ROKOKO 1725- 1760
Der
Rokokostil hat seinen Namen vom Hauptornament, der Rocaille (Muschel). Ein
anderes Merkmal dieses Stiles ist die Vorliebe zur Asymmetrie. Das Rokoko
entwickelte sich als Gegenreaktion zum allzusteifen und repräsentativen Wesen
des Hochbarocks.
In Frankreich wurde das Rokoko Lois XV genannt. Der Übergang
von Hochbarock zu Rokoko wurde in Frankreich Regence genannt.
BAUKUNST
Die
Baukunst ist kein eigener Baustil, sondern eine Weiterentwicklung der barocken
Schmuckformen.
Es
entsteht keine neue Architektur, es wird nur mit neuen Schmuckformen
gearbeitet. In der Fassade werden Säulen in Geschoßhöhe, oder Pilaster
angewendet. Im Sakralbau in Deutschland blieb zunächst das starre wuchtige
System der Wandpfeilerkirche bestehen. Dieses System symbolisiert die strenge
Ordnung und Hierarchie der Kirche. Der neue Stil wird zunächst in der Decke
gezeigt. Sie ist nicht mehr nach den Pfeilern ausgerichtet, sondern erstreckt
sich über den gesamten Laienraum und bezieht auch den Altarraum mit ein.
Der
nächste Schritt ist, daß die regelmäßigen Abstände der Wandpfeiler durch eine
einheitliche tragende Längswand ersetzt werden. Im Profanbau werden nicht mehr
Frei- und Halbsäulen verwendet sondern die Pilaster werden zu flachen
Dekorationselementen und werden später sogar ganz weggelassen.
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· Das oberste Akanthusblatt einer Dekoration erhält
einen asymmetrischen Schwung,
· dann wird die bisher als gerade Linie sichtbare
Symmetrielinie in alle Richtungen verbogen und verzogen
Rokoko an der Außenwand ist selten, ein Beispiel für
einen reinen Rokokobau ist die Wallfahrtskirche in Maria Gern./
Berchtesgaden. Sie ist innen und außen in reinem Rokoko gehalten. Die
Außenwände besitzen dünne Lisenen aus Putz, die noch die Konturen von Pilastern
zeigen. Auf die Hohlkehlen sind zarte Ranken aus Stuck aufgelegt. Der Erker ist
nicht mehr technisch ausgebildet, sondern die Konstruktion wurde mit
Schmuckformen völlig überladen. Die konkaven und konvexen Schwünge wurden auch
auf die Fenster übertragen. Die Einfassung aus Stuck löst die deutlichen
Schwünge der Fensterleibung in nicht mehr überschaubare Kleinformen auf.
Ein weiteres wichtiges Merkmal des Rokoko ist, daß
sich die Architektur und Malerei vermischen, ein fließender Übergang zwischen
gemalter und gebauter Architektur wird möglich. In der Wallfahrtskirche von
Wies wurde anstelle eines massiven Gewölbes eines aus Holz und Stuck
verwendet, und somit wurde eine freie Grundrißgestaltung ermöglicht.
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Erst
durch die Einführung einer leichteren Gewölbetechnik wird es möglich den
Außenbau von den schubableitenden Konstruktionen zu befreien, wodurch die
Baukörper leichter zu wirken beginnen. Diese neuen leichten Gewölbe bestehen
aus Holz und sind vom Untergurt des Hängewerkes abgehängt mit Putzträgern
versehen und mit Stuck verputzt.
Dieses
Hängewerk kann auch als eine Einheit über den ganzen Raum gespannt werden. Es
kann schwach gewölbt und sogar parallel zum Fußboden ausgeführt werden, wodurch
durchgehende ungeteilte Deckenfresken möglich werden, die den Raum zu einer
Einheit zusammenschließen .
DER INNENRAUM
Die
Innenräume wurden im Rokoko besonders geschmückt. Verwendet wurden Stuck
(Gips), Stuckmarmor. Diese Schmuckelemente wurden oft vergoldet. Dies wurde
Poliment genannt.
Vergolden:
blauer Untergrund
Versilbern:
gelber Untergrund
Die
Wände und die Decken wurden mit Illustrationsmalerei versehen. Nebenbei wurden
die Wände tapeziert (Damaststoffe, Seide), verspiegelt, vertäfelt ( intarsiert
oder Furniert), mit Wandteppichen (Gobelin) versehen oder mit Stuck geschmückt.
Durch diese neuen Techniken entstehen neue Räume: z.B.:
· Spiegelzimmer
· Spielzimmer
· Ballsaal
In
den Innenräumen wurden vor allem die Farben hellblau, hellrosa, hellgrau
gebrochenes weiß verwendet.
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DAS
MÖBEL
Beim
Möbel wird sichtbar, daß die harte und mehrfach gekröpfte Linienführung des
Hochbarock durch die eleganten Schwünge abgelöst werden. Es wurde zur Mode Füße
und Zargen eines Möbels mit weichen Linien zu verbinden. Später wurden die
Konstruktionen sogar ganz versteckt ausgebildet. Es wurden stark gemaserte
Hölzer als Furniere verwendet. Zusätzlich wurden die Möbel mit Beschlägen
versehen. Diese Beschläge dienten vor allem als Schutzbeschläge da die Furniere
sonst abbröckeln würden. Die Beschläge wurden aus Bronze angefertigt.
Grundsätzlich
unterscheidet man 3 Konstruktionstypen :
1.
DAS INTARSIERTE MÖBEL : Alle
sichtbaren Teile sind furniert . Das Furnier wird von Hand gesägt, daher sind
nur kleine Flächen möglich Holzarten: Palisander, Ebenholz, Rosenholz.
Bürgerliches Möbel: Nuß mit Pflaume
kombiniert. Oft wurden die Möbel mit Schnitzereien verziert. Die Decklatten der
Möbel werden aus Marmor oder Kunstmarmor hergestellt. Jedes Möbel wies einen
Zierbeschlag in welcher Form auch immer auf. Diese Beschläge wurden meist aus
Bronze oder Messing hergestellt und wiesen fast immer die Form der Rocaille
auf.
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Diese Möbel wurden auch oft mit
geschnitzten Rocaillen versehen die meist blattvergoldet waren.
3.
DAS GESCHNITZTE RAHMENMÖBEL: Durch
geschickte Profilierungen der Friese und übergreifender Rocaillenschnitzerei
fand man einen Weg die Konstruktion ganz zu verstecken.
Das
Hauptmöbel des Rokokostils ist die Kommode: sie ist meistens mit 2 oder
3 Schubladen ausgeführt und die Fronten und Seiten sind sowohl horizontal als
auch vertikal in alle Richtungen gebogen. Die Trennungslinien der Schubladen
sollten möglichst unsichtbar gehalten werden. Des Dekor geht meisten über die
ganze Front und wird an den Schubladen Trennungslinien durchtrennt.
Ein
häufiges Möbel war die Schreibkommode mit oder ohne Aufsatz. Bei der
Schreibkommode mit geschweiftem Deckel dient ein ausziehbarer Schieber als
Schreibgelegenheit. Dieses Möbel wurde meist mit Füßen aus gebrochenen S-
Formen ausgebildet.
Eine
Neuerung in der Furniertechnik ist die Kreuzfuge. Dabei werden 4
aufeinanderfolgende Furnierblätter zusammengesetzt, damit ein symmetrisches
Muster entsteht. Diese Technik konnte erst angewandt werden nachdem die
Herstellung der Furniere maschinell und somit genauer erfolgen konnte.
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