Damit wurde dem Vorschulkind eine höhere Lernkapazität und -
Fähigkeit bescheinigt als bislang angenommen Zudem erfolgte eine Distanzierung
vom Kernschen Schulreifekonzept: Die Rede war nicht mehr von Schulreife,
sondern von Schulfähigkeit. Dieser Begriffswechsel signalisiert, dass
Unterschiede zwischen den Kindern nicht länger auf Reifungsrückstände oder
-vorsprünge zurück zu führen sind, sondern als Folge von differenten Verläufen
vorschulischer erfahrungs- und Entwicklungsprozesse auftreten.
Die SES im
STRUKTURPLAN (1970) für das Bildungswesen
-
=Bildungsreformprogramm, vorgelegt vom deutschen Bildungsrat,
Struktureller Lösungsvorschlag:
-
Versuch einer strukturellen Verzahnung von Elementar- und Primarbereich
bzw. vorschulischer und schulischer Bildung
-
Umfassende Neukonzeption / Neugliederung des westdeutschen
Bildungswesens, Aufteilung nach Elementar-, Primar- und Sekundarbereich
-
Neuordnung des Primarbereichs in Eingangs-, Grund- und Orientierungsstufe
-
Schulstrukturelle Neuerung für den Beginn der Schulzeit: Einrichtung
einer Schulstufe für die 5 und 6jährigen Kinder
Modellvarianten, Aufgaben und
Effekte der alten Schuleingangsstufe (70er)
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traditionelles
Kindergartenmodell: 5jährige verbleiben im Kindergarten
Einjährige
Eingangsstufe (1+4-Modell)
-
Vorschaltung einer einjährigen Eingangsstufe (Vorklasse) vor die
4-jährige Grundschule
-
Einschulung der 5jährigen
-
Einjährige Förderung in einer Vorklasse (Vorbereitungsjahr)
-
Vorklasse wird dem unveränderten ersten Schuljahr vorgeschaltet
-
Soll Voraussetzungen für Lernverfahren anbahnen
-
Wegen kurzer Dauer ausgleichende und differenzierende Förderung kaum
möglich
-
Organisation der GS kaum verändert
Zweijährige
Eingangsstufe
-
2+2-Modell:
-
Modell nach dem Strukturplan,
-
zweijährige Eingangsstufe,
-
der Grundschule zugeordnet, ohne Jahrgangstrennung. Danach 2
Jahre Grundschule
-
Einschulung der 5jährigen
-
Vorklasse und herkömmliche erste Klasse werden verbunden
(gravierende Umstrukturierung der Grundschule)
-
Kinder werden vom spielorientierten zum schulischen Lernen geführt
-
Förderung gemäß Lerntempo
-
Wegfall der üblichen Schulreifetests
2+3-Modell:
-
Modell der KMK, zweijährige Eingangsstufe, der Grundschule zugeordnet,
ohne Jahrgangstrennung, danach 3 Jahre Grundschule
Gemeinsamkeiten:
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-
Unterschied:
Dauer der an die Eingangsstufe anschließenden Grundschulzeit.
-
von der alten Schuleingangsstufe wird erwartet, dass sie bei allen
Kindern die notwendige Lernbereitschaft und Lernfähigkeit ausbildet und
stärkt, also Schulfähigkeit herstellt.
-
Hoffnung auf einen frühzeitigen Ausgleich herkunftsbedingter
Bildungsnachteile, die durch kompensatorische Förderprogramme behoben werden
sollten.
-
Je nach Lernfortschritt sollten die Kinder die zweijährige
Eingangsstufe, begrenzt auch die einjährige, vorzeitig verlassen oder in ihr
länger als zwei Jahre verbleiben
-
Zurückstellungen vom Schulbesuch sollten auf begründete Ausnahmefälle
begrenzt bleiben
-
Um zu klären, welche der Eingangsstufenvarianten die Reformerwartungen
am effektivsten erfüllt, wurde eine ganze Reihe von Modellversuchen
durchgeführt
-
Auswertung ergab:
- einerseits
empirisch nachweisbarer Fördereffekt bei den Schulanfängern.
- Aber:
Wirkung unabhängig von der Art Modelleinrichtung: ob nun Kindergarten
oder die ein- oder zweijährige Eingangsstufe der Grundschule
-
Dieser Befund hatte zur Konsequenz, dass in der Folgezeit unter Verzicht
auf eine Vorverlegung des Einschulungsalters die Fünfjährigen weiterhin beim
Kindergarten verblieben und keine der Modell-Versionen der alten Eingangsstufe
flächendeckend und dauerhaft im westdeutschen Bildungssystem installiert wurde.
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-
außerdem wären erhebliche finanzielle Mittel für Ausbau der
„Klassenstufe 0“ notwendig geworden
-
An die Stelle eines schulstrukturellen Lösungsansatzes trat in den 1980er
Jahren die bildungsadministrativ verordnete Kooperation zwischen vorschulischen
Einrichtungen und der Grundschule.
=> Neue Lösung: “Freiwillige Kooperation
Die Frage einer strukturellen Verzahnung von Elementar- und Primarbereich
wurde in der Folge ersetzt durch die Forderung nach einer (freiwilligen)
Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule (unter Einschluss der
Eltern).
-
Modellversuche wurden eingestellt
-
Diskussion aber immer noch aktuell, Notwendigkeit einer
organisatorischen Umgestaltung der GS
-
Kooperation allenfalls Kompromisslösung
-
Seit Beginn der 90er: Erprobung der neuen Schuleingangsstufe (siehe
späteres Kapitel)
3.5 Kooperation zwischen Kindergarten und
Grundschule (seit Anfang 1980er)
-
An die Stelle eines schulstrukturellen Lösungsansatzes trat 1980 die
bildungsadministrativ verordnete Kooperation zwischen vorschulischen
Einrichtungen und der Grundschule.
3.5.1 Kooperationsempfehlungen
-
Seit der Einstellung der Schulversuche zur alten Schuleingangsstufe in
den 70er Jahren soll der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule durch
eine möglichst enge Zusammenarbeit bewerkstelligt werden.
-
=>Deutscher Bildungsrat 1976
-
=>Kultusministerkonferenz
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3.5.2 Möglichkeiten
/ Formen der Kooperation (Beispiele)
(zitiert
nach: FAUST / ROßBACH: 2004)
-
Treffen zwischen Kindergartenleiterinnen und Schulleitungen in der
Schule oder im Kindergarten,
-
wechselseitiger Austausch von Informationen über die Arbeit,
-
Beratungen über die Vorbereitung der Kinder auf den Übergang zur Schule,
-
Besuche von Erzieherinnen in der Schulklasse und von Lehrerinnen im
Kindergarten,
-
Teilnahme von Lehrerinnen an Elternversammlungen im Kindergarten,
-
Besuche von Kindergartengruppen in der Grundschule und von Schulkindern
im Kindergarten,
-
gemeinsame Feste in Kindergarten und Schule sowie
-
gemeinsame Fortbildungen von Erzieherinnen und Lehrerinnen
3.5.3 Kooperation
in der Praxis
Problem:
Unbefriedigende Umsetzung der Kooperationsempfehlung, da Mangel an klaren
Vorgaben.
GERNARD
und HÜTTENBERGER: Untersuchung der Kooperationspraxis in einem hessischen
Regierungsbezirk:
-
Zusammenarbeit findet in den allermeisten Fällen entweder ohne oder ohne
gleichberechtigte Mitwirkung der Erzieherinnen statt
-
Zusammenarbeit ist vorwiegend produktorientiert (z. B. Patenschaften
oder gemeinsame Feste)
|