Postindustrielle
Gesellschaft
1973 publizierte Daniel Bell, der sich vor allem einen Namen
als amerikanischer Soziologe und Journalist gemacht hat und u.a. von 1992 –
2000 Präsident der Tocqueville Gesellschaft war, das Buch „The Coming of
Post-Industrial Society: A Venture in Social Forecasting“. Die Deutschen
Ausgabe erschien 1975 unter dem Titel „Die nachindustrielle Gesellschaft“
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Einwurf: Tocqueville-Gesellschaft
- Gegründet 1977 mit dem Ziel, die intellektuelle
Zusammenarbeit und gegenseitige Beobachtung zw. Europäern und Amerikanern
zu stimulieren
- Die Hauptaktivitäten der Gesellschaft bestehen darin,
internationale Kolloquien zu organisieren und eine Zeitschrift
(Tocqueville Review) zu veröffentlichen.
- 2001 wurde im Zuge des Kolloquiums in der Universität von
Charolottes Ville ein Betrag von Bell veröffentlicht
Die Schirmherrschaft von Alexis de Tocqueville ist aus drei
Hauptgründen gewählt worden:
- er symbolisiert die traditionellen intellektuellen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich
- er war ein Pionier der gegenseitigen komparativen
Beobachtung zwischen den zwei Rändern des Atlantiks
- er verkörpert die Werte politischen und intellektuellen
Liberalismus, deren Mitglieder der Gesellschaft sich fordern
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Die heraufziehende Gesellschaftsordnung sei nicht mehr durch
die industrielle Produktion von Gütern bestimmt, sondern vielmehr durch die
zentrale Bedeutung von Wissen (Wissenschaftlicher Fortschritt, neuen
Technologien, Bildungsexpansionen ) und Dienstleistungen was für Bell die zwei
wichtigsten Merkmale der nachindustriellen Gesellschaft sind.
Die
Theorie unterstellt eine systematische und für alle Volkswirtschaften geltende
Entwicklungsdynamik von der Agrar- zur Industrie- und schließlich zur
Dienstleistungsgesellschaft. Sie führt von einem Schwerpunkt im Primären Sektor
über den Sekundären Sektor zur Dominanz des Tertiären Sektors.
Bell nahm für seine These die Struktur der Erwerbstätigen
zum Anlass, die Struktur und Gestalt der sich abzeichnenden neuen Gesellschaft
näher zu kennzeichnen. In einer Stufentheorie unterteilt er Gesellschaften
historisch nach der sie bestimmenden technisch-ökonomischen Basis:
1. Die Vorindustriellen Gesellschaften:
·
(organisiert um)Gewinnung von Naturprodukten durch Einsatz
menschlicher Arbeitskraft
·
(Schwerpunkt des )Wirtschaftliche Sektor ist auf „extraktive
Industrien“ wie Landwirtschaft, Bergbau, Fischerei bestimmt
·
Wichtigste Berufsgruppen zählt der Bauer, der Bergmann, die
Fischer und der ungelernte Arbeiter
·
Grundlage der Industrien sind Rohstoffe
·
Methoden der vorindustriellen Gesellschaft beruhen auf Erfahrung
·
Regionen: Asien, Afrika, Lateinamerika
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·
(organisiert um)Güterherstellung durch Maschinen
·
(Schwerpunkt des )Wirtschaftliche Sektor umfasst vor allem
Verarbeitung und Fertigproduktion
·
Wichtigste Berufsgruppen gelten der angelernte Arbeiter und der
Ingenieur
·
Energie liefert Grundlage der Technologien
·
Regionen: Westeuropa, Sowjetunion und Japan
3. Die nachindustriellen Gesellschaften:
·
Entstehen im letzten drittel des 20. Jahrhunderts (Westeuropa,
Sowjetunion, Japan)
·
(organisiert um)Gewinnung und Verwertung von Informationen
(„theoretischem Wissen“)
·
(Schwerpunkt des )Wirtschaftliche Sektor bilden Dienstleistungen
·
Wichtigste Berufsgruppen gelten technisch/akademische Berufe
sowie Wissenschaftler
·
Grundlage bilden Theorie, Modelle, Simulationen,
Entscheidungstheorien und Systemanalyse
·
Regionen: USA als bisher einzige postindustrielle Gesellschaft
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Einschub Lexikon Nachindustrielle Gesellschaft
Wissenschaftlicher technischer Fortschritt, betriebliche
Rationalisierung und ständige Produktivitätssteigerung ermöglichen eine
wachsende Güterproduktion bei gleichzeitig anhaltender Verlagerung von
Arbeitskräften aus dem Produktions- zum Dienstleistungsbereich
Also:
Industrieller Sektor vollzieht eine Schwerpunktverlagerung
von produzierenden Arbeitern zu dienstleistenden Angestellten
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-> Hauptsächlich wird ein Wandel der sozialen Struktur
stattfinden, die sich auf die verschiedenen politischen und kulturellen
Konstellationen unterschiedlich auswirken wird.
Gesellschaft fast Bell in drei unterschiedliche Bereiche: Soziale
Struktur, politische Ordnung und Kultur. Der Wandel in einem Bereich hat
nicht zwangsläufig mit einem Wandel eines anderen Bereiches zu tun.
Gesellschaft lässt sich nach Bell nicht als einziges, geschlossenes Ganzes
analysieren.
Das axiale Prinzip, dem sich alle Institutionen der sozialen
Struktur einer postindustriellen Gesellschaft gruppieren/ausrichten ist nach
Bell das „theoretische Wissen“ (zentrale Bedeutung von Wissen und
Dienstleistungen)
Die größten Veränderungen finden im „techno-ökonomischen“
Bereich (Wirtschaft und Technologie) statt, was sowohl auf die Art der Berufe,
als auch auf das Schichtungssystem der Gesellschaft Auswirkungen hat (Wandel
der sozialen Struktur: Auswirkung auf Wirtschaft, Technologie und
Berufsgliederung, beinhalten Rollenverteilung und Koordinierung der einzelnen
Akteure zur Erreichung bestimmter Ziele)
- D.Bell: nach ablösung von industrie zur postindustriellen
G. verlieren Bereiche der industriellen massenproduktion an Bedeutung und
„theoretisches Wissen“ wird zur ersten produktivkraft
BSPe der Wirtschaft und Technologie für Bell:
Britische Revolution der Eisenbahn:
·
Ende der Isolation und Verbund von Märkten
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Telekommunikation:
·
fasst die Welt in riesige Ökumene (griech. oikoumene
„ganze bewohnte Erde“, „Erdkreis“) zusammen
·
der Verkehr wird mehr und mehr durch Kommunikation ersetzt
·
hat großes Potential in den Bereichen der industriellen
Organisation und Politik
·
für Bell 1973: eine „auf uns zurollende Revolution“
->Also: Postindustrielle Gesellschaften als (globale)
Wissens- /Informationsgesellschaften
Die neuen „intellektuellen Technologien“ sind dadurch
gekennzeichnet, dass sie danach streben, rationales Handel zu definieren und
festzulegen, mit welchen Mitteln es sich realisieren lässt
Ziel rationalen Handels ist es,
die Strategie zu wählen, die zur „besten“ Lösung führt. Das bedeutet, dass das
Endergebnis maximiert und die Verluste möglichst minimiert werden.
Neue technische Entwicklungen in den Bereichen des
Transports- und Kommunikations-wesens haben zu einer Aktivierung von Kontakten
und zu einer starken Zunahme der zwischenmenschlichen Beziehungen geführt. Es
sind neue wirtschaftliche und soziale Verflechtungen entstanden, die zu einem
neuen dichteren Netz sozialer Beziehungen geführt haben.
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