Die Einführung in die
Tristangeschichte
Die Lebensgeschichte von Gottfried von Straßburg ist, was
Tatsachen anbelangt, ein unbeschriebenes Blatt, und sein Werk wirft nur wenig
Licht auf seinen Charakter und seine Persönlichkeit. Zur Datierung der Entstehungzeit
des Tristans gibtes die berühmte Stelle, wo Gottfried seine Erzählungen
unterbricht, und mankann aus dieser Stelle schließen, dass das Epos um das Jahr
1210 geschrieben wurde.
Nach seinem Tod haben andere Dichter seinen Roman beendet:
Urlich von Turheim und Heinrichvon Freiberg. Gottfrieds unvollendeter Roman
folgte dem französischen „Roman de Tristan et Iseut“ des anglo-normannischen
Thomas, der früher um 1170 am englischen Hof enstand.
Thomas hatte das altere
französische Gedichte unvollkomen bearbeitet. Es war ein an Abenteuern reicher,
von dem höfischritterlichen Lebensstill durchgezogener Ehebruchroman, der nun
von Gottfried in das Innerlich-Religiöse gesteigert wurde – freilich in eine
Religiosität, die sich in ihrehr rauschfahten Liebemystik vom asketischen Dogma
un von der Kirche weit entfernt.
Leit und tot
Eine der haupten Themen des Romans ist leit und tot,
zu dem das Leid führt. Das Leid ist ein unabdingbarer Bestandteil
der Welt und des menschlichen Lebens. Keine Freude, kein Erfolg, kein Glück,
kein Dasein ohne Leid und das ist schicksalhaft so gegeben.
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Schmerz der sich in Sehnsucht verzehrenden Liebe sein. Leid kann aus Haß, Neid
oder auch aus Argwohn und Zweifel fließend sein. Es kann die Sorge und Angst um
Leib und Leben, um Ehre und Ansehen sein und das des ausweglosen Konfliktes
zwischen Ehrgebot un der alles bezwingenden minne.
Die ersten Leiderfahrung Tristans ist schon der traurige
Umstand, durch den der Junge tritt in das Leben ein; mit der Namensetymologie
wird die Leidbestimmtheit Tristans und sie wird aus seinen frühen Schicksalen
belegt. Nächstes Leid erlebt er, wenn er schon als Kind mit sieben Jahren in
die Fremde muss. Dann die Tötung des Vaters verlangt Rache und die angetane Verletzung,
die er dadurch bekommt.
Mit dem Minnetrank beginnt die neue Form des Leids. Es ist
das Leid der Liebenden, das sogleich als gemeinsames Leid charakterisiert wird.
Von der Sehnsuchtsqual der unerfüllten Liebe wächst dieses Leid vor allem zu
der Sorge und Angst vor dem Entdeckung. Sorge um ere und leben ist
es, die dieses Leid bestimmt. Auch wenn die Liebenden getrennt werden, wächst
ihres Leid. Die Höhepunkt des Leids ist der Tod der Liebenden und damit reicht
das Leid für Tristan und Isolde über die Grenzen der menschlichen Zumutbarkeit
und führt zum Tod.
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Brangäne, die einige Listen für die Liebenden vorgeplant
hatte, hat auch infolgedessen gelitten. Sie war immer zu Isolde treulich und
deshalb fühlte sie sich schlimm, als sie erlaubt hatte, Tristan und Isolde,
statt Marke und Isolde, den Minnetrank zu trinken. Im Rahmen der Listen hat sie
statt Isolde mit Marke das Bett geteilt, als Marke und Isolde ihre erste
Hochzeitsnacht hatten.
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