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Schöpfungsüberlieferungen .doc

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Social Science
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Religious Studies
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Friedrich-Schiller-Universität Jena - FSU
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2009
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Schöpfungsüberlieferungen

Einleitung

Die Klassifikation von Schöpfungsüberlieferungen ist nicht ganz unproblematisch. Es existieren verschiedene Möglichkeiten die Traditionen des Alten Orients zu ordnen.

Zum einen kann man die Texte und Bilder nach Herkunft, das heißt ägyptische, mesopotamische oder israelitische, einteilen. Diese berücksichtigen die Eigengesetzlichkeiten jeder Kultur. Zum anderen können Texte nach ihren Subjekten eingeteilt werden. Hier werden verschiedene Gottheiten typisiert.

Da verschiedene Kontexte oder sogar Texte derselben Kultur zugehören können, tritt hierbei ein Problem auf. Des Weiteren können Texte nach ihrer Art und Weise der Entstehungsvorgänge eingeteilt werden. Bei dieser Einordnung wird das Denken, bildhafte Vorstellungen und die Sprache der damaligen Menschen generell symbolisch dargestellt, das heißt weder rein konkret, noch rein abstrakt.

Es besteht ein großes Interesse an den Kräften, die im Konkreten wirken und erscheinen. Außerdem sind Empirie und Idee, Technik und Spekulation, Wissenschaft und Mythos vielfältig miteinander verwoben. Zum Schluss lassen sich die Texte nach Objekt beziehungsweise Ziel der Entstehung oder von der Schöpfung her zuteilen.

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„Altorientalische Menschen stellten sich die Erde nicht auf als auf dem Wasser schwimmende Scheibe vor, über die als Käseglocke das Firmament gestülpt ist, an dem die Gestirne hängen.

Sie wussten aus Anschauung und handwerkliche Erfahrung, dass die Tragkraft von Wasser Grenzen hat und dass riesige Gewölbe riesige statische Probleme aufwerfen.“

Die altorientalischen Weltbilder rechnen mit der Transzendenz und deuten göttliche Kräfte an, die das Zusammenhalten und Funktionieren der Teile des Kosmos ermöglichen.

Da sie als Denk- und nicht als Sehbilder bezeichnet werden, kombinieren sie Aspekte der Welterfahrung und der Weltanschauung. So zum Beispiel „ [..] wenn die Legitimität und Göttlichkeit eines ägyptischen Kronprinzen durch ein Bild proklamiert wird, das ihn an der Brust einer Göttin zeigt, die mit Ausnahme von Brust und Armen ganz baumgestaltig erscheint.“ Auch in dem Relief der Himmelsgöttin Nut wird dies dargestellt.

Diese beugt sich schützend über die Weltscheibe und trägt auf ihrem nackten Leib, der gleichzeitig die Bahn des Gestirnslaufes ist, das Sternenzelt und die Sonnenscheibe im Aufgang, Zenit und Untergang.

 

  1. Schöpfung als Zeugung und Geburt oder Wachsen und Werden

 

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In kreativer Spannung zur Geschlechtlichkeit stand der Eine. Während alles Sexuelle irdischen Ursprungs ist, verkörpert der Urgott das vollkommen Göttliche. Die biblischen Schöpfungstexte setzen sich im Bezug auf die erschaffene Gottheit nicht mit dem sozialen oder psychologischen Geschlecht auseinander.

In Gen 1-3 wird die Geschlechtlichkeit vordergründig als eine rein menschliche Angelegenheit betrachtet.  „Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen.“ Die Gottesebenbildlichkeit beansprucht allerdings in Gen 1, 26f., dass die erschaffende Gottheit beide Geschlechter in sich birgt.

„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“

Dies ist allerdings von den meisten altorientalischen Schöpfungsvorstellungen recht weit entfernt.

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Denn es wird abgestritten, dass Mose es geboren und für es zu sorgen habe. „Bin ich etwa mit diesem ganzen Volk schwanger gewesen, oder habe etwa ich es geboren, dass du zu mir sagst: ‚Trage es an deiner Brust, wie der Betreuer den Säugling trägt‛, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast?“ Dem Volk Israel wird in Dtn. 32, 18b vorgeworfen, dass es Gott, der sie geboren hat, vergessen habe. „Den Felsen, der dich gezeugt, täuschtest du und vergaßest den Gott, der dich geboren“ Texte deuten gelegentlich auf eine göttliche Urzeugung oder Geburt hin.

So wurde die personifizierte Weisheit schon vor allen Schöpfungswerken geboren. „Als es noch keine Fluten gab, wurde ich geboren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln war ich geboren, als er noch nicht gemacht die Erde und die Fluren, noch die Gesamtheit der Erdschollen des Festlandes.“ Das Bild vom Meer, das auch dem Mutterschoß hervortritt legt nahe, dass an ein Geborenwerden der Urfluten gedacht wird.

In Hiob wird in Form einer rhetorischen Frage ausgesagt, dass Regen, Tau, Eis und Reif durch Zeugung und Geburt entstehen. „Hat der Regen einen Vater, oder wer hat die Tautropfen gezeugt? Aus wessen Schoß kam das Eis hervor, und des Himmels Reif, wer hat ihn geboren, wenn sich das Wasser wie in einem Stein versteckt hält und die Fläche der Tiefe fest gefügt ist?“ Der Tau wird in Ps 110, 3 aus dem Mutterschoß der Morgenröte geboren.

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In heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenröte habe ich dich wie Tau gezeugt.“ Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Priesterschrift das Entstehen von Himmel und Erde als Zeugungen aufgefasst hat.

  1. Schöpfung als Handwerk

 

Zeugung oder Geburt und handwerkliches Erschaffen schließen sich nicht gegenseitig aus. Demnach ist die bekannteste Form des Schaffens, das Töpfern.

Der ägyptische Gott Chnum töpfert in dem Mythos von der Geburt des Gotteskindes den Leib und den Ka, des königlichen Kindes, was geboren werden soll auf einer Scheibe. Der Ka ist in der altägyptischen Mythologie ein Aspekt des Seelischen, der den physischen Tod des Menschen überdauert.

Folglich wird Chnum als Töpfer eines Welteis dargestellt. Die biblisch am besten bezeugte Darstellung ist, dass die Schöpfung und ihre einzelnen Werke von einem deus faber gestaltet werden. Dementsprechend wir Gott als ein Töpfer beziehungsweise als ein Skulpteur bezeichnet. Der Schöpfungsvorgang ist ab und zu sehr realistisch als Formen mit Ton beschrieben, sodass dieses Gottesbild nicht nur metaphorisch verstanden wurde.

Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und nun verschlingst du mich! Bedenke doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Und jetzt willst du mich zum Staub zurückkehren lassen! Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen? Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.

Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.“

 

Es geht dennoch nicht um das Technische, wenn der Schöpfergott anschaulich als Handwerker geschildert wird.


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