Neuzeit
Renaissance und Humanismus
Im 14. und 15. Jahrhundert verlangten neue Entwicklungen der
Wirtschaft nach neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Man begann, die
aus der Antike überlieferten Quellen neu zu sichten und man schenkte den Ruinen
von Tempeln und Palästen, die oft als Steinbrüche verwendet worden waren,
Beachtung.
Die Stadtrepublik Florenz, ein Zentrum von Handel und
Gewerbe, wurde zum geistigen Zentrum eines neuen Denkens und Lebensgefühls, das
die Bezeichnung „Renaissance“(=Wiedergeburt) erhielt.
Unter Humanismus versteht man vor allem die
Bestrebungen der Wissenschaftler, an die Schriftsteller und Philosophen der
Antike anzuknüpfen, die das Humane (= Veredelung des Menschen durch Bildung)
ihrer Meinung nach bereits erreicht hatten.
Neben Florenz wurden auch Rom und Venedig zu
Zentren der Renaissance. Die Päpste traten dabei als großzügige Förderer der
Kunst und Architektur auf. Gegenüber den Erkenntnissen der Naturwissenschaften
war die Kirche aber zurückhaltend. Sie hielt an dem aus dem Altertum
überlieferten ptolemäischen Weltbild fest, das (wie auch die Bibel) die Erde im
Mittelpunkt des Alls sieht. Nikolaus Kopernikus stellte die Theorie von
der Sonne als Mittelpunkt auf (heliozentrisches Weltbild). Johannes Kepler
vervollkommnte das kopernikanische System durch seine drei „Kepler`schen
Gesetze“. Trotz dieser Erkenntnisse musste Galileo Galilei 1633 sein
Bekenntnis zum Sonnensystem vor der Inquisition widerrufen.
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sah den menschlichen Organismus als chemisches System und führte neben den
Heilpflanzen Mineralien für Heilzwecke ein.
Persönlichkeiten der Renaissance
- William Shakespeare
- Miguel de Cervantes („Don Quijote“)
- Leonardo da Vinci (Universalgenie, „Mona
Lisa“)
- Michaelangelo Buonarroti (Sixtinische
Kapelle)
Entdeckungen und Ausbeutung
1492 entdeckte Christoph Kolumbus, ein Seemann aus
Genua, Amerika. Er wollte Indien auf dem Seeweg nach Westen erreichen. Er
konnte die spanische Königin Isabella für seinen Plan gewinnen. Sie freute sich
so darüber, dass sie Juden und Mauren aus Spanien vertreiben konnte, dass sie
ihn unterstützte, auch wenn sie von seiner Idee nicht überzeugt war. Der „neue“
Erdteil Amerika wurde nach dem Forschungsreisenden Amerigo Vespucci
benannt.
Der Portugiese Magellan umsegelte 1520 die Welt.
Die Portugiesen errichteten Stützpunkte rund um Afrika, in
Ostindien und in Brasilien. Das übrige Süd- und Mittelamerika wurde von den
Spaniern beansprucht, außerdem die Philippinen.
Der spanische Ritter Hernán Cortés eroberte das Reich
der Azteken in Mexiko und zerstörte die auf Inseln in einem See angelegte
Hauptstadt Tenochtitlan.
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Die Eroberer plünderten die neuen Kolonien brutal aus. Das
vorgefundene Gold wurde nach Spanien gebracht und die Indios mussten als
Sklaven in Bergwerken und auf Plantagen arbeiten. Das Land wurde an Weiße
verteilt. Auf den Westindischen Inseln waren die Ureinwohner, die die Strapazen
der Sklaverei nicht ertrugen, bald ausgerottet.
Mit der Entdeckung und Eroberung Amerikas durch die Europäer
begann eine neue Form der Herrschaft von Eroberern über Unterworfene: der Kolonialismus.
Die Europäer fühlten sich den „Wilden“ gegenüber überlegen. Das bestärkte sie
in der Skrupellosigkeit, mit der die Kolonien als billige Rohstoffquellen,
Siedlungsgebiete und Absatzmärkte genutzt wurden.
Reformation
Als in Rom 1506 der Neubau des Petersdoms begonnen wurde,
der viel Geld erforderte, schrieb der Papst einen Ablass aus: Für Spenden
konnten zeitliche Sündenstrafen erlassen werden. Viele Menschen glaubten man
könne sich so den Zutritt zum Himmelreich erkaufen.
Gegen die Auswüchse dieses Ablasshandels wandte sich ein
Theologieprofessor aus Wittenberg, Dr. Martin Luther. Er wurde 1483 in
Eisleben geboren, war Augustinermönch und hatte sich ins Studium der Heiligen
Schrift vertieft. Am 31.Oktober 1517 veröffentlichte er die „95 Thesen“. In
dieser Streitschrift forderte er eine Diskussion über Ablass, Buße, Schuld,
Strafe und Fegefeuer, was im katholischen Europe ein großes Echo hervorrief.
Luther sah in aufrichtiger Reue den einzigen Weg zur Sündenvergebung.
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Luther wurde den Reichstag von Worms (1521) geladen,
verweigerte dort aber den Widerruf seiner Artikel. Nachdem die Reichsacht über
ihn verhängt worden war, versteckte er sich in der Folge auf der Wartburg und
übersetzte das Neue Testament ins Deutsche; dieses Werk trug entscheidend zur
Verbreitung der neuhochdeutschen Umgangssprache bei.
Die neue „evangelische“ Lehre fand rasch Verbreitung. 1530
fasste ein Mitarbeiter Luthers die Grundsätze der Evangelischen in einer
Bekenntnisschrift zusammen, die von den evangelischen Fürsten dem Reichstag zu
Augsburg vorgelegt wurde. Dieses Augsburgische Bekenntnis ist die
Grundlage der lutherischen Kirche.
1555 wurde der Augsburger Religionsfriede
geschlossen, der es den Fürsten freistellte ihre Konfession zu wählen. Die
Untertanen mussten den Glauben ihres Landesherren annehmen oder auswandern („cuius
regio, eius religio“).
In der Schweiz entstand durch das Wirken von Ulrich
Zwingli und Johann Calvin die reformierte Kirche. Das Helvetische
Bekenntnis der reformierten Kirche Zwinglis und Calvins wurde 1648
anerkannt.
In Frankreich wurden die calvinistischen Hugenotten verfolgt
und unterdrückt. Den Gipfel erreichte die Verfolgung 1572 in der Bartholomäusnacht,
in der tausende Protestanten massakriert wurden.
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Bauernaufstände
Die Ursachen für die Bauernaufstände waren verschiedenartig.
Der Adel verlor zunehmend an Glaubwürdigkeit und die Einführung des römischen
Rechts brachte für die Bauern oft Nachteile. Dazu kam die kirchliche Krise. Die
Entstehung der Staatsverwaltung erforderte den Ausbau des Steuersystems.
Im 14. Jahrhundert kam es in England und Flandern zu
Bauernunruhen. Im 15. Jahrhundert wurde Frankreich von den Bauernaufständen
erfasst.
In Mitteleuropa fielen die Bauernunruhen mit den religiösen
Spannungen zusammen. Im Juli 1524 gab es einen Aufstand der sich rasch wie ein
Flächenbrand ausweitete. Er richtete sich vor allem gegen die geistlichen
Besitzungen und verschiedene besonders verhasste Adelige. Einige Ritter
schlossen sich der Sache der Bauern an und wurden ihre Führer (z.B.: Götz von
Berlichingen). Die Forderungen der Bauern wurden in „Zwölf Artikeln“
niedergeschrieben:
- Recht der Gemeinden den eigenen Pfarrer zu wählen
- Beibehaltung des Kornzehnten als Abgabe an den Grundherrn,
aber Abschaffung des Viehzehnten
- Recht auf Jagd und Fischfang in der freien Natur
- keine Auferlegung neuer Dienste und Abgaben
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