Politische Testamente
Friedrichs des II. von Preußen
In seinen politischen Testamenten, in der Übersetzung von
Friedrich von Oppeln-Bronikowski aus dem Jahre 1922, erschienen 1976 in Band
III der „Geschichte in Quellen“, herausgegeben von F. Dickmann, reflektiert der
preußische Monarch, bekannt auch als Friedrich der Große, bzw. der „Alte Fritz“,
kurz vor seinem Tode am 17.08.1786 in Potsdam, die Prinzipien seiner
Herrschaft.
Zu Beginn legt Friedrich gleich den Grundsatz des
Patriotismus fest, wobei er sich jedoch, ganz entgegen der gewohnten Ansichten
der damaligen Monarchen, selbst als Bürger bezeichnet. Ganz klar stellt er
heraus, dass es ihm, mit der Abfassung dieser Schriften, einzig darum geht,
seinem Volke auch nach seinem Tod noch dienen zu können.
Zu diesem Zwecke geht er, unter Anderem, zunächst auf das
Rechtssystem ein, zu welchem er konstatiert, es müsse in seinen Entscheidungen
autonom vom Herrscher sein. Dies aus zweierlei Gründen, von welchen sein
erstgenannter der Aufwand für den Herrscher ist. Nach Friedrich würden
Rechtsgeschäfte zu viel Zeit verschlingen, welche der Herrscher doch besser für
andere Zweige der Regierung aufwenden sollte.
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Jedoch erklärt er aber auch, dass der Herrscher dennoch dazu
angehalten ist, für die korrekte Ausführung der Judikative zu sorgen, indem er
die richtigen Leute zu Beamten bestellt und bei diesen dann auch stets für das
richtige Pflichtverständnis sorgt. Andernfalls mache sich der Herrscher zum
Mitschuldigen an jeglichen, aus Pflichtversäumnis ungesühnten Verbrechen.
Besonderes Augenmerk legt Friedrich auf das preußische
Finanzwesen, welches stets zu pflegen sei. So erinnert er daran, dass Preußen
seit jeher Macht und Hilfe aus seinem eigenen Gewerbefleiß und den daraus
entstehenden Einnahmen bezogen hat. Und eben dieses sei wichtig für das Ansehen
der Regierung. Hierzu sei erklärt, dass Finanzmittel vonnöten sind, um eine
stattliche Armee zu unterhalten, welche wiederum, fast unweigerlich, zu mehr
außenpolitischem Ansehen und daraus resultierendem Frieden führt, da kein
Nachbarstaat einen Krieg riskieren möchte.
Im Zuge dessen schärft Friedrich dem Leser ein, dass es zu
verhindern sei, dass das Bürgertum sich adlige Güter aneigne. Denn so sehr er
auch den Fleiß und den Geschäftseifer der Bürgerschaft schätzt, so sehr
fürchtet er die Senkung des Patriotismus zugunsten der Profitmehrung. Dieser
Gefahr ist, seiner Meinung nach, entgegen zu wirken, indem man die
Territorialherrschaft des Adels gesetzlich schützt.
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Letztlich berichtet Friedrich davon, dass er den Städten in
den angestammten preußischen Provinzen größtmögliche Autonomie bei der Wahl
ihrer Administration ließ, lediglich dann eingriff, wenn das Allgemeinwohl gefährdet
war.
Und er besteht auf die Erhaltung des Gleichgewichts der
Schichten in Form von herrschendem Adel, bzw. Bürgerschaft, und den Bauern.
Dazu verbietet er, dass die eine Schicht Güter der anderen aufkauft. Es ist
folglich den Bauern verboten Güter von Edelleuten zu erwerben, wie es auch den
Edelleuten verboten ist, sich freie Bauernhöfe in die eigenen Ländereien
einzuverleiben.
Kernaussagen
Die Kernaussagen dieses Auszugs aus den politischen Testamenten des Alten Fritz
finden sich größtenteils in der heutigen deutschen Politik wieder.
Da wäre zunächst die Autonomie der Judikative. Friedrichs
Ansätze zeigten schon überdeutlich auf die heute etablierte
Drei-Gewalten-Teilung hin, da zwar noch immer der Monarch Legislative und
Exekutive auf sich vereinigte, jedoch die Judikative anderen übertrug und sich
ihr auch selbst unterordnete.
Die Basisaussage der Finanzpolitik Friedrichs des Großen
spiegelt sich ebenfalls bis heute im deutschen Finanzwesen wider, welche stets
darauf bedacht ist, den Staatshaushalt zu konsolidieren und das außenpolitische
Ansehen durch den Wohlstand aller Schichten zu erreichen, statt z.
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Friedrichs Äußerungen zum Adel sind sicherlich in dieser
Form überholt, da Deutschland sich von Monarchen frei gesprochen hat, die
Intention jedoch, die Friedrich hatte, ist erhalten geblieben. Denn der Schutz
der adligen Territorialherrschaft ist nichts Anderes als die Wurzel der
politischen Gebietskörperschaften, welche sich heute in den Bundesländern zeigt
und allen Einwohnern eben jener gleichsam dienen soll, anstatt dass sich einige
Wenige auf Kosten der Anderen bereichern.
Ebenfalls zum Thema Gebietskörperschaften gehört sicherlich
die Freiheit, welche Friedrich den Städten bei der Administrationswahl
einräumte. Er beschränkte diese natürlich auf die alten preußischen Provinzen,
da er sich bei diesen ihrer Loyalität sicher sein konnte, folglich nicht Gefahr
lief, dass der gewählte Magistrat gegen die preußische Obrigkeit mobil machen
würde.
Gleichwohl zeigt sich in diesem Prinzip die erste echte
Demokratie auf deutschem Boden, da der Gewählte das Vertrauen des Volkes genoss,
welches ihn gewählt hatte. Und selbst die, welche ihn nicht gewählt hatten,
folgten dem Mehrheitsentscheid, was zum inneren Frieden beitrug.
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er damit aber auch, dass nicht die adligen, finanziell eher unproduktiven Güter
über die Maßen wuchsen. Somit blieb das Finanzwesen gestützt.
Summa sumarum kann man sicher sagen, dass Friedrich der
Große in vielerlei Hinsicht ein revolutionärer Herrscher war, sowohl politisch,
als auch militärisch, welcher es meisterhaft verstand, sein Volk hinter sich zu
bringen und Preußen als fünfte europäische Großmacht zu etablieren.
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