Schöpfungsüberlieferungen
Einleitung
Die Klassifikation von
Schöpfungsüberlieferungen ist nicht ganz unproblematisch. Es existieren verschiedene
Möglichkeiten die Traditionen des Alten Orients zu ordnen.
Zum einen kann man
die Texte und Bilder nach Herkunft, das heißt ägyptische, mesopotamische oder israelitische,
einteilen. Diese berücksichtigen die Eigengesetzlichkeiten jeder Kultur.
Zum anderen können Texte nach ihren Subjekten eingeteilt werden. Hier werden
verschiedene Gottheiten typisiert. Da verschiedene Kontexte oder sogar Texte
derselben Kultur zugehören können, tritt hierbei ein Problem auf. Des Weiteren
können Texte nach ihrer Art und Weise der Entstehungsvorgänge eingeteilt
werden. Bei dieser Einordnung wird das Denken, bildhafte Vorstellungen und die
Sprache der damaligen Menschen generell symbolisch dargestellt, das heißt weder
rein konkret, noch rein abstrakt. Es besteht ein großes Interesse an den
Kräften, die im Konkreten wirken und erscheinen. Außerdem sind Empirie und
Idee, Technik und Spekulation, Wissenschaft und Mythos vielfältig miteinander
verwoben. Zum Schluss lassen sich die Texte nach Objekt beziehungsweise Ziel der
Entstehung oder von der Schöpfung her zuteilen.
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„Altorientalische Menschen stellten sich die Erde
nicht auf als auf dem Wasser schwimmende Scheibe vor, über die als Käseglocke
das Firmament gestülpt ist, an dem die Gestirne hängen.
Sie wussten aus
Anschauung und handwerkliche Erfahrung, dass die Tragkraft von Wasser Grenzen
hat und dass riesige Gewölbe riesige statische Probleme aufwerfen.“
Die altorientalischen
Weltbilder rechnen mit der Transzendenz und deuten göttliche
Kräfte an, die das Zusammenhalten und Funktionieren der Teile des Kosmos
ermöglichen. Da sie als Denk- und nicht als Sehbilder bezeichnet werden, kombinieren
sie Aspekte der Welterfahrung und der Weltanschauung. So zum Beispiel „ [..]
wenn die Legitimität und Göttlichkeit eines ägyptischen Kronprinzen durch ein
Bild proklamiert wird, das ihn an der Brust einer Göttin zeigt, die mit
Ausnahme von Brust und Armen ganz baumgestaltig erscheint.“ Auch in dem Relief
der Himmelsgöttin Nut wird dies dargestellt. Diese beugt sich schützend über
die Weltscheibe und trägt auf ihrem nackten Leib, der gleichzeitig die Bahn des
Gestirnslaufes ist, das Sternenzelt und die Sonnenscheibe im Aufgang, Zenit
und Untergang.
- Schöpfung
als Zeugung und Geburt oder Wachsen und Werden
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Spannung zur Geschlechtlichkeit stand der Eine. Während alles Sexuelle
irdischen Ursprungs ist, verkörpert der Urgott das vollkommen Göttliche. Die
biblischen Schöpfungstexte setzen sich im Bezug auf die erschaffene Gottheit
nicht mit dem sozialen oder psychologischen Geschlecht auseinander. In Gen 1-3
wird die Geschlechtlichkeit vordergründig als eine rein menschliche
Angelegenheit betrachtet. „Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein
von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn
vom Mann ist sie genommen.“ Die Gottesebenbildlichkeit beansprucht allerdings
in Gen 1, 26f., dass die erschaffende Gottheit beide Geschlechter in sich
birgt.
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen
machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des
Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde
und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! Und Gott schuf den
Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau
schuf er sie.“
Dies ist allerdings von
den meisten altorientalischen Schöpfungsvorstellungen recht weit entfernt.
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wird abgestritten, dass Mose es geboren und für es zu sorgen habe. „Bin ich
etwa mit diesem ganzen Volk schwanger gewesen, oder habe etwa ich es geboren,
dass du zu mir sagst: ‚Trage es an deiner Brust, wie der Betreuer den Säugling
trägt‛, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast?“ Dem Volk Israel
wird in Dtn. 32, 18b vorgeworfen, dass es Gott, der sie geboren hat, vergessen
habe. „Den Felsen, der dich gezeugt, täuschtest du und vergaßest den Gott, der
dich geboren“ Texte deuten gelegentlich auf eine göttliche Urzeugung oder
Geburt hin. So wurde die personifizierte Weisheit schon vor allen
Schöpfungswerken geboren. „Als es noch keine Fluten gab, wurde ich geboren, als
noch keine Quellen waren, reich an Wasser. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor
den Hügeln war ich geboren, als er noch nicht gemacht die Erde und die Fluren,
noch die Gesamtheit der Erdschollen des Festlandes.“ Das Bild vom Meer, das
auch dem Mutterschoß hervortritt legt nahe, dass an ein Geborenwerden der
Urfluten gedacht wird. In Hiob wird in Form einer rhetorischen Frage ausgesagt,
dass Regen, Tau, Eis und Reif durch Zeugung und Geburt entstehen. „Hat der
Regen einen Vater, oder wer hat die Tautropfen gezeugt? Aus wessen Schoß kam
das Eis hervor, und des Himmels Reif, wer hat ihn geboren, wenn sich das Wasser
wie in einem Stein versteckt hält und die Fläche der Tiefe fest gefügt ist?“ Der
Tau wird in Ps 110, 3 aus dem Mutterschoß der Morgenröte geboren.
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gezeugt.“ Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Priesterschrift das Entstehen
von Himmel und Erde als Zeugungen aufgefasst hat.
- Schöpfung
als Handwerk
Zeugung oder Geburt und
handwerkliches Erschaffen schließen sich nicht gegenseitig aus. Demnach ist die
bekannteste Form des Schaffens, das Töpfern. Der ägyptische Gott Chnum töpfert
in dem Mythos von der Geburt des Gotteskindes den Leib und den Ka, des königlichen Kindes, was geboren werden soll
auf einer Scheibe. Der Ka ist in der altägyptischen Mythologie ein Aspekt des Seelischen, der den
physischen Tod des Menschen überdauert. Folglich wird Chnum als Töpfer eines
Welteis dargestellt. Die biblisch am besten bezeugte Darstellung ist, dass die
Schöpfung und ihre einzelnen Werke von einem deus faber gestaltet
werden. Dementsprechend wir Gott als ein Töpfer beziehungsweise als ein
Skulpteur bezeichnet. Der Schöpfungsvorgang ist ab und zu sehr realistisch als
Formen mit Ton beschrieben, sodass dieses Gottesbild nicht nur metaphorisch
verstanden wurde.
„Deine Hände haben mich
ganz gebildet und gestaltet um und um, und nun verschlingst du mich! Bedenke
doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Und jetzt willst du mich zum Staub
zurückkehren lassen! Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich
gerinnen lassen? Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet und mit Knochen
und Sehnen mich durchflochten. Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine
Obhut bewahrte meinen Geist.“
Es geht dennoch nicht
um das Technische, wenn der Schöpfergott anschaulich als Handwerker geschildert
wird.
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