Zum Sündigen verführt
Über eine Landsfrau und wie aus
der Suche nach Liebe und der Flucht vor der Heimat eine siebenfache Mörderin
wird
„Und jetzt werden sie mich
anhören, Hochwürden. Es wird Zeit, daß Sie auch mir Ihr Ohr leihen, Ihr auf
alle Nuancen schwerer und läßlicher Sünde abgestimmtes katholisches
Priesterohr, das schon so vielen verständnisvoll zugeneigt worden ist.“
Wenn man bereits sieben Männer
getötet hat, dann muss es doch endlich an der Zeit sein, sich Gehör zu
verschaffen. Dies dachte sich wohl auch Magdalena Leitner, als sie den Pfarrer
aus seiner Kirche, mit ihrer Puch 800 mit Beiwagen, entführte. Denn einzig und
allein dem Publikum gegenüber, wird er das Beichtgeheimnis nicht wahren können.
So beginnt der mittlerweile
dritte Roman mit dem Titel „Magdalena Sünderin“ von Lilian Faschinger.
Sie ist wohl eine der bekanntesten österreichischen Autorin
ihrer Zeit. Faschinger wurde 1950 in Kärnten geboren, hat aber in all ihren
Werken wenig gute Worte für ihr Heimatland übrig. Einzig die guten Mehlspeisen
ziehen sie immer wieder nach Hause zurück. Ich habe sie somit als
sozialkritische Schreiberin kennen gelernt, die in „Magdalena Sünderin“ auf
ihre leicht ironische Art beschreibt, wie schnell man sich von seinen
momentanen Gefühlen verleiten lässt, das Falsche zu tun. Wie schnell man nun
aber dazu getrieben wird, den sicheren Weg zu verlassen, zeigt Faschinger in
diesem Roman.
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„Und noch ein Mord hinzugefügt“ – ein Zitat, das ich sofort
in Verbindung mit diesem Roman gebracht habe. Doch meine Schwäche, nämlich die
Neigung zu Vorurteilen, sollte bald im Keim erstickt werden.
Nach dem doch etwas schleppenden Anfang, beginnt der Roman
endlich etwas Tiefgang zu bekommen. Dies wird auch durch die veränderte Haltung
des Pfarrers, im Laufe der Beichte, verdeutlicht, der beginnt mit den Gedanken
des Lesers eins zu werden.
„...obwohl ich also unter Umständen einem Martyrium
entgegensah, ähnlich den Martyrien unserer Heiligen, und obwohl dies alles
natürlich ausschließlich Magdalena und ihren gefährlichen, um nicht zu sagen
wahnsinnigen Ideen anzulasten war, begann sie mir jetzt schon zu fehlen, und
ich hätte einiges darum gegeben, sie wieder aus dem Gebüsch auftauchen, sich
vor mir niederlassen und ihren schönen Mund mit den regelmäßigen Zähnen sich zum
Weitererzählen öffnen zu sehen, denn sie war mit ihrer Beichte noch lange nicht
am Ende.“
Genau diese Gedanken, wie der Pfarrer sie hier hat, teilt man
mit ihm. Auch ich war gespannt, bis Magdalena wieder zurückkehrte um ihr
bewegtes Leben weiter zu beichten.
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vermutlich selbst schon erlebt hat. Doch Faschinger gibt sich nicht nur mit
dahinplätschernden Talk-Show Geschichten zufrieden. Auch die Bildung kommt
nicht zu kurz. Auf einer Reise quer durch Europa dürfen die „Divina Commedia“
und die Werke Bachs auf dem Walkman nicht fehlen. Um das Ganze voll zu machen
wäre da noch der „Crime“. Bei sieben Morden kommt auch dieser natürlich nicht
zu kurz.
Der Roman glänzt durch seinen Einfallsreichtum, wirkt aber
stellenweise bemüht lustig. Auch der Versuch schlagfertig und wortwitzig zu
sein, wirkt sehr bemüht. Stellenweise hat man das Gefühl Faschinger will zuviel
des Guten. Eine einzige Frau gerät hintereinander, meist mit fließenden
Übergang, an einen depressiven Holländer, einen eifersüchtigen Russen, einen
untreuen Portugiesen, einen englischen Vampir, einen tschechischen Jehova,
einen alten masochistischen Baron und zu guter letzt noch an einen Mann mit
drei Ehefrauen.
Das Buch ist somit trotz allem Mainstream Charakter und
ironischem Schreibstil, nur ein Geheimtipp für Liebhaber, die sich die
seitenlangen Schimpftiraden über das eigene Land nicht zu sehr zu Herzen nehmen
wollen.
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