Analyse zur Kurzgeschichte San Salvador von Peter Bichsel
In der Kurzgeschichte San Salvador von Peter Bichsel, dass
im Jahre 1964 entstanden ist, wird von einem Abend eines langjährig
verheirateten Mannes, namens Paul, berichtet, der Beziehungsprobleme hat.
Der Abend umfasst die Zeitspanne von ca.19:00 21.30 Uhr.
Pauls Frau Hildegard ist wie jeden Mittwoch bei der Chorprobe während er zu
Hause bei den schlafenden Kindern bleibt. Er vertreibt sich seine Zeit und die
Langweile bis seine Frau wieder nach Hause kommt, indem er seinen neuen
Füllfederhalter ausprobiert. Er überlegt, wie seine Frau reagieren würde, wenn
er von zu Hause weggehen und nach Südamerika ziehen würde. Paul kennt seine
Frau so gut, dass er ihr Verhalten genau vorhersagen kann.
Die Kurzgeschichte beginnt mit der Information, dass sich
die Hauptperson einen neuen Füller gekauft hat. Durch den parataktischen
Satzbau wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf den neuen Füller gelenkt und
entsprechend beschreibt der Autor in dem darauf folgenden Satz, wie Paul diesen
Füller ausprobiert.
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Der nächste Satz beginnt mit dem Wort später als einem
Hinweis darauf, dass einige zeit verstrichen ist, bevor Paul wieder beginnt,
sich mit verschiedenen Handlungen, wie dem Lesen von Kinoinseraten oder dem
Wegräumen des Aschenbechers zu beschäftigen.
Er liest zwar die Kinoinserate, doch zeigen die Handlungen,
die darauf folgen, dass er nicht daran interessiert ist aus seiner Langeweile
auszubrechen und das Kino zu besuchen.
Und so schließt der Handlungsablauf mit der kurzen
Feststellung, dass es für die Kinovorstellung jetzt zu spät sei. Erst jetzt
erfährt der Leser, dass Paul auf seine Frau wartet, die bei der Probe ihres
Kirchenchors ist.
Hier wird die Aufmerksamkeit auf Paul und seine Frau
Hildegard gelenkt: Die Probe des Kirchenchors dauert bis neun Uhr, um halb
zehn würde Hildegard zurück sein. Er wartete auf Hildegard.(Z. 22-25)
Nun wird der Blick auf den Brief gelenkt, den Paul zuvor
geschrieben hat. Es liegt auf dem Tisch und durch das Anapher: [...] mitten
auf dem Tisch [...] (Z. 26), wird es deutlich, dass der Brief von besonderer
Bedeutung sein muss.
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den Löwen an, der aber mittwochs geschlossen ist.
Auch wenn es nicht konkret gesagt wird, so stellt es sich
doch heraus, dass der Löwen sich um eine Kneipe handelt. Dass Hildegard
sofort dort anrufen würde macht merklich, dass Paul sich dort sehr oft aufhält,
es sei denn die Kneipe ist geschlossen, was immer mittwochs der Fall ist.
Ausgerechnet an diesem Tag hat Hildegard Chorprobe und an dieser Stelle wird
deutlich, dass die Eheleute sehr wenig Zeit gemeinsam zu Hause verbringen.
Die Worte Mir ist es zu kalt bekommen eine ganz andere
Bedeutung.
Es bezieht sich vielmehr auf die Ehe von Paul und Hildegard
und macht die Kälte dar, die zwischen den Ehepartnern herrscht. Der Brief
signalisiert, dass Paul den Wunsch nach Wärme verspürt, daher die Worte: Ich
gehe nach Südamerika. (Z. 7)
Der danach folgende Satz verstärkt diesen Eindruck: Sie
würde lächeln und verzweifeln und sich damit abfinden, vielleicht.(Z. 39) Das
Wort vielleicht steht erst am Ende und zeigt, dass Paul sich nicht mehr
sicher ist, ob sie Probleme hätte, sich mit seinem Weggang abzufinden und
wirklich verzweifeln würde.
Gleichzeit zeigt es auch, dass Paul sich erhofft, dass
Hildegard sein Weggehen nicht egal wäre.
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Anschließend kommt wieder eine Wende in der Handlung und die
Worte: Dann saß er da, überlegte, wem er einen Brief schreiben könnte [...].
(Z. 45) führen weg von seinen Gedanken an seine Frau.
In seiner Langeweile liest er sogar die Gebrauchsanweisung
für seinen Füller auf französisch und englisch, sein Blick fällt erneut auf den
Zettel, wieder denkt er an seine Frau. Es folgt eine allein stehende Ellipse
Saß da. (Z. 52), der die Untätigkeit von Paul betont und dem Leser zeigt,
dass er zwar überlegt, wie es wäre wegzugehen, sich aber nicht dazu
durchdringen kann, auch wirklich aktiv zu werden und an seiner derzeitigen
Situation und an der Ehe mit Hildegard etwas zu ändern. Ebenso wie Paul
festsitzt, sitzt auch seine Ehe mit Hildegard fest.
Als Hildegard heimkommt fragt sie als erstes, ob die Kinder
schlafen. Dies ist das einzige Mal, dass wörtliche Rede gebraucht wird.
Die sofortige Frage Hildegards nach den Kindern zeigt, wie
gering ihr Interesse an ihrem Ehemann ist. Die Kurzgeschichte endet mit dem
Satz: Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht.
(Z. 55), einer Geste, die Paul zuvor bei seinen
Überlegungen, wie Hildegard reagieren würde bereits genau beschrieben hat.
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Es ist also am Leser sich Gedanken über den weiteren Verlauf
zu machen.
Die Kurzgeschichte ist eine personale Erzählung, d.h der
Erzähler tritt nicht selbst auf wie bei der Ich-Erzählform; er zieht sich
zurück ohne ganz zu verschwinden.
Ausgehend von der Überschrift mit der Bedeutung
Erlöser/Erretter ergibt sich als vorläufiges Textverständnis, dass Paul in
einer Art Erlösungs- und Fluchtvision sich darüber Gedanken macht, aus einer
erkalteten Beziehung und einem eintönig empfundenen Leben zu fliehen.
Der Text ist in der Umgangssprache geschrieben und bis auf
die Frage Hildegards am Ende besteht er ausschließlich nur aus Aussagesätze.
Der Raum in dem Paul sich aufhält, scheint die Küche zu
sein. Allerdings wird kaum beschrieben und es finden sich nur wenige Hinweise
zur Gestaltung des Raumes.
So konzentriert sich das ganze Geschehen nur auf Paul und
verdichtet sich auf die Wartezeit, die er bis zur Heimkehr von Hildegard
verbringt.
Die besondere Bedeutung, die dieser Abend für Paul hat, wird
dadurch besonders klar und deutlich, denn zum ersten Mal fällt ihm auf, wie
kalt es in seiner Ehe zu Hildegard ist, wie eingefahren und alltäglich die
Beziehung inzwischen ist.
Stellungnahme:
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