Pragmatischer Spracherwerb
1. Einleitung
Die menschliche Sprache ist ein
Zeichensystem, das Kommunikation zwischen Individuen ermöglicht. Damit eine
Kommunikation stattfinden kann, muss jeder Mensch sich eine spezifische Sprache
aneignen. Dafür durchläuft er seit Beginn seiner Existenz verschiedene
sprachliche Prozesse, sowie Lernprozesse.
Dass Sprache der Kommunikation und
auch dem geistigen Wachstum dient, wird bei kleinen Kindern besonders deutlich.
Die kindliche Entwicklung wird stark behindert, wenn sie nicht kommunizieren
können. Es ist klar, dass die Kommunikation mit Kleinkindern nicht nur mangels
ihrer Sprachbeherrschung versagen kann, sondern auch, weil ihr Wissen über ihre
Situation und die Welt noch sehr begrenzt ist und nicht von ihnen verbalisiert
werden kann. Der Spracherwerb entwickelt sich auf vier verschiedenen Ebenen,
die sich wiederum gegenseitig bedingen: die grammatikalische Ebene, die
syntaktische Ebene, die semantische Ebene und die pragmatische Ebene.
Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit
liegt auf dem Erwerb der pragmatischen Sprachkompetenz. Um den Vollzug des
Spracherwerbs und somit auch der pragmatischen Sprachkompetenz zu erklären,
wird im Folgenden auf die unterschiedlichen Spracherwerbstheorien beim Kind
eingegangen. Des Weiteren wird auch die Rolle der Inputsprache angesprochen.
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1.1 Vorraussetzungen für den
Spracherwerb
Die Vorraussetzung für einen „normalen“
Spracherwerb bzw. gesunden Spracherwerb sind natürlich in erster Linie gesunde
und funktionstüchtige Organe.
Das bedeutet ein gesundes Gehör, eine
intakte Hörverarbeitung, gesunde Augen, eine gute taktile Wahrnehmung, ein
gesundes Gehirn und eine intakte neurologische Verarbeitung. Sprachtalent und
Intelligenz sind beim Mutterspracherwerb keine Vorraussetzung für ein
erfolgreiches Erstsprachlernen. So konnte bei geistig beeinträchtigten Kindern
ein ähnlich gut entwickelter Mutterspracherwerb als auch bei normalen
entwickelten Kindern festgestellt werden.
Ausschlaggebend für einige Spracherwerbsformen ist das Alter, denn die
Fähigkeit zum Erstspracherwerb ist Kindern gegeben.
Somit scheinen die Gehirnentwicklung
im Kindesalter und die dort entstehenden neurologischen Verbindungen eine
förderliche Auswirkung auf den Spracherwerb zu haben. Des Weiteren muss die
Sprache, durch ständiges Hören von Unterhaltungen der Erwachsenen und
Unterhaltungen mit dem Kind, erfahrbar sein. Unterhaltungen mit Kindern finden
in der so genannten Motherese / Ammensprache statt.
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übertrieben, Vokale gedehnt und Silben werden verdoppelt. Außerdem wird bei der
Motherese das Kind immer unmittelbar in die Sprachhandlung einbezogen und zu
Äußerungen ermuntert. Durch Fragen wird die kindliche Rede paraphrasiert und
erweitert. Die Aufmerksamkeit des Kindes wird auf konkrete Objekte der Umgebung
gelenkt und versprachlicht. Kinder, die regelmäßig Sprechaufforderungen
ausgesetzt sind, beginnen auch von selbst Sprache aktiv einzusetzen.
„ Aus zahlreichen Untersuchungen
ist bekannt, dass Kinder oft, wenn sie mit sich selbst beschäftigt sind,
selbstversunken monologisieren. Da keine kommunikative Absicht dahinter steckt,
interpretiert Butzkamm die an Übungsläufe erinnernde Art des Sprechens als ein
„unbewusstes Streben nach Strukturkenntnis.““
Kindliche Warum - Fragen sind weniger
ein Ausdruck von Interesse, sondern eine kindliche art, ein Gespräch aufrecht
zu erhalten.
Aus den bisher genannten
Vorraussetzungen wird ersichtlich, dass neben Genetik, körperlicher
Unversehrtheit auch die soziale Umgebung maßgeblich an der Sprachentwicklung
beteiligt ist. Ob ein Kind letztendlich einen elaborierten oder restringierten
Sprachcode entwickeln wird, ist ebenfalls von der sozialen Umgebung und dem
Bildungsstatus der Eltern abhängig. ( Bernsteins Sprachtheorie )
2. Spracherwerbstheorien
2.1 Behaviorismus
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durch die Bezugsperson in der Regel positiv verstärkt (Reinforcement), d.h.,
bildet das Kind zufällig Laute, wird es diese langfristig gewohnheitsmäßig
artikulieren, wenn sie durch Erwachsene bestärkt werden. Nachahmung (Response)
ist die Reaktion auf einen Reiz (Stimulus). Wird beispielsweise durch Hunger
die Lautfolge da-da ausgelöst und erhält das Kind daraufhin Nahrung, wurde der
Spracherwerb positiv verstärkt. In Folge dessen wird in diesem Kontext die
Lautfolge da-da regelmäßiger vom Kind benutzt werden.
Ähnlich wird bei negativer Verstärkung
(Korrektur, Tadel, Ignoranz etc.) ein gezeigtes Sprachverhalten entsprechend
geändert werden. Des Weiteren ist für den Lernerfolg entscheidend, dass die
Abfolge von reiz, Reaktion und Verstärkung möglichst kleinschrittig und direkt
erfolgt. Um zu gewährleisten, dass die Bedeutung des Wortes dauerhaft verfügbar
bleibt, bedarf es gemäß dem Behaviorismus häufigen Übens und Wiederholungen,
solange bis die Assoziationen gewohnheitsmäßig ausgebildet sind.
Auch bei komplexeren Lernprozessen
(wie beispielsweise der Aneignung grammatischer Strukturen) bleiben die
Behavioristen bei der Vorstellung des Imitierens von Sprachereignissen der
kindlichen Umwelt.
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durch Nachahmen aufgenommen werden, würde der gesamte Spracherwerb über diese Methode
wesentlich länger dauern. Des Weiteren würde ein Spracherwerb nur über
Nachahmung direkt zur Erwachsenensprache führen, was aber im Widerspruch zu den
einzelnen Sprachentwicklungsstadien steht.
Ein weiters Indiz dafür, dass der
Spracherwerb nicht ausschließlich behavioristisch erworben wird, ist die
Fähigkeit kleiner Kinder, Sätze, die sich noch nie in ihrem Umfeld gehört
haben, hervorbringen.
Wolfgang Gehring merkt ebenfalls an,
dass durch reines Imitationsverhalten, auch ein fehlerhafter Sprachgebrauch
entwickelt würde, da Kinder nur eingeschränkt einer einwandfreien und
wohlgeformten Sprache in ihrem Umfeld begegnen
2.2 Nativismus
Im Nativismus wird die Geschwindigkeit
des Spracherwerbs mit einem angeborenen Sprachorgan erklärt. Eine biologische
Grundausstattung über die allein der Mensch verfügt. Dieses Sprachorgan
befähigt in den ersten Lebensjahren zur unbewussten Aneignung von Sprache. In
der linken Hemisphäre befindet sich das für die Sprachproduktion, sowie auch
das Sprachverstehen verantwortliche Zentrum. Dieses Zentrum nennt man das
Broca-Zentrum.
Bezüglich des Spracherwerbs wird im
Nativismus angenommen, dass die Spracherwerbsfähigkeit getrennt von der
allgemeinen Entwicklung verläuft.
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