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Qualitative Inhaltsanalyse – Grundlage und Techniken .doc

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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Qualitative Inhaltsanalyse – Grundlage und Techniken

1. Einleitung

Strömungen (Beispiele):

-       Polkinghorne (1983): Forderung einer neuen Methodologie für Humanwissenschaften anknüpfend an philosophische Hermeneutik.

Sprachliches Material als Ausgangspunkt.

-       Feministische Ansätze als Alternative Methodologie: Forderung des Ansetzens an Praxisproblemen aus eigener Betroffenheit und Einbeziehung der Erfahrung

-       Analyse individueller Biographien: Qualitativ orientierte Analyse des Einzelfalls

-       Ethnologie zu Beginn dieses Jahrhunderts: Methoden der teilnehmenden Forschung und des vorsichtigen Verstehens und Interpretierens des Fremden

Diese Ansätze haben ein Auswertungsproblem. Daher soll die qualitative Inhaltsanalyse hier ansetzen.

2. Was ist Inhaltsanalyse?

2.1 Versuch einer Definition

Ziel der Inhaltsanalyse ist die Analyse von Material, das aus irgendeiner Art von Kommunikation stammt. Zur Definition der Inhaltsanalyse läßt sich sagen, dass die Definition gar nicht so einfach ist.

Dies wird durch die Vielzahl der verschiedenen unternommenen Ansätze die Inhaltsanalyse zu definieren deutlich, da sich die Inhaltsanalyse sich längst nicht mehr ausschließlich mit der Analyse des Inhalts von Kommunikation beschäftigt.

 

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Diese Definition ist aber unpräzise, da auch formale Aspekte der Kommunikation zu ihrem Gegenstand gemacht werden.

Definitionen:

-       Ritsert (1972): zur Analyse des gesellschaftlichen, letztlich ideologischen Gehalts von Texten

-       Berelson (1952): Forschungstechnik für die objektive, systematische und quantitative Beschreibung des manifesten Inhalts von Kommunikation

Eine zweite Schwierigkeit der Definition der Inhaltsanalyse besteht darin, dass sehr viele Autoren in ihren Definitionen die Interessen oder das jeweilige Arbeitsgebiet widerspiegeln und dadurch zu speziell sind.

Philipp Mayring nennt in seinem Buch „Qualitative Inhaltsanalyse“ (5.Auflage, 1988 Deutscher Studien Verlag, Weinheim) sieben verschiedene Definitionen zur Inhaltsanalyse.

Aus diesem Grund soll hier kein weiterer Versuch die Inhaltsanalyse zu definieren erfolgen. Vielmehr soll im folgenden in sechs Punkten auf die Spezifika der Inhaltsanalyse eingegangen werden.

6 Spezifika der Inhaltsanalyse:

  1. Die Inhaltsanalyse hat Kommunikation zum Gegenstand, also es geht um die Übertragung von Symbolen (Sprache, Musik, Bilder, etc).
  2. Die Inhaltsanalyse arbeitet mit Texten, Bildern, Noten- also mit symbolischem Material. Das heißt, dass die Kommunikation in irgendeiner Art protokolliert vorliegt. Gegenstand der Analyse ist somit eine fixierte Kommunikation.
  3. Das systematische Vorgehen ist von wesentlicher Bedeutung. Die Verfechter der Inhaltsanalyse wenden sich gegen freie Interpretation, gegen impressionistische Ausdeutung des Materials. Die Inhaltsanalyse grenzt sich zu hermeneutischen Verfahren ab.
  4. Die Systematik zeigt sich in der Regelgeleitetheit. Die Analyse läuft nach expliziten Regeln ab.
  5. Eine gute Inhaltsanalyse geht theoriegeleitet vor. Sowohl die Ergebnisse, die vom jeweiligen Theorienhintergrund interpretiert werden, als auch die einzelnen Analyseschritte sind von theoretischen Überlegungen geleitet.
  6. Inhaltsanalyse will durch Aussagen über das zu analysierende Material Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation ziehen (zum Beispiel Aussagen über Sender oder Wirkungen beim Empfänger).

 

Zusammenfassend will Inhaltsanalyse:

-       Kommunikation anlysieren;

-       fixierte Kommunikation analysieren;

-       dabei systematisch vorgehen;

-       das heißt also regelgeleitet vorgehen;

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-       mit dem Ziel, Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen;

2.2 Grundtechniken bisheriger inhaltsanalytischer Verfahren

Frequenzanalyse (Häufigkeitsanalyse):

Die Frequenzanalyse besteht darin, in den Untersuchungseinheiten die Häufigkeit des Auftretens bestimmter Merkmale festzustellen. Aus diesen Häufigkeiten wird im allgemeinen auf die Intensität oder die Art geschlossen, mit der über bestimmte Themen kommuniziert wird.

Besondere Bedeutung hat hier das Arbeiten mit umfassenden Kategoriesystemen, die computergestützt sprachliches Material auszählen (1. Versuch: General Inquirer). Ein Beispiel komplexer Häufigkeitsanalysen ist die Gottschalk-Gleser-Sprachinhaltsanalyse zu Messung affektiver Zustände (Angst, Agressivität).

Probleme hierbei:

-       Mehrdeutigkeit von Begriffen

-       Inhaltliche Färbung von Begriffen durch den Kontext

-       Extensionsbestimmung durch den Kontext

-       Inhaltlicher Bezug des gezählten Begriffs

-       Substitutive Wörter

-       Dialektfärbung

-       Bei großen Textmengen schwer zu verarbeiten

Vorgehen:

1.       Formulierung der Fragestellung

2.       Bestimmung der Materialstichprobe

3.       Aufstellen des Kategoriesystems

4.       Definition der Kategorien

5.       Bestimmung der Analyseeinheiten

6.       Kodierung

7.       Verrechnung

8.       Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

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Valenzanalyse (Intensitätsanalye):

In der Valenzanalyse soll zusätzlich auch erfaßt werden, welche Bewertungen mit den betreffenden Untersuchungsgegenständen verbunden werden, ob also z.B. im untersuchten Material bestimmte Personen, Themen usw. eher positiv, neutral oder negativ beurteilt werden.

Die Intensitätsanalyse zählt im Unterschied zu einer Frequenzanalyse nicht nur das Vorkommen von Begriffen, Themen oder anderen interessierenden Merkmalen gezählt, sondern es wird auch erfaßt, wie stark im Analysematerial Wertungen zum Ausdruck kommen.

Im Unterschied zu einer Valenzanalyse werden diese Wertungen also nicht nur nach ihrer Richtung (z.B. positiv oder negativ), sondern nach ihrer Intensität beurteilt. So enthält die Aussage "Ab und zu mag ich Opern ganz gerne" eine schwächere Wertung als die Aussage "Oper ist für mich das einfach das Größte".

Beispiele wären die Wertanalyse, Symbolanalyse und die Bewertungsanalyse.

Vorgehen:

1.       Formulierung der Fragestellung

2.       Bestimmung der Materialstichprobe

3.       Aufstellen und Definition der Variablen, die untersucht werde

4.       Bestimmung der Skalenpunkte (bei VA: bipolar: plus – minus / bei IA: mehrstufig: sehr stark – stark – mittel – weniger stark – gar nicht)

5.       Definition und ev.

Anführen von Beispielen für die Skalenpunkte der Variablen (Skalenpunkte und Variablen = Kategoriesystem)

6.       Bestimmung der Analyseeinheiten

7.       Kodierung (Skalierung)

8.       Verrechnung

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Kontingenzanalyse:

Bei der Kontingenzanalyse wird erfaßt, welche Merkmale zusammen im Ausgangsmaterial auftreten. Dabei interessiert man sich vor allem dafür, ob bestimmte Merkmale häufiger gemeinsam auftreten, als es zufällig zu erwarten wäre.

Beispiele wäre auch die Diskursanalyse, Bedeutungsumfeldanalyse und die Assoziationsstrukturenanalyse.

Vorgehen:

1.       Formulierung der Fragestellung

2.       Bestimmung der Materialstichprobe

3.       Festlegung und Definition der Textbestandteile, deren Kontingenz untersucht werden soll (= Aufstellen des Kategoriesystems)

4.       Bestimmung der Analyseeinheiten

5.       Definition der Kontingenz

6.       Kodierung (Skalierung)

7.       Bestimmung der Kontingenzen

8.       Zusammenstellung und Interpretation der Kontingenz

3. Was ist die qualitative Inhaltsanalyse?

3.1 Unterscheidungsmerkmale qualitativer und quantitativer Analyse:

Unterscheidung von der Begriffsform her

Sobald Zahlbegriffe und deren In – Beziehung - Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden, sei von quantitativer Analyse zu sprechen, in allen anderen Fällen von qualitativer Analyse.

Unterscheidung vom Skalenniveau der zugrunde liegenden Messung her


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