktivitäten der Frauen. Die Beziehung zwischen den einzelnen Mitgliedern der zadruga
waren unterschiedlich und gestalteten sich nach bestimmten Prinzipien.
Wenn Jugendliche in ein
heiratsfähiges Alter kommen, kleiden sich Jungen wie Mädchen in den besten
Kleidern ihrer Familie. Sie haben in dieser Zeit die meisten Freiräume, können
auf Märkte und Feste gehen, wo sie sich gegenseitig Betrachten und in Betracht
ziehen.
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3. Sevdah-Musik
3.1.Entstehung und Entwicklung
Sevdah-Musik ist ein städtischer
Musikstil in Bosnien. Bosnien ist auch reich an dörflichen Musikstilen, welche
sich jedoch von den städtischen unterscheiden. Sevdalinke entstanden also in
städtischen Kulturkreisen und wurden auch vorwiegend dort gepflegt, erst später
(ca 20.Jh) verbreiteten sich Sevdalinke in ganz Bosnien und auch den Dörfern.
Als städtische Lieder standen sie
unter arabisch-türkischem Einfluss, da, wie in Kapitel 1 dargestellt,
besonders bosnische Städte durch die Osmanische Besetzung islamisch gerpägt
waren. Daher rührt auch das Wort „Sevdah“. Es kommt ursprünglich aus dem
Arabischen „säwdâ“,
was „schwarze Galle“ bedeutet. Aus Sicht alter arabischer Heiler ist diese
schwarze Galle jene körperliche Substanz, die für das emotionale Leben und die
psychischen Stimmungen verantwortlich ist.
Aus dem Arabischen wurde der Begriff von den Türken übernommen: „sevda“. In den
jugoslawischen Sprachen wurde dann daraus „sevdah“, was soviel bedeutet wie
„Liebe, Liebessehnsucht“.
Damit gemeint ist sowohl die „leidenschaftliche und schmerzhafte als auch die
wehmütige und süße Liebessehnsucht (gemeint), die am Rande des Sterbens eine
Art der Liebestrunkenheit andeutet“
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Gerade im 20. und 21. Jahrhundert
nehmen gesellschaftspolitische Zustände zum Teil erheblichen Einfluss auf die
Sevdah-Kultur.
Hemetek/Bajektarevic schreiben,
dass in den Jahren nach dem II. Weltkrieg unter dem sozialistischen Regime
Sevdalinke vergleichsweise ungern produziert wurden, „weil diese Texte meist
von einem Feudalsystem handelten, das nicht ins kommunistische Weltbild paßte.
Wenn sie doch produziert wurden, dann wurden die Texte „zensuriert“ (...)“.
Währrend der Anteil von
Folkloremusik an den Aufnahmen vor dem II. Weltkrieg nur 10% ausmachten, wurde
diese durch die Aufnahmen mit dem Rundfunkorchester so populär, dass ihr Anteil
auf 50 % stieg
3.2. Inhalte
Die Sevdalinka ist „in stärkerem
Maße als das Dorflied eine individuelle Schöpfung mit vielfach bekanntem
Autor“. Bekannte Autoren waren im 17. und 18. Jahrhundert Aleksa Santic oder der Autor des hier
behandelten Stückes „Kraj tanana“ Safvet-beg
Basagic. Er verfasste den Text für dieses Lied nach dem Gedicht „Der
Asra“ von Heinrich Heine. Weitere Autoren sind D. Nedovic, Osman Dikic, Jozo
Penava, Safet Kafedzic, Musa Cazim Catic, Mustafa Sadokovic u.v.a. Es waren
durchaus nicht nur muslimische Bosnier darunter sondern auch viele serbische
und einige Kroatische Dichter.
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