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Reform der Erziehung - Impulse des 20. Jahrhunderts von Andreas Flitner .doc

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Social Science
Discipline
Educational Science / Pedagogy
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University, School
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg - PH
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Auflage 2003
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Reform der Erziehung
Impulse des 20. Jahrhunderts
von Andreas Flitner

Inhaltsverzeichnis

0.      Einführung: Erziehungsreform als Jahrhundertthema

1.      Aufbruch ins 20. Jahrhundert

2.      Was heißt: Pädagogik „vom Kinde aus“?

3.      Kunst als Erziehung

4.      Arbeit- Polytechnik- Praktisches Lernen

5.      Basisdemokratie oder pädagogische Insel? Sozialgebilde der Erziehung

6.      Herausforderungen durch die Psychoanalyse

7.      Mädchenbildung- Jungenbildung; Wider die Geschlechterideologie (Doris Knab)

8.      Sozialpädagogik- Hilfe oder Kontrolle?

9.      Friedensthematik und Umwelterziehung

10. Kindheit und Familie im Sog der Moderne

11. Neue und alte Themen der Reform

11.1 Individualität und Selbstständigkeit der Kinder

11.2 Anderes Lehren und Lernen

11.3 Sozialkultur und Erziehung

11.4 Demokratie und Zukunft

12. Reform- Antwort auf die Moderne?

Abkürzungen:

K= Kind(er)
E= Erwachsener
M= Mensch(en)
D= Deutschland
F= Frauen (oder Frankreich)
Sch= Schüler
J= Jugendlicher


0.      Einführung: Erziehungsreform als Jahrhundertthema

·         Wort „Reform“ hat sich in der Pädagogik eng mit der Aufbruchstimmung im ersten Drittel des 20. Jhdts verbunden

·         Reformideen und –schulen gab es bereits in früheren Generationen

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·         ist in allen Industrienationen anzutreffen

·         Autorität und Gehorsam, Lernen und Interesse, Aktivität und Erfahrung, Selbstsein und Gemeinschaft werden neu verstanden und sollen anders als bisher gehandhabt werden

·         Erziehungswissenschaftler sind sich über die Bewertung dieser frühen Reformpädagogik nicht einig àKontroversen (Debatten, Streit), zahlreiche Untersuchungen

·         das ganze Jhd. bleibt auf Reformthemen bezogen (nicht nur das erste Drittel)

·         Die klassischen Formen ändern sich, neue Themen treten hinzu.
Eine begrenzte Zahl nicht auflösbarer Probleme bleibt –und fordert „Reform“

·         strukturelle Reform des Schul- und Ausbildungssystems: das, was gewöhnlich „Bildungsreform“ genannt wird

·         Strukturfragen lassen sich zwar nicht abtrennen, aber hier (bei Flitner) geht es um Wandel und Erneuerung der Erziehung àanderer Schwerpunkt (z.B. bei Dualität oder Dreigliedrigkeit der Bildungswege, Ungleichheit der Chancen, bei Abschlüssen.. )

·         Flitner geht es nicht um Geschichtsforschung über Autoren und Institutionen jener Epoche, sondern um Themen der Erziehungslehre und –praxis, die das Jhd. unter der Fragestellung der Reform aufgeworfen hat

·         Erziehung in den Industrieländern hat sich in diesem Jhd. gewandelt wie nie zuvor.

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·         Flitner möchte Impulse darstellen, die von Denkern und Praktikern für die Erziehung des 20. Jhdts gegeben worden sind àLeitlinien und Beispiele des Denkens und der Praxis

·         Die „Reformpädagogik“ des Jhd.anfangs ist dabei nur ein Reservoir unter mehreren (andere sind z.B. der Autoritätensturz in den 60er Jahren, die Geschlechterthematik in ihren Wandlungen,..)

1.      Aufbruch ins 20. Jahrhundert

·         man kann die heutige Menschheit in ihrer Verfassung nicht als Endpunkt der Geschichte ansehen (wenn man dies tut, hat man noch keine Ahnung von den Kräften der Natur und dem, was der Mensch sein könnte)

·         Hoffnung, „im neuen Jhd. den neuen M zu bilden“

„ Jahrhundert des Kindes“

·         mit Hoffnungen auf die entwicklungsfähige Natur und ein neues Zeitalter des vernünftigen und natürlichen M hat die schwedische Schriftstellerin und Lehrerin Ellen Key das Jhd. begrüßt und ihm diesen Namen gegeben

·         „Das Jahrhundert des Kindes“ wird heute meist ironisch zitiert

·         Buch, das zur Jhd. wende erschien, war ein unglaublicher Erfolg (1926 schon die 36. Auflage)

·         vielmehr noch als das Buch war der Titel ein Welterfolg, das Schlagwort, das die Pädagogik des 20.Jhds in ihrem entstehenden Selbstbewusstsein getroffen und mit auf dem Weg gebracht hat

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·         im ersten Jhd. drittel sind fast alle Fragen aufgeworfen, fast alle Ideen auch schon in praktische Beispiele umgesetzt worden, die die „moderne“ Pädagogik bestimmen (die auch unsere heutigen Probleme und Diskussionen enthalten)

·         heute diskutieren wir auf sehr andere Weise, wir haben Erfahrungen der Weltgeschichte und des Selbstbewusstseins der Menschheit gemacht: technisch-wissenschaftliche Veränderungen, furchtbare Ereignisse menschlichen Handelns, politischer und moralischer Schuld, Erde geschrumpft (im Verkehr und Handel, aber auch in der Gefährdung der ganzen Menschheit), Erde ist bedroht durch die Rüstungs- und Verschwendungswirtschaft, durch die Verwüstung der naturgrundlagen unseres Lebens.
àHoffnung und das Selbstbewusstsein am Anfang des Jhdts erscheinen heute naiv

·         trotzdem spielt dieser Jhd. anfang, die Zeit der „Reformpädagogik“, die Eröffnung: ist die Vorbereitung auf alles, was die Erziehungsprobleme in der Schule und Familie heute kennzeichnet

·         „Klassiker“= Denker oder Praktiker, die die Zeichen der Zeit schon früh wahrgenommen haben.

Sie haben das, was Erziehung leisten kann (od. auch was sie nicht beanspruchen soll) ausgedrückt und so die neuzeitliche Unterzeichnung bestimmt. Sie haben sie so beschrieben und durchprobiert, dass die Erörterung des Heutigen eine Diskussion mit dieser Epoche immer wieder nahelegt.

 

Gründerzeit

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·         Zeitalter von Queen Victoria: wirtschaftlicher Aufschwung, Epoche nie gekannter Ansammlung von Kapitalien, enorme imperialistische Machtentfaltung und eines blühenden, naiven Kolonialismus (Ausdehnung der Herrschaftsmacht europäischer Länder auf außereuropäische Gebiete, Ziel ist v.a. die wirtschaftliche Ausbeutung) àbestimmen ganz Europa, national besondere Ausprägungen

·         Deutschland: Periode seit 1871 nannte man „Gründerzeit“
- in erster Linie war damit die Gründung des neuen „Reiches“ und Preußens Herrschaft gemeint
- auch ökonomischer Wachstums- und Unternehmergeist, Neugründung von Fabriken und
Handelshäusern

·         Hauptkennzeichen der deutschen Entwicklung:

o       Geldschwemme durch Konzentration des Kapitals und rasches Wachstum der Industrie, Verschärfung der sozialen Frage

o       schnelle Zunahme der Bevölkerung, Umschichtung der Arbeitsplätze vom Land in die Stadt, Industriestruktur verdrängt weitgehend die Agrarstruktur

o       unerhörte Bautätigkeit in den Städten; Stadtkultur entwickelt sich; Wetteifer um Reichtum und Ansehen (z.T. schon mit dem heutigen vergleichbar)

o       flächendeckendes und aufwendig bereitgestelltes Schulsystem: erst in dieser Epoche finden wir ein dichtes Angebot, Schulbauten und ausgebildete Lehrer, durchgesetzte Schulpflicht und Aufsicht des Staates; Anfänge eines Gewerbe- und Berufsschulwesens; moderneres höheres Schulwesen (bis dahin nur das allein herrschende humanistische Gymi; jetzt auch mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet oder neusprachlich- lateinisch.. mit Recht des Zugangs der Absolventen zur Uni)
- staatliche Aufsicht und Organisation anstatt kirchlicher Kontrolle und kommunaler
Abhängigkeit
- große Ziele der Lehrerschaft: Beamtung ihres Berufs und Staatlichkeit der Schule
- Sachlichkeit und Unabhängigkeit, die das Schulwesen braucht ànur der Staat konnte
ein allgemeines und „modernes“ Bildungswesen garantieren
àgenau an dieser Stelle haben sich um 1900 die Kulturkritik und die Reformbewegung festgehakt; gerade hier schien der Fortschritt beengend und sinnlos
~ man hatte prächtige und teure Schulen (Burgen des Geistes und der aufklärenden
Belehrung)
~ es schien erreicht, was der Liberalismus versprochen hatte: verbreiteter Reichtum, große
Städte mit fließendem Verkehr, hoch effektive Industrie, Welthandel (Kolonialwaren)
~ all dies war verbunden mit nationaler Machtentfaltung, mit dem Aufstieg des deutschen
Reiches zur Weltmacht und dem damit begründeten öffentlichen Selbstbewusstsein der
Deutschen


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