Das Motiv des
Frauenpreises wird bei >Nement,
frowe, disen cranz< durch den Körperkatalog dargestellt. Im Lied werden das
Haupt, die Wangen und die Augen des Mädchens charakterisiert. Man müsste
Edelsteine auf ihr Haupt legen, ihre Wangen wurden rot und ihre Augen
verdunkelten sich aufgrund von Scham („ir wangen wurden rôt“ III, 3; „des
erschamten sich ir liehten ougen“ III, 5).
Die Natur im
Minnesang wird durch Stimmungssignale verstärkt. So wird vom Sommer gesprochen,
von den singenden Vögeln, von der Heide, auf der Blumen (Rosen und Lilien)
beieinander stehen, von Bäumen und Gras. Dies sieht man besonders in der IV.
Strophe in Vers 3 bzw. 4 gut: „die bluomen vielen ie von den boumen bî uns
nider an daz gras“.
Im hier
behandelten Minnelied kommen einige Symbole vor:
Ein Symbol für
Jungfernschaft ist der Blumenkranz. „Der Kranz, mit dem die Tanzpartnerin
gewählt wird, füllt sich mit Bedeutung.“
Denn die Blumen für diesen Kranz sind erst noch auf der Heide zu pflücken, was
den Wunsch nach Liebeserfüllung symbolisiert. Die Kranzsymbolik ist für dieses
Lied so bedeutend, dass es sogar als „Kranzlied“ bezeichnet wird. Außerdem
verbindet der Kranz den Anfang des Liedes mit dem Liedende, da der Erzähler zu
Beginn einem schönen Mädchen einen Kranz schenken will und am Schluss wiederum
solch ein Mädchen sucht.
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„Weiß und Rot
kann in der Blumensymbolik der Zeit und Gattung Verschiedenes bedeuten:
Schönheitsmerkmal, Liebessymptom, auch Reinheit und Eros.“
So wurden die Bezeichnung „Rose“ und „Lilie“ nicht ohne Absicht eingeführt.
Die
Wangen des Mädchens werden so rot wie eine Rose. „Die Rose leuchtet, wie sie
nur neben der Lilie leuchtet, Scham setzt Reinheit voraus.“
Eine Metapher
weisen die Begriffe „bluomen brechen“ und das „Fallen der Blüten“ auf. Der
Mann verlangt Hingabe vom Mädchen (bluomen brechen = Metapher für Beischlaf),
welches dieses Angebot ohne zu Zögern annimmt. Das Fallen der Blüten ist eine
Metapher für die Liebeserfüllung der Beiden.
Im Mädchenlied
finden sich auch Vergleiche:
„Einem kinde vil
gelîch, daz êre hât“ soll aussagen, dass das Mädchen sich wie ein Edelfräulein
verhält. „Ir wangen wurden rôt, same diu rôse, dâ si bî der liljen stât“
bedeutet, dass sie gleich einer Rose, die bei der Lilie steht, rote Wangen
bekommt.
Die Einordnung in eine bestimmte
Gattung ist beim behandelten Lied nicht eindeutig. Es wird hauptsächlich als
Mädchenlied bezeichnet, manchmal aber auch als Pastourelle oder als keines von
beiden.
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Es ist auffällig, dass es bis heute
kaum möglich ist, die exakte Reihenfolge der Strophen festzustellen. Daher ist
auch eine Interpretation des Liedes schwierig, da es ja mehrere Möglichkeiten
gibt.
In Walthers Leben werden fünf
Schaffensphasen unterschieden:
1.) Frühphase
2.) Phase
der Breite und Vielfalt der Gestaltung
3.) Walther
– Reinmar – Fehde
4.) Der
Wunsch Walthers nach gegenseitiger Liebe, auch im Bereich des eigentlichen
Minnesangs dominierte die vierte Phase seines Schaffens.
5.) Die
Minnebilanz, die einer Lebensbilanz gleichgestellt werden kann.
Das Minnelied <Nement, frowe,
disen cranz> wird der zweiten Phase Walthers zugeordnet. Es wurde
wahrscheinlich schon vor 1198 geschrieben und entstand zu einer Zeit, in der
Walther sich vielen verschiedenen Gattungen zuwendete. Da im Lied ein einfaches
Bauernmädchen oder eine Hirtin besungen wird, wird es der Niedern Minne
zugeordnet, bei der nicht wie früher bei der Hohen Minne nur adelige Frauen
verehrt werden.
Bedeutend ist bei diesem Lied
Walthers auf jeden Fall, dass in der fünften Strophe aufgedeckt wird, dass die
gesamte vorangegangene Erzählung nur ein Traum war und nicht in der
Wirklichkeit stattgefunden hat. Daher ist der Ich- Erzähler nun unterwegs, auf
der Suche nach einem Mädchen, das zu solch einer harmonischen, erotischen
Vereinigung bereit wäre.
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Vor allem die Symbolik des Kranzes
und des bluomen brechens werden in diesem Lied behandelt und obwohl die
Vereinigung der beiden Liebenden nie explizit angesprochen wird, ist es dem
Leser sofort klar, dass diese vollzogen wurde.
Es ist nicht völlig klar, ob es
sich um ein Mädchenlied oder doch eher um eine Pastourelle handelt, da in
beiden Fällen ein junges unverheiratetes bäuerliches Mädchen besungen werden
kann.
Abschließend möchte ich noch sagen,
dass dieses Lied gerade aufgrund der unterschiedlichen Interpretationen, dem
Fehlen der letzten Strophe in der Handschrift E bzw. der Strophenvertauschung
und der ebenso recht unterschiedlich interpretierten Metrik sehr interessant zu
behandeln w
Bein, Thomas:
Walther von der Vogelweide. Stuttgart: Reclam 1997.
Gerhard Hahn: Walther von der
Vogelweide. Eine Einführung. München, Zürich: Artemis 1986.
(=Artemis-Einführungen.)
Meyer, Hans
Günther: Die Strophenfolge und ihre Gesetzmäßigkeiten im Minnelied Walthers von
der Vogelweide. Ein Beitrag „innerer Form“ hochmittelalterlichen Lyrik.
Königstein: Hain 1981. (= Deutsche Studien. 35.)
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Walther von der
Vogelweide: Epoche – Werk – Wirkung. Hrsg. von Horst Brunner, Gerhard Hahn,
Ulrich Müller, Franz Viktor Spechtler. München: C. H. Beck 1996.
Walther von der
Vogelweide: Werke. Gesamtausgabe. Band 1: Spruchlyrik. Band 2: Liedlyrik.
Mhd/Nhd. Hrsg., übersetzt und kommentiert von G. Schweikle. Stuttgart: Reclam
1994-1998 (= RUB.819.820.)
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