OTFRID VON WEISSENBURG
Otfrid von Weißenburg lebte ca. 800 – 870. Er ist der erste
namentlich bekannte althochdeutsche Dichter.
Otfrid war eine bedeutende Persönlichkeit im ostfränkischen
Reich des spätkarolingischen Herrschers Ludwig des Deutschen. Er war
Benediktinermönch und Gelehrter und war schon in jungen Jahren als puer
oblatus dem Kloster Weißenburg übergeben worden. Er besuchte eine Schule in
Konstanz und absolvierte um das Jahr 830 einen Studienaufenthalt im Kloster
Fulda bei Rabanus Maurus, dem großen fränkischen Gelehrten und Fuldaer Abt.
Das
Kloster Fulda war damals ein Mittelpunkt für das religiöse und geistliche Leben
der Karolingerzeit.
Otfrid von Weißenburg war ein im geistlichen Schrifttum
umfassend gebildeter und in der weltlichen Literatur hervorragend geschulter
Mann, ein Philosoph, Rhetoriker und Dichter von Rang und ein Meister der
Sprache. Im Kloster in Weißenburg war er außerdem „magister“ (Klosterlehrer).
Er schrieb in Versen und in Prosa viele bedeutende Werke, durch die sein Name
bei der Nachwelt weiterlebt.
Unter anderem schrieb er ein dreibändiges Werk über die
Psalmen, Vermischte Gedichte und Briefe an verschiedene Adressaten.
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Nach dem Vorbild Kaiser Karls des Großen versuchte er, die
noch ungeformte und nicht literaturfähige deutsche Sprache in ein System
grammatischer Regeln zu bringen, was ihm bis zu einem gewissen Grade auch
gelang. Daher ist das, was er in der Muttersprache schrieb heutzutage auch für
einen noch so guten Kenner des Deutschen nicht ganz leicht zu lesen und zu
verstehen.
Aus der Feder Otfrids stammt ein althochdeutsches Bibelepos,
der Liber evangeliorum (zw. 865 und 868), welches Luitbert, dem achten
Erzbischof der Mainzer Kirche, gewidmet ist. Auf Bitten einiger seiner Brüder
und besonders einer ehrwürdigen Frau Judith schrieb er das Werk. Es wurde im
südrheinfränkischen Dialekt geschrieben, ist gegliedert in fünf Bücher und 140
Kapitel mit insgesamt 7104 Langzeilen.
Er selbst bezeichnet den Bibelepos als „Liber evangeliorum
domini gratia Theotisce conscriptus“.
Aufbau:
1.Deutsche Widmung an König Ludwig
2.Lateinische Prosaepistel an Bischof Luitbert
3.Deutsche Widmung an Bischof Salomon
5 Bücher:
- Geburt Christi bis Taufe
- Berufung der Jünger, Beginn der Lehrtätigkeit
- Wunder, Gleichnisse
- Passion
- Auferstehung, Jüngstes Gericht
4.Deutsche Widmung an die St. Galler Brüder Hartmut und
Werinberg
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In seiner Evangelienharmonie berichtet Otfried in erster
Linie über seine Schwierigkeiten beim Übersetzen. Unter anderem musste er
einige Buchstaben erfinden, da die fränkische Sprache vor allem eine
gesprochene und keine geschriebene Sprache war. Deshalb existierten viele Laute
als lateinische Buchstaben nicht. Ein weiteres Problem war, dass die fränkische
Sprache als „Bauernsprache“ galt, Latein im Gegensatz dazu als „linguae sacrae“
(= heilige Sprache). Trotzdem stellte Otfrid fest, dass auch das Fränkische in
seiner Schlichtheit eine schöne Sprache war, jedoch noch Regeln brauchte, die
Otfrid aus dem Latein übernahm. So stellte er in der deutschen Sprache
orthografische und grammatikalische Regeln auf und befolgte in seiner
Verstechnik metrische und rhythmische Gesetze.
Möglicherweise ist das Exemplar, das heute in der
Heidelberger Universitätsbibliothek aufbewahrt wird, jene Handschrift des Liber
evangeliorum, die sich ursprünglich im Kloster St. Gallen befand. Ein beleg
dafür ist die Tatsache, dass über einigen Versen Neumen notiert wurden. Es
handelt sich dabei um die nach diesem Kloster benannten Zeichen, die die St.
Gallener Schreiber auch zum Notieren der Melodien in den alten Handschriften
des Gregorianischen Chorals benutzt haben. Man geht deshalb davon aus, dass
Otfrids Dichtung in weiten Teilen gesungen vorgetragen wird.
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GEORGSLIED
Das Georgslied ist eine althochdeutsche Dichtung und ist
gegen Ende des 9. Jahrhunderts entstanden.
Es wurde wahrscheinlich nicht von Otfrid selbst verfasst,
sondern in späterer Zeit (ca. 11. Jahrhundert) von einem Schreiber mit dem
Namen Wisolf zur Evangelienharmonie hinzugefügt. Das Lied berichtet von der
Bekehrung, der Verurteilung, dem Martyrium und den Wundern des Erzmärtyrers
Georg. Dabei wird die älteste griechische Georgslegende aus dem 5. Jahrhundert
verarbeitet.
Vielleicht ging der Verschriftlichung des Liedes eine
längere mündliche Überlieferung voraus. Möglicherweise existierte aber auch eine
schriftliche Vorlage.
Otfrid ist der eigentliche Begründer der europäischen
Endreimdichtung. Die sprachschöpferische Leistung Otfrids ist nicht zu
unterschätzen.
Im Brief an Mainzer Metropoliten erklärte Otfrid es zu
seinem Ziel, die mündliche heidnische Dichtung seiner Zeit, den Sonus
inutilium rerum, zu verdrängen.
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