NT: PASSIONSGESCHICHTEN
NACHSPIEL
Das Kreuz begegnet uns überall. Auf Friedhöfen sind die
Gräber mit verschiedenen Kreuzen gestaltet. Kreuze findet man an bestimmten
Plätzen in Wohnungen oder man trägt sie als Schmuck um den Hals. In manchen
Gegenden gibt es Kreuzprozessionen, bei denen ein Mensch ein Kreuz durch die
Straßen trägt.
Ist das alles ein frommes Spiel, symbolische Mahnung oder
Brauchtum, Gewohnheit, Aberglaube?
Orthodoxe und katholische Christen bezeichnen sich selbst
mit dem Zeichen des Kreuzes. Dem Zeichen des Kreuzes sind früher viele als
Kreuzritter in den Kampf gegen muslimische Truppen gefolgt.
1187 trug der Bischof von Bethlehem jenes Stück Holz, das
als echtes Kreuz Jesu verehrt wurde, in die Schlacht von Hattin. Das
christliche Heer ging blutig zugrunde und die Kreuzreliquie ist seitdem
verschwunden.
DER PROZESS
Warum wurde Jesus überhaupt verhaftet und verurteilt?
Einige sagen, Jesus sei ein Gesetzesbrecher gewesen. Da er
den Sabbat nicht richtig eingehalten und die Tora kritisiert habe, habe er
wachsende Feindschaft erlebt.
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Zur Zeit, in der die Evangelien entstanden, standen sich
Juden und Christen feindlich gegenüber. Je später ein Evangelium entstand, umso
mehr beschuldigte es die Juden als Feinde Jesu. Der Prozess Jesu hat oft dazu
herhalten müssen, Juden den Prozess zu machen.
Obwohl die Pharisäer oft als kritische Gesprächspartner Jesu
erwähnt werden, waren sie anscheinend am Prozess Jesu nicht beteiligt. Den
Sadduzäern dagegen (= Tempelpriesterschaft und Hohepriester) wurde der
verhaftete Jesus offensichtlich vorgeführt. Zweifelhaft ist, ob der Hohe Rat (Synedrium)
ein Gerichtsverfahren nach jüdischer Ordnung gegen Jesus durchgeführt hat.
Das Synedrium war das oberste jüdische Gericht (71
Mitglieder). 23 Richter mussten anwesend sein, um ein Todesurteil zu fällen und
dies stand dem jüdischen Gericht nur in religiösen Dingen zu. Außerdem brauchte
man die Bestätigung der Römer dazu.
Jakobus und einige andere wurden 62 n. Chr. Der
Gesetzesübertretung angeklagt und daraufhin gesteinigt. Wenn in jüdischer Sicht
ein triftiger religiöser Grund vorgelegen hätte, wäre eine Steinigung auch
gegen Jesus denkbar gewesen.
Fraglich ist, ob es überhaupt einen regulären jüdischen
Prozess gegen Jesus gab, denn:
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Vielleicht hat Jesus gar nicht vor dem Synedrium gestanden,
sondern vor einem Tempelgremium. Auf jeden Fall war es ein politischer und
nicht ein religiöser Prozess. Seine Auslieferung an den Prokurator Pontius und
dessen Urteilsspruch stehen außer Zweifel.
DAS URTEIL DES PILATUS
Im Jahr 26 schickte Kaiser Tiberius den Römer Pontius
Pilatus nach Judäa. Er war nachtragend, grausam und bemühte sich nicht um ein
friedliches Verhältnis zu den Juden. Zum Beispiel ließ er Kaiserbildnisse in
die Stadt bringen, womit er ein Gesetz schwer verhöhnte, welches den Juden
verbot, irgendein Bildnis in der Stadt aufzustellen. Nach 10jähriger Dienstzeit
wurde Pilatus aufgrund vieler Beschwerden abgesetzt.
An der Nordwestecke des damalige Jerusalem sicherte eine
starke Befestigung den Königspalast. Dort residierten die römischen
Statthalter, wenn sie nach Jerusalem kamen. Ihr Richterstuhl stand vor dem
Gebäude auf einem Platz, der für jeden zugänglich war. Dieser wurde der obere
Markt genannt, weil er mit Steinplatten belegt war, im Griechischen wurde er
auch lithostrotos, Steinpflaster, genannt.
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das Verhör Jesu und die Begnadigung des Barrabas hätten in verschiedenen Jahren
stattgefunden. Nachträglich haben Christen oft überlegt, warum ein echter
Rebell frei gehen durfte, während Jesus ans Kreuz musste. Daher sei die
Kombination der Szenen entstanden.
Pilatus hatte beide Urteile allein zu vertreten, doch mit
jedem Evangelium wird versucht, ihn mehr zu entlasten.
- Schon bei Markus wird Pilatus von den Hohenpriestern und
der Volksmenge zu einem Urteil gegen Jesus gedrängt.
- Bei Matthäus wäscht sich Pilatus seine Hände rein in
Wasser und erklärt damit, dass er unschuldig ist. Er schiebt die schuld
auf die Umstehenden.
- Bei Lukas erklärt Pilatus, dass er Jesus verhört hat, ihn
aber für unschuldig befindet. Daher will er ihn nur auspeitschen lassen.
- Bei Johannes wird das verhör in 7 Szenen gegliedert, jedes
Mal wechselt der Ort der Handlung. 4 Szenen spielen vor dem Palast, 3
innerhalb. Pilatus versucht den Fall von sich zu schieben, da er keinen
Grund findet, ihn schuldig zu sprechen. Er will Jesus dem Volk übergeben.
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Unklar ist, wer die Anklage Jesu vor Pilatus betrieb.
Denkbar ist die Beteiligung sadduzäischer Kreise.
Als Strafgrund bündelte Pilatus die Anklage unter dem Titel
König der Juden; ihm ging es nicht um Religion, sondern um Politik.
DIE KREUZIGUNG
Der zum Kreuzestod Verurteilte wurde gewöhnlich zuerst
gegeißelt. Danach lud man Jesus den Querbalken des Kreuzes auf. Der aufrecht
stehende Pfahl war bereits am Hinrichtungsort aufgestellt. Jesus musste durch
enge, belebte Gassen gehen, damit möglichst viele Menschen abgeschreckt werden.
Am Hügel Golgota, der nahe der Stadt lag, wurde Jesus
entkleidet. Nach römischen Brauch wurde man nackt gekreuzigt; das Lendentuch
der späteren Bilder ist eine Gabe des christlichen Würdegefühls.
Die Arme Jesu wurden auf das Querholz gepresst und die Nägel
durch den Unterarm (nicht durch die Handflächen!) getrieben. Dann zogen die
Schengen den Querbalken am Stamm hoch. Gewöhnlich entstand nicht die bekannte
Kreuzesform, sondern ein T- förmiger Galgen. Ein Sitzpflock sollte die Last des
hängenden Körpers mindern- und zugleich den Todeskampf verlängern.
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