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Religionsphilosophie .doc

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Human Science
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Philosophy
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Graz
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2007 Strasser
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Religiöses Denken

I. Glauben und Wissen in profaner und religiöser Bedeutung

1. Unterschied zwischen Glauben und Wissen im profanen Sinn

1. Glaube: „Ich glaube, dass p“ meint, dass ich es (a) für „wahrscheinlicher“ halte, dass der Satz „p“ wahr ist, als dass er falsch ist, und dass ich (b) keine sicheren Gründe dafür habe, dass „p“.

1.1 Rationaler Glaube: Ich habe Gründe für „p“, die das Eintreten von „p“ als wahrscheinlich erscheinen lassen als das Eintreten von „nicht-p“ (Bsp.: Wetterprognose).

1.2 Irrationaler Glaube: Ohne diese Gründe etwas glauben (Bsp. Rot kommt am Roulettetisch).

2. Wissen: „Ich weiß, dass p“ genau dann, wenn folgende drei/vier Bedingungen erfüllt sind:

(a) „p“ ist der Fall (= „p“ ist wahr).

(b) Ich glaube, dass „p“.

(c) Ich habe gute Gründe für meinen Glauben, dass p (und ich glaube/weiß, dass es sich bei meinen guten Gründen auch wirklich um gute Gründe handelt).

(d) [Abwehr der Argumente vom Gettier-Typ]: Die guten Gründe, die ich dafür habe, dass „p“, sind gute Gründe für das Bestehen jenes Sachverhalts, durch den „p“ wahr wird.

Edmund Gettier („Is Justified True Belief Knowledge?“, Analysis 23, 1963)

Reichen Wahrheit, Glaube und Rechtfertigung aus um Wissen zu konstruieren? Gettier: Nein!

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Bsp. disjunktive Erweiterung: Wenn ich gute Gründe dafür habe, dass mein Freund Hans 10 Euro in der Tasche hat (ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie er sie einsteckte), dann habe ich auch gute Gründe dafür, dass Hans oder Paul 10 Euro in seiner Tasche hat.

Tatsache ist aber: Hans hat die 10 Euro verloren (Loch in der Tasche), doch Paul hat 10 Euro in seiner Tasche, wovon ich allerdings keine Ahnung habe. Ohne die Einschränkung durch Punkt (d) würde das bedeuten: Ich weiß, dass Hans oder Paul 10 Euro in der Tasche hat – eine Annahme, die absurd wäre, weil ich ja nur gute Gründe für das Bestehen jenes Sachverhalts habe, durch den „p“ gerade nicht wahr wird.

--> Im außerreligiösen Bereich sagen wir: „Glauben heißt nichts wissen“.

2. Glauben und Wissen im religiösen Bereich

Ausgangsidee: Die Essenz des Glaubens ist nicht rational begründbar. Warum soll ich aber etwas glauben, für das ich keine guten Gründe habe?

Entstehungszusammenhang des Glaubens (=kausal begründeter Glaube durch Gründe wie die Übernahme anerzogener Ansichten) VERSUS Rechtfertigungszusammenhang (=rationale Gründe). Folglich reichen manchmal nur kausale Gründe nicht mehr aus zur Begründung eines Glaubens!

Sondergründe (Z. B. Offenbarungsgründe) sind daraufhin zu untersuchen, was für Gründe sie sind.

 

A) „Ich weiß, weil ich glaube.“ - Schwache Version

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Anselms Argument lautet: (a) Die Idee Gottes ist jene des vollkommensten denkbaren Wesen, und (b) die Vollkommenheit dieses Wesens setzt ihrerseits notwendig voraus, dass Gott existiert, denn Existenz ist besser als nur mögliche Existenz (Vgl.

Kants so genannten „Ontologischen Gottesbeweis“).

--> Wenn wir Anselm folgen, haben wir rationale Gründe, um an die Existenz Gottes zu glauben und diese Gründe sind rein begriffslogisch und basieren nicht auf religiösen Annahmen, sie sind also auch für Atheisten nachvollziehbar.

Kommentar

(a) „Ich glaube, damit ich erkennen kann“ liegt jedoch in einem Entstehungszusammenhang mit Anselms Gläubigkeit. Nur weil Anselm gläubig ist, konnte er diese Idee eines Gottesbeweises überhaupt erst haben, denn Anselm meint: „Wenn ich nicht glaube, werde ich nicht erkennen“.

(b) Für religiöse Menschen ist der Grund für die natürliche Vernunft („lumen naturale“) Gott selbst.

B) „Ich weiß, weil ich glaube.“ - Starke Version

Der Glaube ist so stark, dass aus ihm ein Wissen hervorgeht, das möglicherweise so stark ist, dass keine rationalen Gründe mehr für den Glauben sprechen müssen und der Gläubige dennoch glaubt (Bsp.: Katholische Glaubensdogmen sind von allen Katholiken zu glauben, sonst folgt eine Exkommunizierung!).

 

Offenbarungserlebnisse

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Beispiele: Blaise Pascal (1623-1662), der so alle Zweifel ablegte und nun absolute Gewissheit erlangte in seinem Glauben, oder auch Swedenborg, dem zuerst Jesus und dann Gott selbst erschienen (1774/75) und der folglich ein permanentes Offenbarungserlebnis hatte.

Kommentar

(a) Der, welcher eine Offenbarung hatte, meint dass es tatsächlich eine Offenbarung war (Offenbarungsevidenz für ihn). Der Betroffene kann aber den Unterschied zwischen einer bloß gehirndeterminierten Vision und einer Vision, die von außen erfolgt, nicht klar beschreiben.

(b) Es könnte auch der Teufel mich täuschen, und mir vorspielen, dass die Vision von Gott käme.

(c) Alle Offenbarungen haben einen privaten Charakter und die inneren Gründe reichen für einen Skeptiker nicht aus. Man bräuchte unabhängige, äußere Gründe zur Überprüfung der Qualität der Offenbarung (Offenbarungen sind aber letztlich nicht intersubjektiv rational überprüfbar!) --> Welche Gründe könnten das sein?

Religiöser Glaube ist Glaube an das Unmögliche!

Im 17. Jahrhundert kam folgender antiker Satz wieder auf: „Ich glaube, weil es widersinnig ist“ (Credo quia absurdum est). Auf diesen Satz stützt sich eine ganze theologische Tradition, die den religiösen Glauben gar nicht erst mit der Vernunft in Einklang bringen möchte, sondern im Gegenteil den Einfluss der Vernunft auf den Glauben für verderblich hält.

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Gott kann widersprüchliche Dinge erschaffen („rundes Quadrat“). Und er kann das, vom menschlichen Standpunkt aus, Unmenschliche geschehen lassen (Holocaust).

Beispiel: Leo Schestow (1866-1938) und auch Sören Kierkegaards „Sprung in den Glauben“ durch eine Immunisierung des Glaubens mittels einer Bereitschaft zur Irrationalität.

--> Im religiösen Bereich treten Sondersituationen auf: „Ich weiß, weil ich glaube.“

II. Was sind religiöse Tatsachen?

Das Kriterium des Übernatürlichen

Sachverhalte von denen behauptet wird, dass sie übernatürlich sind, werden als „religiöse Tatsachen“ bezeichnet (Bsp.: Schutzengel, Totenerweckung, Stigmata).

1. Unterscheidung: Mythologisches und wissenschaftliches Weltbild

(a) Im mythologischen Weltbild ist das Übernatürliche stets Teil unserer Welt, insofern es im Mythos veranschaulicht wird. Die Welt der Irdischen und der Überirdischen sind miteinander verklammert, insofern beide sinnlich repräsentiert werden können.

(b) Auch das Geistige ist feinkörperlich und raumzeitlich lokalisierbar (Bsp. Seele als Art Hauch, Geister mit Aura etc.).

(c) Es gibt Erklärbares (das Natürliche) und Unerklärbares (das Übernatürliche).


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