Ludwig-Maximilians-Universität
München
Department für Psychologie und
Pädagogik
Sommersemester 2010
Vorbereitung auf das Staatsexamen
Psychologie
Dozent: Christopher Frank
Problemlösen und Transfer
1. Definitionen
1.1 Problemlösen:
Denkvorgänge, die auf die Lösung bestimmter Probleme gerichtet sind und die
sich mit Hilfe einer Menge mentaler Operationen von einem Anfangszustand auf
einen Zielzustand hin bewegen. (nach Zimbardo
2005, 371)
Beim Lösen eines Problems
verringern wir die Diskrepanz zwischen dem, was wir bereits wissen, und dem,
was wir an Wissen benötigen, indem wir einen Weg finden, wie wir an die
fehlenden Informationen gelangen können. (Zimbardo
2005, 371f.)
1.2 Problem
Grafiken wurden automatisiert entfernt
Ein Problem ist durch drei
Komponenten gekennzeichnet:
à
unerwünschter Anfangszustand
à
erwünschter Zielzustand
à
Barriere, die die Überführung des Anfangszustandes in den Zielzustand im
Augenblick verhindert
1.3 Aufgabe vs. Problem
Ein Problem unterscheidet sich
von einer Aufgabe dadurch, dass für seine Bewältigung etwas Neues geschaffen
werden muss. Bei einer Aufgabe hingegen sind für die Bewältigung schon
zielführende Methoden bekannt.
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2. Unterschiedliche Arten von Problemsituationen
2.1 Klar definierte Probleme: eindeutiges Ziel
und für die Lösung relevante Infos liegen vor, es gibt nur eine richtige
Antwort (Mietzel 2007, 301);
Anfangszustand, Zielzustand, Operatoren sind eindeutig spezifiziert (Zimbardo 2005, 372)
2.2 Unklar definierte Probleme: Ziele lassen
sich nicht eindeutig bestimmen, hohe Unsicherheit über den Lösungsweg, die
Lernenden müssen bei ihrer Lösungssuche immer wieder Vermutungen anstellen, die
sie zu rechtfertigen haben (Mietzel 2007, 302f)
3.Problemlösungsstrategien (Edelmann
2002, 211ff)
3.1 Versuch und Irrtum
Lösung wird weder durch reines
Nachdenken, noch durch Aufzeichnen eines Graphen erreicht. Es wird vielmehr
solange herumprobiert, bis die Bedingung erfüllt ist.
3.2 Problemlösen durch
Umstrukturieren
Lösung des Problems wird durch
mehrfaches Umstrukturieren erreicht. Umstrukturieren heißt, die Elemente der
Problemsituation werden in neuen Zusammenhängen gesehen. („Aha-Erlebnis“)
à
Problemlösung erfolgt in vier Stufen, in der die Problembestandteile und ihr
Verhältnis zueinander je anders gesehen werden. Das Problem wird (im Idealfall)
so lange umstrukturiert, bis die Lösung gefunden wird.
à
Gegenpol zu Problemlösen durch Versuch und Irrtum
Prozess der Umstrukturierung
in vier Abschnitten (nach Duncker 1935)
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à Das
allgemeine Lösungsprinzip (Funktionalwert)
à
Entwicklung eines Suchmodells
à
Mittelaktualisierung
Auch bekannt als:
à Problemlösen als Klärungsprozess
à Problemlösen durch Einsicht
3.3 Problemlösen durch
Anwenden von Strategien
Der Strategiebegriff lässt sich
besonders dann auf Denkvorgänge anwenden, wenn das Denken in einer Abfolge von
äußerlich sichtbaren Tätigkeiten und Entscheidungen beobachtet werden kann.
Der Begriff der Strategie
beinhaltet die Planung und Durchführung eines Gesamtkonzeptes
Begriff der Strategie wird in
zweierlei Bedeutung gebraucht:
-
Epistemische Regel (Wissen), Algorithmus à Abfolge ganz bestimmter
Handlungsschritte festgelegt. Lösung garantiert.
-
Heuristische Regel (Problemlöseverfahren) à
Suchanweisung, die die zu treffenden
Entscheidungen in einem gewissen Rahmen festlegt. Lösung nicht garantiert.
3.4 Problemlösen durch
divergentes Denken
Lösungen durch divergentes Denken
zeichnen sich dadurch aus, dass gedanklich weit voneinander entfernt liegende
Elemente so verknüpft werden, dass das Ergebnis als subjektiv neu empfunden
wird.
à
Sie sind häufig durch zwei Merkmale ausgezeichnet:
Ideenfülle
& seltene (originelle, ungewöhnliche) Einfälle
Verschiedene Phasen des
Problemlösen durch divergentes Denken
1.
Problematisierung
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3.
Inkubation
4.
heuristische Regression
5.
Elaboration
6.
Diffusion
3.5 Problemlösen durch
Systemdenken
-
lineares Denken: Denken in einfachen Wenn-dann-Beziehungen.
Neben- und Fernwirkungen werden nicht bedacht.
-
Systemdenken: komplexes Denken in Netzen, das bei komplexen,
intransparenten, vernetzten, eigendynamischen, offenen und polythetischen
Problemsituationen nötig ist.
Schwerpunkte des Systemdenkens:
-
Strukturwissen
-
Schwerpunktbildung
-
Planung von Eingriffen
3.6 der IDEAL Problemlöser (Mietzel 2007, 303)
*I* dentifikation eines Problems
*D* efinition der Ziele und Repräsentation des Problems
*E *xplorieren möglicher Strategien
*A* ntizipieren von Ergebnissen und Vorgehensweisen
*L* ernen aus der Rückschau
Grafiken wurden automatisiert entfernt 4. Problemlöseprozess
Vier Phasen des
Problemlöseprozesses:
-
Situationsanalyse
-
Suchraum
-
Lösung und Evaluation
5. Unterrichtliche Maßnahmen zur Förderung des Problemlösens
Problemsituationen in einem natürlichen Kontext
Donald Cunningham: „Lernen sollte sich in wirklichkeitsnahen
Situationen vollziehen und auf die Lösung solcher Probleme gerichtet sein, mit
denen sich Schüler in ihrem Leben wirklich auseinander zu setzen haben.“
Entwicklung
von Problem-und Prozess-Schemata:
Assoziative
Verknüpfungen zwischen Problem-und Prozess-Schemata beschleunigen die
Aufgabenbewältigung
Konkretisieren
von Textaufgaben
Umsetzung von Textaufgaben in bildliche Darstellungen
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Umwandeln von Textaufgaben in konkrete Situation
Darstellen einer Vielzahl ausgearbeiteter Beispiele
Aufgaben mit Lösungsweg vorstellen (Musterlösung)
ð Dann
ähnliche Aufgaben selbst lösen
Verbessern der Qualität von Verständnisfragen
Fragen als Voraussetzung für tieferes Verständnis
(Mietzel
2007, 316-331)
6. Transfer
6.1 Arten des Transfers
Definition: „Transfer ist
der Prozess, durch den die Anwendung von Wissen auf neue Situationen erfolgt.“ (Greeno et al., 1996)
-positiver Transfer: Das vorangegangene Lernen
erleichtert und verbessert das nachfolgende Lernen.
-negativer Transfer: Das vorangegangene Lernen
verzögert oder erschwert das nachfolgende Lernen. (Edelmann
2000, 226)
-automatischer Transfer: spontaner automatischer
Transfer hochgradig geübter Fertigkeiten, ohne jegliche Notwendigkeit des
Nachdenkens
-bewusster Transfer: explizite bewusste Formulierung
einer Abstraktion in einer Situation, die es erlaubt, eine Verbindung zu einer
anderen herzustellen
-vorwärts gerichteter Transfer/Rückwärts
gerichteter Transfer
(Mietzel
2007, 332ff)
6.2 Unterrichtliche Maßnahmen zur Förderung des
Transfers
Maßnahmen dem trägen Wissen entgegenzuwirken:
Förderung tieferer Verarbeitung unterrichtlicher Inhalte:
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