Frühjahr 2007, Aufgabe 1
Die neue Eingangsstufe
als neue Organisationsform der Schuleingangsphase
1. Erläutern
Sie Kennzeichen der neuen Schuleingangsstufe im Vergleich zu früheren
Reformansätzen
2. Erörtern
Sie Herausforderungen der Jahrgangsmischung aus GP-Sicht
3. Zeigen
Sie Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung auf
Einleitung
Mit dem Schulanfang
beginnt für die Kinder der Einstieg in das Bildungssystem. Misserfolg und
Erfolg in der Anfangsphase prägen die spätere Einstellung zu Schule und Lernen.
In dieser Zeit wird der Grundstein für ein positives Selbstkonzept und für die
Persönlichkeitsentwicklung gelegt.
Es ist daher die
Aufgabe alle beteiligten Institutionen, den Kindern die Möglichkeit zu geben,
den Übergang in das schulische Leben erfolgreich zu bewältigen.
Der Eintritt in die
Grundschule stellt für viele Kinder eine markante Umbruchsphase dar. In dieser
Zeit können verschiedene Probleme, ausgelöst durch die veränderten
Raum-Zeit-Strukturen auftreten.
Die neue
Schuleingangsphase versucht, diese Probleme zu bewältigen, indem sie den
Übergang flexibel und offen gestaltet und der Heterogenität der Kinder Raum
gibt.
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Kennzeichen der neuen Schuleingangsstufe im Vgl.
zu früheren Reformansätzen
Seit Mitte der 1990er Jahre
wurden in der Bundesrepublik unterschiedliche Initiativen zur Neugestaltung der
Schuleingangsphase eingeführt. Diese Innovationen werden in der Fachliteratur
nach Götz zusammenfassend als „neue Schuleingangsphase“ bezeichnet. Der
Begriff „neue Schuleingangsstufe“ impliziert dabei, dass es Vorgängermodelle
gegeben hat.
Diese werden nachfolgend als „alte Schuleingangsstufe“ bezeichnet.
Die alte Schuleingangsstufe
Der Begriff „Schuleingangsstufe“
entstand aus den Bildungsreformprogrammen der ausgehenden 1960er Jahre. Für den
Beginn der Schulzeit wurde eine schulstrukturelle Neuerung vorgeschlagen: die
Einrichtung einer Schulstufe für die fünf- und sechsjährigen Kinder. Sie wird
als Eingangsstufe bezeichnet, die
·
organisatorisch und curricular eine Einheit bildet
·
und sich auf die Dauer von zwei Jahren erstreckt
·
und dem Primarbereich zugeordnet wird.
Mit der Etablierung einer solchen
Eingangsstufe ist zugleich die Vorverlegung des Einschulungsalters auf das 5.
Lebensjahr beabsichtig.
Gründe für die Einführung der alten
Schuleingangsstufe
Die Beweggründe zur Einführung
basierten zum einen auf der zeitgenössischen wissenschaftlichen Erkenntnislage
über Verlauf und Beeinflussbarkeit der menschlichen Entwicklung. Die
intellektuelle Entwicklung gilt vor allem für die vier- bis sechsjährigen als
äußerst beeinflussbar, flexibel und dynamisch.
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Zudem wurde ein
erfolgreicher Schulstart nicht mehr als erbbedingte Mitgift angesehen, womit
das Schulreifekonzept nach Kern seinen Geltungsanspruch verlor. Dieser ging
davon aus, dass Schulreife als Resultat eines endogen gesteuerten
Reifeprozesses entsteht, Ursachen für Sitzenbleiben also in einer Diskrepanz
zwischen Entwicklungsstand und schulischen Anforderungen zu finden seien. Daher
war es seine Idee, nicht schulreife Kinder zurückzustellen, um sie „nachreifen“
zu lassen. Vor allem aber mit der Längsschnittstudie von Krapp und Mandel
konnte nachgewiesen werden, dass die Vorhersage dieser Schulreifetests wenig
zuverlässig war.
An die Stelle der
Schulreife trat somit in den 1970er Jahre das Konzept der „Schulfähigkeit“.
Dieser Begriff signalisiert, dass Unterschiede zwischen den einzuschulenden
Kindern nicht länger auf Reifungsrückstände oder Reifungsvorsprünge zurück zu
führen sind, sondern als Folge von unterschiedlichen Verläufen vorschulischer
Entwicklungsprozesse auftreten. Diese Unterschiede zu beseitigen und
Chancengleichheit herzustellen war ein Hauptanliegen der alten
Schuleingangsstufe. In ihr sollte bereits am Beginn der Schullaufbahn
herkunftsbedingte Bildungsbarrieren abgebaut werden und eine Gleichheit der
Bildungschancen erreicht werden.
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Beim 1+4 Modell wird
der Grundschule unter Beibehaltung ihrer vierjährigen Dauer eine einjährige
Eingangsstufe für die Fünfjährigen vorgeschaltet, auch als Vorklasse
bezeichnet. Nach KMK Empfehlungen soll sie der Grundschule zugeordnet werden,
die Bund-Länder-Kommission lässt die institutionelle Zuordnung jedoch offen.
Sie sieht die Eingangsstufe alternativ auch in der Zuordnung zum Kindergarten.
Der Vorteil an diesem Modell ist, dass hier die Grundschule strukturell keiner
Änderung bedarf.
Das 2+2 Modell nach Art
des Strukturplans und das 2+3 Modell der KMK haben als Gemeinsamkeit eine der
Grundschule institutionell zugewiesene zweijährige Eingangsstufe. Sie fasst die
Fünf- und Sechsjährigen in eine organisatorische und pädagogische Einheit ohne
Jahrgangstrennung zusammen. Der Unterschied zwischen beiden Modellen liegt hier
in der Verweildauer in der anschließenden Grundschulzeit. Beide Modelle hätten
eine Umstrukturierung der Grundschule zur Folge.
In personeller Hinsicht
sollte die alte Schuleingangsstufe durch das Zwei-Pädagogen-System abgesichert
werden. Sozialpädagogen und GS-Lehrerinnen sollten nach dem Deutschen
Bildungsrat zumindest zeitweise gemeinsam tätig werden.
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Je nach Lernfortschritt
sollten die Kinder die jeweilige Eingangsstufe vorzeitig verlassen oder länger
in ihr verbleiben können. Zurückstellungen vom Schulbesuch altersmäßig
schulpflichtiger Kinder sollten auf begründete Ausnahmen nach den Empfehlungen
der KMK begrenzt bleiben.
Die neue Schuleingangsstufe
Wie mit der alten wird auch mit
der neuen Schuleingangsstufe eine Optimierung der Schulanfangsphase
beansprucht. Dies geschieht jedoch unter neueren grundschulpädagogischen Erkenntnislagen,
die nachfolgend beschrieben werden.
Gründe für die neue Schuleingangsstufe
Der neuen
Schuleingangsstufe liegt / lag eine generelle Herabsenkung des Eintrittsalters
in die Schule zu Grunde.
Weitere Motive finden
sich in den Folgen des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses, der eine
Veränderungsbedürftigkeit der Schulanfangsphase nahe legt. Kindergenerationen
heutiger Zeiten weisen eine wesentliche stärkere Heterogenität auf, wie es
Befunde u.a. von Neuhaus-Siemon belegen.
Prengel zeigt dabei auf,
dass mit der Heterogenität zudem anders als in der alten Schuleingangsstufe
umzugehen sei, sie müsse zu einer „Pädagogik der Vielfalt“ werden. Pluralität
und Differenz dürfe nicht eingeebnet, sondern müsse vielmehr anerkannt und als
Bereicherungspotential genutzt werden.
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