1. Forschungsteil
1.1. Forschungsmethode
In diesem Abschnitt möchte ich die gewählte
Forschungsmethode, die qualitative Feldforschung, näher beleuchten. Diese
qualitative Forschungsdisziplin scheint mir die einzig vernünftige Möglichkeit
zu sein, dem in einer Bachelorarbeit geforderten Forschungsansatz gerecht zu
werden.
Sämtliche quantitative Methoden wären in einer Arbeit diesen Umfangs
zur Lächerlichkeit verurteilt, da sie aufgrund zu geringer Stichprobengröße
eine nicht-aussagekräftige Signifikanz liefern würden. Es folgt die
theoretische Beschreibung der qualitativen Feldforschung.
1.1.1. Qualitative Feldforschung
Im Unterschied zu im Labor, unter
künstlichen Bedingungen durchgeführten Forschungsmethoden, stellt die
qualitative Feldforschung eine Methode dar, welche den natürlichen Lebensraum
des Menschen, das „Feld“, als Umgebung für die Forschung nützt. Als Gegenstände
qualitativer Feldforschung kommen alle menschlichen Lebensräume in Frage.
Supermärkte, Bars, Ämter oder auch Schulen sind mögliche Gegenstände der qualitativen
Feldforschung. Ziel der genannten Forschungsmethode ist das ganzheitliche
Erfassen und Dokumentieren menschlicher Interaktion und die Analyse der dabei
ablaufenden Strukturen und Prozesse. Unumgänglich beim Durchführen qualitativer
Feldforschung ist ein sensibles, nahtloses Eintauchen der
Forscherinnen/Forscher ins Feld.
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In der qualitativen Feldforschung kommt
eine Vielzahl an empirischen Methoden zum Einsatz, wie z.B. die teilnehmende
Beobachtung, beobachtende Teilnahme, formelle Interviews, informelle Interviews
als auch Feldgespräche. Auch der offenen Beobachtung kommt in der Feldforschung
eine große Bedeutung zu.
Aus meiner Sicht sind die teilnehmende und offene
Beobachtung besonders hervorzuheben, da diese beiden Beobachtungsarten der/dem
Forschenden einen tiefen Einblick ins Feld gewährleisten. Auch ein hohes Maß an
und Spontanität im Feld ist mit diesen Beobachtungsarten gewährleistet.
Diese qualitativen Beobachtungsvarianten
sind durch eine Vielzahl von Merkmalen bzw. Zielsetzungen gekennzeichnet, die
sich wie folgt charakterisieren lassen:
„ Beobachtungen arbeiten mit offenen Kategorien bzw. Fragestellungen,
erfassen größere Einheiten des Verhaltens und Erlebens und finden im
natürlichen Lebensumfeld bei meist aktiver Teilnahme des Beobachters statt.“
Besonders die aktive Teilnahme der/des
Forschenden im Feld ermöglicht neben der Fremdbeobachtung auch das Sammeln von
eigenen Erfahrungen. Somit kann die Sichtweise der Handelnden besser
nachvollzogen werden.
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte die
Chicagoer Schule Feldforschung ein um die Randschichten der Gesellschaft zu
erforschen. Die Forschenden erkannten, dass die sozialen Probleme in den
Ghettos dieser Großstadt, ausschließlich durch ein Eintauchen ins Feld erkannt
und erkundet werden konnten.
In der heutigen Zeit wird die Feldforschung
nicht mehr nur in sozialen Brennpunkten oder in der Ethnologie eingesetzt,
sondern meist an Schauplätzen des täglichen Lebens, welche durch teilnehmende
Beobachtung erforscht werden.
1.1.3. Arbeitsablauf eines Feldforschungs-Projektes
Ein Feldforschungs-Projekt gliedert sich
üblicherweise in sechs chronologisch ablaufende Schritte:
1. Planung und Vorbereitung: In dieser
ersten Phase, werden organisatorische, sowie inhaltliche, das
Untersuchungsthema betreffende Fragen präzisiert und geklärt. Präzise
definierte Forschungsfragen sind aufgrund der Unmenge an Faktoren und
Ereignissen, welche im Feld auftreten besonders wichtig. Jedoch eröffnet das
Prinzip der Offenheit die Möglichkeit nach ersten Eindrücken im Feld
Fragestellungen und Themen zu adaptieren.
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dieser drei Schauplatzkategorien eine Forscherin/ein Forscher eintritt,
benötigt sie/er die Akzeptanz der anderen Feldsubjekte. Die Akzeptanz in
offenen bzw. halboffenen Schauplätzen wird durch Interesse an Aktivitäten und
durch Interaktion und Kommunikation mit den Feldsubjekten ermöglicht. Um in
geschlossene Schauplätze vorzudringen werden üblicherweise so genannte „Türhüter“
benötigt. Die Türhüter, auch Gate Keepers genannt, sind Feldsubjekte, welche
die Bereitschaft aufweisen die Forscherin/den Forscher zu unterstützen, indem
sie Informationen liefern und seine Akzeptanz im Feld vorantreiben. Optimale
Gate Keepers genießen, innerhalb der Gruppe, hohe Akzeptanz.
3. Agieren im Feld: Sobald ein Einstieg ins
Feld gelungen ist, ist es für die Forscherin/den Forscher sehr wichtig eine
Peer Group aufzubauen, da trotz intensiver Beobachtung, Zusatzinformationen zum
besseren Verständnis der Abläufe innerhalb der Gruppe unumgänglich sind. Beim
Agieren im Feld ist ein Aspekt nicht zu vernachlässigen und auch zu hinterfragen:
Die Forscherin/der Forscher muss sich ihrer/seiner Doppelrolle (Teilnehmer und
Beobachter) bewusst sein.
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Methoden, d.h. Methoden bei denen keine Beeinflussung der Feldsubjekte erfolgt,
spielen eine wichtige Rolle und werden meist zeitgleich eingesetzt. Die
Befragung sollte formal einem lockeren Gespräch näher sein, als einem
standardisierten Interview. Jorgensen rät hierbei zu deskriptiven Fragen
(beginnend mit wie, wann, wo, was). Bei nicht verdeckter Beobachtung lassen sich neben der offenen
Beobachtung auch standardisierte Techniken ergänzend einsetzen. Um die
Forschungstätigkeit im Feld zu dokumentieren, eignen sich neben einem guten
Gedächtnis und einer ausgeprägten Beobachtungsfähigkeit, auch audiovisuelle
Verfahren zur Datenerfassung. Beim Einsatz eben dieser ist jedoch darauf zu
achten, dass die Situation im Feld nicht drastisch verändert wird. Es empfiehlt
sich bei länger andauernden Einsätzen im Feld stichwortartige Notizen zu
sammeln, welche dann in angemessenem Abstand, ausformuliert in einem
Feldtagebuch (Field Journal) festgehalten werden. Es sollten die Umgebung,
Ereignisse und Äußerungen der Feldsubjekte erfasst werden. Die Forscherin/der
Forscher sollte jedoch darauf achten, dass ihre/seine subjektiven Eindrücke
(Empfindungen und Gedanken) nicht zu stark in die Erfassung einfließen.
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