Der große Krieg in Feld und Heimat. Erinnerungen und
Betrachtungen
Abi-Aufgaben 2008: Diskutieren sie, ob
nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg eine Meinungsäußerung wie
die Oberst Bauers öffentlich möglich gewesen wäre und auf eine vergleichbare
Resonanz gestoßen wäre. (Textgrundlage: Oberst Bauer im Jahre 1921 über die
Novemberrevolution 1918)
Oberst Bauer stellt in seinem Text Der große Krieg
in Feld und Heimat. Erinnerungen und Betrachtungen von 1921 die Thesen auf,
die Novemberrevolution von 1919 sei schon lange vor dem Ersten Weltkrieg
vorbereitet worden, wobei das Judentum die tragende Rolle gespielt hätte.
Die Schwäche Deutschlands sei die Schuld der
Sozialdemokraten, des Liberalismus sowie der Regierung, die wirtschaftliche und
gesellschaftliche Schwächung des Landes sei einzig Folge der Revolution nicht
des Krieges. Die Freikorps wären die einzige Hoffnung Deutschlands gewesen, sie
seien als Helden anzusehen.
Bauer äußert sich nach der Revolution von 1919 sehr
militaristisch, nationalistisch, antisozialistisch sowie sehr antisemitisch.
Nun kann man sich die Frage stellen, ob eine solche Aussage auch nach Ende des
Zweiten Weltkrieges möglich gewesen und auf eine ähnliche positive Resonanz gestoßen
wäre, wie 25 Jahre zuvor?
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immer noch viele ehemalige Nationalsozialisten in hohen Ämtern.
Eine Äußerung, wie die Bauers wäre nach diesen
Gesichtspunkten durchaus auf positive Resonanz gestoßen. Dafür spricht auch
eine gewisse Wut der Bevölkerung auf die Aliierten, die ebenso wie die
Deutschen im Krieg nicht viel Wert darauf gelegt haben, was sie zerstörten.
Außerdem wurden von vielen ehemaligen Nationalsozialisten der Holocaust sowie
die Kriegsverbrechen geleugnet, damit könnte man eine mögliche positive
Resonanz auf die antisemitischen Äußerungen Bauers erklären.
Diese Punkte treffen jedoch nicht auf die
Gesamtbevölkerung zu, sondern lediglich auf einen kleinen Teil, deshalb kann
man sich eine positive Resonanz auf solch drastische Äußerungen nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges nicht vorstellen.
Es herrschte eine völlig andere Situation als zu
Beginn der Weimarer Republik. Die bedingungslose Kapitulation wurde vom Militär
anerkannt und unterschrieben, nicht, wie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges,
damals wurde die Kapitulation von der Regierung unterschrieben aber keineswegs
von der Bevölkerung anerkannt.
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Diese Meinung wurde 1921 sicher von einigen geteilt,
doch zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin, war eine Niederlage nicht mehr
abzuwenden. Die Alliierten verboten die NSDAP und führten
Entnazifizierungsprogramme durch. Außerdem fand eine Umerziehung des Volkes
statt. Damit waren Äußerungen, wie die Bauers nicht mehr möglich, denn er wäre
als Nationalsozialist vor Gericht gestellt worden, auch durch die
antisemitischen und frauenfeindlichen Äußerungen wäre er als Nationalsozialist
betrachtet worden.
Gerade die antisemitische Rassenideologie war ein
Markenzeichen Hitlers und seiner Partei. Als letztes kann man noch sagen, dass
das Volk eine positivere Einstellung zur Demokratie hatte, das Bewusstsein der
meisten hatte sich verändert, hinzu kamen in der Westzone die Aufbauhilfe der
Amerikaner und in der Ostzone die Bodenreform der Sowjetunion, was die
Einstellung zu den Alliierten verbesserte, aber auch ein Einsehen
hervorbrachte, was die Regierung der letzten Jahre angerichtet hatte.
Alles in allem kann man sagen, dass eine Aussage,
wie die Oberst Bauers nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr möglich gewesen
wäre oder zumindest auf eine sehr negative Resonanz gestoßen wäre.
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