·
Ergebnis: Die Tiere der ersten Gruppe erlernten schnell
das Fluchtverhalten in die zweite, nicht elektrifizierte Käfighälfte, die der
zweiten Gruppe lernten dies nur langsam oder überhaupt nicht. à Sie hatten „Hilflosigkeit erlernt“ und
waren unfähig zur Kontrolle aversiver Reize.
·
Humanversuche von Miller und Norman (1979) führten zu
ähnlichen Er-gebnissen. Aversive Ereignisse wurden als nicht kontrollierbar
erlebt. Die Individuen sehen sich zu keinem Flucht- oder Vermeidungsverhalten
in der Lage
·
Gelernte Hilflosigkeit zeigt sich als kognitiv-emotionales
Defizit, als eine Da-kann-man-sowieso-nichts-machen-Mentalität.
·
Bereits die Erwartung der Hilflosigkeit und der eigenen
Ohnmächtigkeit untergräbt die eigenen Lern-Erfolgschancen und den Lernerfolg
selbst.
·
Schulische Maßnahmen gegen „gelernte Hilflosigkeit“:
(a)
Schüler bei best. Fragen miteintscheiden lassen, z. B. Klassenlektüre,
Ge-staltung des Klassenzimmers, Ziel eines Klassenausfluges.
(b)
Bei passenden Themen Diskussionskultur fördern. Eigenverantwortung der
Schüler/innen in best. Bereichen stärken.
·
Wichtig ist, dass die Schüler im Bezug auf ihre Leistung eine Kausalattribution
aufbauen.
A – 3: Sozial-kognitive Lerntheorie
A – 3 – 1: Lernen am Modell / Beobachtungslernen
(Quellen: HPP S. 514-519 und 664f / Edelmann S. 282-307 / Psy-VL)
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·
Lernen am Modell (bzw. „Modell-Lernen“ oder Imitationslernen) ist
eine Form von „sozialem Lernen“ und geht als Begriff auf die Arbeiten
von Bandura (ab 1963) zurück.
Unter Modell-Lernen ist zu verstehen, dass
sich das Verhalten eines Individuums aufgrund der Wahrnehmung von Verhal-tensweisen
anderer Personen oder aufgrund verbaler Darstellung über das Ver-halten anderer
Personen ändert, und zwar in Richtung größerer Ähnlichkeit mit dem rezipierten
Verhalten.
·
Lernen am Modell ergänzt die behavioristischen Lerntheorien um
die Kompo-nente der kognitiven Informationsverarbeitung. Grundannahme:
Zwischen der Anregung eines Verhaltens durch das Modell und der Ausführung des
Ver-haltens durch den Beobachter finden kognitive Prozesse statt.
·
Mit dem Modell-Lernen kann Unterschiedlichstes erlernt werden, z.
B.
(a)
Sprache und Wissen
(b)
Neue Verhaltensweisen
(c)
Empathie und prosoziales Verhalten etc...
·
Zentral: Identifikation und Imitation von
beobachteten Verhaltensweisen. à Modellierung
(Identifikations- und Nachahmungsprozesse).
·
Die Modellierungseinflüsse lassen sich drei Lerneffekten
zuordnen:
(a)
Erwerb neuer Verhaltensweisen (ist am deutlichsten nachweisbar).
(b)
Verstärkung vorhandener Verhaltensweisen.
(c)
Verstärkung ähnlicher Verhaltensweisen (Auslösungseffekte / Übernahme
von Mode-Erscheinungen).
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·
Als zentral werden die Wechselwirkungen zwischen den beiden
Interaktions-partnern angesehen: Konstituierende Komponenten sind das Modell
(Lehrer) und der Beobachter (Schüler). Beim Medell kann es sich um eine Person,
aber auch um „symbolische Modelle“ z. B. aus Film, Fernsehen, Literatur
handeln.
·
Positive Effekte beim Beobachtungslernen treten auf,
wenn...
(a)
... ein hoher Status, Kompetenz, Vorbildcharakter oder Sozialprestige
des Modells gegeben ist und eine emotional gute Beziehung zwischen Modell und
Beobachter.
(b)
... es wahrgenommene Ähnlichkeiten zwischen Eigenschaften des Modells
und des Beobachters gibt.
(c)
... der Beobachter dem Modell eine große Aufmerksamkeit widmet.
(d)
... das Verhalten des Modells sichtbar und auffällig ist und sich klar
von dem Hintergrund konkurrierender Modelle abhebt.
(e)
... es im Bereich der Kompetenz des Beobachters liegt, das Verhalten zu
übernehmen.
·
Beispiel: Kognitives Modellverfahren: Der Lehrer demonstriert,
wie er eine Aufgabe löst, wie er sie in handhabbare Einzelschritte zerlegt,
welche Metho-den anzuwenden sind und wie das Ergebnis kontrolliert werden kann.
Diesen Lösungsprozess begleitet er mit sprachlichen Erläuterungen. à Das beobach-tete Verhalten wird zur Handlungsrichtlinie.
(Allerdings wird es zunächst auch auf seine Folgen hin reflektiert und dadurch
reguliert.)
·
Phasen des Modell-Lernens (nach Bandura):
Aneignungsphase
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erreg-bar und motivierbar sein. Die Aufmerksamkeitsprozesse bestehen aus
kog-nitiven Fähigkeiten, aus Vorwissen und Lernerfahrungen und aus
moti-vationalen und physiologischen Erregungsbedingungen des Schülers.
(b)
Es kommt zu einer kognitiven Auseinandersetzung mit dem beobachteten
Verhalten, zu einer symbolischen Kodierung, zur kognitiven Organisation und
Wiederholung (Gedächtnisprozesse). Kodierungsprozesse: Der
Schü-ler kodiert beobachtete Handlungen und speichert sie ab. Behaltenspro-zesse:
Dafür ist eine Vernetzung mit bisherigen Wissens- und Kompetenz-beständen
wichtig.
Ausführungsphase
(c)
Motorische Reproduktionsprozesse (Performanz): Spontane
Verhaltens-äußerungen der Beobachter (Schüler), wenn sie in einen ähnlichen
Kon-text gesetzt werden. Dazu bedarf es körperlicher Fähigkeiten und einer
Selbstbeobachtung bei der Reproduktion. Anwendung von Reproduktions-prozessen
bzw. Übungs- und Generalisierungsprozessen.
(d)
Ggf. Verstärkungs- und Motivationsprozesse: Antizipation von
Verstär-kung oder Bestrafung hat eine motivierende oder demotivierende
Wir-kung.
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kommt es zur stellvertretenden Verstärkung, die sich durch Antizipation der
Konsequenzen einer mög-lichen Verhaltensübernahme auszeichnet.
(e)
Längerfristig wirksame Verhaltensaneignung.
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Anderer Systematisierungsschlüssel des Modell-Lernens nach
Edelmann et al. (1982):
(a)
Orientierungsphase: Aufnahme neuer Informationen. Aktivierung
best. Bereiche der kognitiven Struktur. Erstellen eines antizipatorischen
Situ-ationsbildes.
(b)
Realisierungsphase
(c)
Evaluationsphase
Edelmann betont dabei,
dass i. d. R. Modellvarianten auftreten, d. h. dass einzelne Phasen stärker ins
Gewicht fallen und andere schwächer.
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Experimentelles Beispiel von Bandura (1965):
(a)
Versuchsaufbau: Es wurden vier Gruppen mit etwa fünfjährigen Kindern
gebildet. Vor einer Gruppe behandelte ein Modell (Lehrer) eine lebens-große
Puppe sehr aggressiv. Eine zweite Gruppe sah diesen Lehrer in einer TV-Aufnahme,
eine dritte Gruppe eine aggressive Comicfigur im TV. Die vierte Gruppe war als
Konrollgruppe diesen Einflüssen nicht ausgesetzt.
(b)
Dann wurden die Kinder aller Gruppen einer leichten Frustration
ausge-setzt, dadurch dass attraktive Spielzeuge weggenommen wurden.
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