Mit neuen Musiken in kirchlich- religiösen Kontexten finden die
Menschen neue Formen, Religiosität zum Ausdruck zu bringen, größere Spielräume
erzeugen sich für die symbiotischen Erfahrungen in Form der Einheit von
religiöser und musikalischer Erfahrung. Zumindest ist es eine Konvergenz; hier
zeigt sich die paradigmatische Transformationskraft von Musik in der Änderung
des Außen-Innerverhältnisses von Kirche und Gesellschaft. Das Eintreten und die
Aufnahme von neuen Musiken und Musikstilen in die Liturgien bzw. Messen
ermöglicht es den Menschen, innerkirchlich und innerreligiös mit der Art von
Musik zu sein, mit der Menschen in außerkirchlichen Bereichen bestens vertraut
sind. Grenzen oder Begrenzungen zwischen innerkirchlichen und innerreligiösen
Bereichen einerseits und außerkirchlichen bzw. außerreligiösen Bereichen
andererseits sind im Fließen begriffen.
Was
bedeutet dies - philosophisch gefragt? Hier ist Neues im Werden. Es ist die
Suche nach Wissensgrundlagen des Glaubens und nach Glaubensgrundlagen des
Wissens.
Dies bedeutet allerdings nicht etwa Kontrast, Konflikt oder
Problemlosigkeit von Lebensverfasstheiten. Neu aber ist: die neuen Musikformen
als integral-konstitutiver Bestandteil der katholischen Liturgie bzw. der
Messen erleichtern und vertiefen alle Formen von Partizipation. Andererseits
führt dies auch zu weiteren Dezentralisationen und Verselbständigungen mit
größeren Herausforderungen für die Identitätsfindung.
This paragraph has been concealed! Download the complete document for free! • Click on download to get complete and readable text • This is a free of charge document sharing network • First upload your own document, and you get a word document per email • No registration necessary, gratis Swap homeworks and notes at no charge! Gratis scripts for students and pupils! Die sich konstituierenden Freiheitsgrade steigen an, die
Grundlagen für freie Entscheidungen werden expliziter, und vor allem werden die
Entscheidungen bewusster, oder anders ausgedrückt: Musik koppelt sich stärker
mit den Lebensverfasstheiten. Damit aber machen sich die Menschen für sich
selbst und für andere verständlicher.
Hierin liegt eine der zentralen Quellen
für Toleranz. Gibt es vor dem Hintergrund der Kulturentwicklung gesehen die
wahre Musik für die Religiosität bzw. Kirche? Die Antwort zeigt immer
deutlicher in die folgende Richtung: Die immer stärker musikalisch
konstituierte Kultur generiert Vielfalt und Tiefe als dynamische Einheit des
Selbsterzeugungsprozesses und des Selbstfindungsprozesses. Dieses Geschehen
reduziert tendenziell hierarchische Normierungen des Lebens. Musik als
inhärenter Bestandteil der Kultur ist dafür maßgebend. Musik enthält keine
Normierungen oder Wertungen.
Auf dem Weg zu einer musikalischen
Anthropologie
Seit
der Neuzeit steigt die Wertigkeit von Musik in Kultur und Gesellschaft
erheblich an, aber in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer
entscheidenden Wendung in der Stellung der Musik in existentieller wie in kultureller
Hinsicht, weil die 4-fache Funktionalität von Musik wissenschaftlich
ausgewiesen werden kann: Musik in Verflechtung mit Emotionsdynamik,
Kognitionsdynamik, Sozialisationsdynamik, und mit Physio-/Neurodynamik.
This paragraph has been concealed! Download the complete document for free! • Click on download to get complete and readable text • This is a free of charge document sharing network • First upload your own document, and you get a word document per email • No registration necessary, gratis Swap homeworks and notes at no charge! Gratis scripts for students and pupils! Musik wird hier als etwas erkannt, das eine zentrale Voraussetzung für
z.B. das Erlernen einer Sprache ist. Dies deutet in vertiefter Weise darauf
hin, dass der Mensch nicht bloß Musik hat, sondern in einem differenzierten
Sinn Musik ist. Es ist die Interdependenzstruktur von Emotion, Kognition und
Sozialisation. Nun lässt sich die klassische Frage verschärfen: Was ist der
Mensch?
Musik zu
verstehen ist offensichtlich eine wichtige Voraussetzung dafür, den Menschen
verstehen zu können. Eine auf stark musikalisch-musikästhetischer Basis
aufzubauende Anthropologie wird, dies zeichnet sich schon gegenwärtig ab, ein
Menschenbild konstituieren, in dessen Zentrum das Schöpferische als Wesenzug
des Menschen schlechthin ausdifferenziert werden wird. Dazu kann man aus
gegenwärtiger Erkenntnissicht wohl folgendes sagen: Der Mensch als mental-neuronales
Resonanzgefüge hat weder allein kausale noch allein chaotische
Struktureigenschaften, sondern statistisch-kausale Eigenschaften, die Ausnahmen
erlauben. Die mental-neuronalen Resonanzsysteme werden von randomizers
(Zufallsgeneratoren) unterbrochen, wodurch Generierung bzw.
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für ein evolutionär-dynamisches Menschenbild, gestützt auf unser besseres
Verständnis von Musik.
Der
Mensch als musikalisches Wesen ist in diesem Sinne immer kreativ, unabhängig
davon, ob er die Rolle des Schöpfers oder Hörers von Musik einnimmt. Der Musik
wird Bedeutung in Form von Sinn entnommen und Sinngehalt gegeben. Es ist dies
der Kern der dynamischen Ästhetisierung des Menschen und seiner Kultur, und hierin
liegt die Quelle der Transkulturalität von Musik. Dieser Aspekt skizziert
zugleich den Humangehalt von Musik – insofern verschiedene Musikformen wie
Oper, Symphonie und Jazz immer Empfindungsräume repräsentieren, die immer auch
zugleich Suchräume sind, was zeitweise zu Harmonie mit sich und der Welt führen
kann. Aber Musik erzeugt auch Ungleichgewicht, enthält Dissonanzen und hält
auf diese Weise den Menschen in Bewegung, bis sich wieder Gleichgewicht oder
Harmonie auf einer anderen möglichen Kulturebene einstellt. Dieser Prozess ist
eine Form dynamischer Ästhetisierung, in der Musik nicht primär als ein die
Natur oder die Gesellschaft widerspiegelndes Phänomen verstanden wird, sondern
als evolutives, kulturerzeugendes Geschehen.
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mental-neuronale Resonanzsystem Mensch steht gewissermaßen als objektive
Grundlage in der Welt für die Hervorbringung von Subjektivität. So kann sich
ein Subjekt z.B. neben der objektiven Zeit subjektive Zeit generieren,
existentielles Zeitbewusstsein erschaffen, je nach seinen Lebensverfasstheiten,
wenn auch innerhalb gewisser Begrenzungen. Die Subjektivität, die ebenso aus
dem mental-neuronalen Resonanzsystem evoltieren kann, kann so z.B. Zeit
langsamer oder schneller fließen lassen, um sich leichter verstehend in
Zusammenhängen bewegen zu können.
Musik
übermittelt keine spezifische Botschaft, wie etwa, dass ich ein neues Auto
haben möchte, aber Musik sendet eine viel wichtigere Botschaft, nämlich die,
dass wir zur Emotionalität in einer rationalen und rationellen Welt fähig sind.
Vor allem der defragmentierende Charakter von Musik lässt eine Vermutung
vertiefen: der Mensch, als schöpferisches Wesen konzeptualisiert, könnte
bedeuten, dass die tiefsten (ersten) Schöpfungen des Menschen
defragmentierenden Charakter tragen und dass die Fragmentierung, d.h. die
kategoriale Filterung, jeweils später im Verbande von soziokulturellen
Netzwerken erfolgt.
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