Querelle
des Femmes,
der
Geschlechterstreit vom
15.
bis 18. Jahrhundert
15.03.2010
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„Ich sehe nicht ein,
warum wir uns immer um die Männer
oder gar um die Schlachten kümmern sollen;
die Geschichte der Frauen
ist meist viel interessanter.“
(Theodor Fontane, Unwiederbringlich, 1891)
„Quid est mulier?
(Tertullian, um 200)
Was sind Frauen?
(Christine de Pizan, 1402)
Inhaltsverzeichnis
1. Querelle des
Femmes, der Geschlechterstreit ........ 4
1.1 Begriffserklärung............ 4
1.2 Was ist
die „Querelle des Femmes“?........ 4
2. Stationen der
europäischen „Querelle des Femmes“..... 6
2.1 1400
– 1750............ 6
2.2 Die
deutsche „Querelle“ von 1600 – 1750
im
Bezug auf die Frauenbildung ...... 11
3. Christine de Pizan .............. 14
4. Literaturverzeichnis............. 17
4.1 Bücher............ 17
4.2 Internetquellen............. 17
4.3 Abbildungsverzeichnis........ 17
1.
Querelle
des Femmes, der Geschlechterstreit
1.1
Begriffserklärung
Der
Begriff „Querelle des Femmes“ hat im Laufe der Zeit mehrere Bedeutungen
zugesprochen bekommen. Er bezeichnet die jahrhundertelange Diskussion von
Gelehrten über die Ordnung der Geschlechter. „Diskutiert wurde die weibliche
Natur, das intellektuelle und moralische Vermögen der Frau, sowie ihre
gesellschaftliche und rechtliche Stellung.“
Allerdings ist nicht eindeutig, ob der Begriff „Querelle des Femmes“ „der
Streit der Frauen“ oder „der Streit um die Frauen“ bedeutet.
Die
Diskussion reichte zeitlich „vom Beginn des Humanismus bis zur Aufklärung“,
also in etwa vom 15. bis ins 18. Jahrhundert. Die „Querelle des Femmes“ hatte
ihre Brennpunkte in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und England.
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Juridischen Bedeutungsbereich wird der Begriff „Querelle“ sowohl als Beschwerde
oder Anklage als auch als Prozess übersetzt. Aber auch Sache oder Anliegen der
Frauen kann dies bedeuten.
1.2
Was
ist die „Querelle des Femmes“?
Wie bereits erwähnt ist die „Querelle
des Femmes“ eine „kontinuierliche Diskursmasse“.
Es entstand eine Theoriedebatte über „Wesen
und Status, über »Wert oder Unwert«, über »Wissensfähigkeit und
Wissenschaftsfähigkeit« der Frau.“
Bei dieser Diskussion kristallisierten
sich zwei gegensätzliche Positionen. Die eine Position war frauenfeindlich und
vertrat die Meinung, dass die Frau in der Gesellschaft einen nachgeordneten
Rang gegenüber dem Mann hatte und das Menschsein der Frau abwertete. Damit
wurde dem Mann der Herrschaftsanspruch zugesprochen.
Dem gegenüber stand die
frauenfreundliche Position, die die Würde der Frau verteidigte und diese auf
die gleiche Ebene oder sogar auf eine höhere Ebene wie den Mann stellte.
Als Vorlage, Vorbilder oder
Gegenbeispiele dienten „Frauengestalten aus Geschichte, Literatur und
Mythologie“.
Grafiken wurden automatisiert entfernt Als erste Frau, auf die ich später
genauer eingehen werde, meldete sich Christine de Pizan (1364 – 1431) um 1400
in dieser Auseinandersetzung zu Wort.
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Abb.:
1 Christine de Pizan
Ein zentraler Punkt der Debatte war
die Frauenbildung. Die frauenfeindliche Position sprachen den Frauen den
Verstand ab, um diese „[..] von wesentlichen gesellschaftlichen Funktionen
auszuschließen und [diese] >> unter die Herrschaft des Mannes << zu
stellen[..].
Dies wurde allerdings dadurch verteidigt, dass Frauen wegen mangelnder
Bildungschancen eine andere Erziehung erhielten.
Diese These wird vor allem durch die
schöpfungsbedingte Zweitrangigkeit der Frau untermauert und stützt sich damit,
wie auch viele andere Thesen der frühneuzeitlichen „Querelle“, auf die Bibel.
Durch diese Zweitrangigkeit und der Gottgegebenen Alleinherrschaft des Mannes
hat sich die Frau dem Mann unterzuordnen, da sie intellektuell und moralisch
als schwächer bezeichnet wird. Gemeinhin wird die Frau als „Verführerin und
Werkzeug des Teufels betrachtet.“
Die frauenfreundliche Seite versucht
diese Thesen durch eine frauenfreundlichere Interpretation zu widerlegen. Sie
sagen, dass die Frau als „Krone der Schöpfung“
anzusehen ist, da die Frau am vollkommensten ist, weil sie zuletzt erschaffen
wurde. Die Frau nimmt auch in der Bibel eine sehr wichtige Rolle ein und gilt
dem Mann als überlegen. Beispielsweise empfängt eine Frau Christus.
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2.
Stationen
der europäischen „Querelle des Femmes“
2.1
1400
– 1750
Grafiken wurden automatisiert entfernt Bereits 1399 verurteilte Christine de
Pizan in ihrem Werk „Epistre au dieu d`amour“ zu Deutsch „Sendbrief vom
Liebesgott“ Vorurteile gegenüber dem weiblichen Geschlechts. Ihr Hauptaugenmerk
bezog sich auf die offene Frauenfeindlichkeit in frei zugänglicher Literatur.
Ein Dorn im Auge waren ihr vor allem zwei sehr verbreitete und geschätzte
Werke. Das eine lautet „Lamentationes Matheoli“, „Klagen des Matheolus“ aus dem
Jahre 1300 und das zweite Werk ist der zweite Teil des „Rosenromans“ von Jean
de Meung
aus
dem Jahre 1280.
Der Glaube an die ewige Liebe aus dem ersten Teil wird zur lasterhaften
Versuchung. Die Frauen sollten den Männern „wie die Kühe den Stieren“ dienen.
Abb.:
2 Statue von Jean de Meung
Christine
de Pizan forderte die Autorität Jean de Meung heraus, indem sie sein Frauenbild
offen auseinander nahm. In ihrem 1404/ 1405 entstandenen Buch „Buch von der
Stadt der Frauen“ zeichnete sie ein vorurteilsfreies Bild des weiblichen
Geschlechts. Sie zeigt ein utopisches Bild einer idealen Gesellschaft. Hierbei
bezieht sie sich auf Lebensläufe von vorbildlichen Frauen aus der Bibel und der
Geschichte. Christine de Pizan vertrat die Meinung, dass wenn man auch kleine
Mädchen lernen und studieren lies wie die Jungen, würden sie die Lehren genauso
begreifen wie die Jungen. “Je stärker die Frauen
den Männern an Körperkraft unterlegen [sind], desto mehr Scharfsinn entfalten
sie überall dort, wo sie sich wirklich ins Zeug legen“.
Christine
de Pizans Kritik an Jean de Meung löste einen öffentlichen Streit aus,
in dem die Schriftstellerin nach ersten heftigen Attacken unter anderem
von dem königlichen Sekretär Jean de Montreuil auch prominente Unterstützung
erhielt – sowohl aus intellektuellen wie aus höfischen Kreisen.
Grafiken wurden automatisiert entfernt So verteidigte Jean Gerson, der Kanzler
der Pariser
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anknüpfte.
Abb.:3 Jean Gerson
Das „Buch von der Stadt der Frauen“ hat auch eine Schlüsselfunktion,
da es die klassischen Topoi widerlegt und ein neues Frauenbild schafft. Die
klassischen Topoi beziehen sich auf die „intellektuellen und moralischen, der
körperlichen und spirituellen Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts“.
Im 15. Jahrhundert knüpfte an die humanistische Bildungsdebatte
auch eine Auseinandersetzung über das Menschsein der Frau. Da die meisten
Autoren das neue Menschenbild der Renaissance, die Selbstbestimmung des
Menschen nur auf den Mann bezogen wand Christine de Pizan das neue Menschenbild
auch auf die misogynen
Vorstellungen der Frau aus Mittelalter und Antike an.
Im 16. Jahrhundert tat sich eine Kluft zwischen „der absoluten
Erhöhung und der totalen Abwertung der Frauen auf, die bis zu der Frage
reichte, ob Frauen überhaupt Menschen seien.“
Ausgelöst wurde diese Kluft durch die Debatte über die Vorzüge und Nachteile
des weiblichen Geschlechts.
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Grafiken wurden automatisiert entfernt Zentral war vor allem das
Werk „Malleus maleficarum“, „Der Hexenhammer“ aus dem Jahre 1487 von den beiden
Dominikanermönchen Heinrich Institoris und Jacob Sprenger. Dieses Werk mit
seinen frauenfeindlichen Aussagen wurde zum Leitfaden zur Verfolgung v on Hexen in
ganz Europa. Dieses Werk zog sogar noch hunderte Jahre nach Erscheinen weite
Kreise.
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