Möglichkeiten und
Einschränkungen von Selbsthilfe
Fachhochschule Jena
BA Soziale Arbeit
Hausarbeit 10%
J.
Kohlmeyer
Inhaltsverzeichnis
1.
Einführung
2.
Definition von Selbsthilfe
3.
Möglichkeiten und Einschränkungen von
Selbsthilfe
4.
Literaturverzeichnis
- Einführung
Selbsthilfe gehört in Deutschland zu
einem wachsenden Zweig der sozialen Gesellschaft. Als eine Bewegung zwischen
selbstgeleitetem Engagement und der professionellen Arbeit haben sich Selbsthilfegruppen
und Initiativen verbreitet und können stetig steigende Mitgliederzahlen
verzeichnen.
So ist nach einer Statistik der ISAB
Köln (Stand 06/1996) in der Bundesrepublik Deutschland seit 1985 die Zahl der
Selbsthilfegruppen und Initiativen von 25.000 auf 67.500 (davon 7.500 in den
neuen Bundesländern) im Jahr 1995 angestiegen (vgl. Braun/Kettler 1996, S.126 Abb.
4).
Ebenso die Mitgliederzahlen sind
gestiegen: waren im Jahr 1985 noch 1,1 Mio. Bundesbürger an Selbsthilfegruppen
und Initiativen beteiligt, so hatte sich die Anzahl im Jahr 1995 mit 2,6 Mio.
Mitgliedern, mehr als verdoppelt (vgl. Braun/ Kettler 1996, S.126 Abb. 4).
Betrachtet man also diesen Anstieg der
Selbsthilfebewegungen, stellt sich auch die Frage nach der Berechtigung dieses
Wachstums, sprich den Möglichkeiten aber auch den Einschränkungen der
Selbsthilfe.
Auf diese Thematik wird, nach einer
kurzen Erörterung des dieser Arbeit zugrunde liegenden Verständnisses von
Selbsthilfe, eingegangen.
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- Definition von Selbsthilfe
Das Spektrum der Selbsthilfebewegung ist
sehr breit: so kann Selbsthilfe in unterschiedlichen Formen auftreten und in
fast allen Lebens- bzw. Problembereichen vorgefunden werden. Dieses beeinflusst
das jeweilige Verständnis von Selbsthilfe und macht eine allgemeinverbindliche
Auslegung des Begriffes nicht leicht.
Die
dieser Arbeit zugrunde liegende Definition erklärt Selbsthilfe als eine auf
gesundheitliche, soziale und kulturelle Ziele gerichtete Art von
bürgerschaftlichem Engagement. Sie fasst in sich eine mit unterschiedlichen
Akzenten besetzte Eigen- und Fremdhilfe, ist also zwischen primären Netzwerken
des sozialen Lebens (zum Beispiel Familie, Verwandtschaft) und professionellen Dienstleistungssystemen
angesiedelt. Nach dieser Auffassung gehören zur Selbsthilfe gesundheitliche
Initiativen und Projekte mit 1- 2 festangestellten Mitarbeitern im
Übergangsbereich zu professionellen Dienstleistern und mit überwiegend auf
unbezahltem Engagement basierenden Leistungen. Zur Selbsthilfe zählen somit
nicht: Einrichtungen und Dienste, sowie gesundheitliche Initiativen und
Projekte mit vornehmlich von Festangestellten ausgeführten Leistungen (vgl.
Braun/ Kettler 1996, S. 128 Abb. 6). Diese Erklärung schließt jedoch nicht alle
Seiten der Selbsthilfebewegung mit ein. Um sie differenzierter betrachten zu
können, ist es möglich die Selbsthilfe empirisch in verschiedene Formen einzuteilen
und / oder bestimmten Lebens- bzw. Problembereichen zuzuordnen.
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Gesprächsgruppen, in denen Menschen mit denselben Problemen Kontakte zueinander
aufbauen können und sich durch gegenseitige Beratung helfen. Beispiele hierfür
sind Selbsthilfegruppen psychisch Belasteter oder im Gesundheitsbereich (Krebs,
Diabetes).
Außenorientierte Selbsthilfegruppen
als zweite Form umfasst die Gruppen, deren Mitglieder selbst betroffen sind und
sowohl ihre eigenen als auch die Interessen anderer Betroffener gegenüber
Sozialpolitik und professionellen Helfern vertreten. Desweiteren wollen sie die
Öffentlichkeit über ihre Anliegen informieren und stellen sich auch als
Ansprechpartner für nicht direkt der Gruppe von Betroffenen zugehörigen
Personen zur Verfügung (Elternvereine krebskranker Kinder, Selbsthilfegruppen
Aidskranker).
Die dritte Form, die Selbsthilfe-
Initiativen, bezeichnet Gruppen deren Mitglieder häufig nicht
selbst-betroffene, freiwillige Helfer sind. Sie zeichnen sich durch das soziale
Engagement der Mitglieder aus, die sich vermehrt mit Problemen ihrer Mitbürger
oder sozial-oder gesundheitspolitischen Problemlagen beschäftigen und verstärkt
diese Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten.
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Jugendlicher aufgreifen und mit selbstverwalteten Betrieben Lösungen anstreben (vgl.
Braun/ Kettler 1996, S.129 Abb.7; Chassé 1999, S. 435-436).
Die
Formen der Selbsthilfe sind so vielfältig wie die Problemanlässe, auch wenn sie
in einigen Bereichen besonders stark und mit erfolgreicher Wirkung vertreten
ist, kann man Selbsthilfegruppen inzwischen in fast allen Lebensbereichen
antreffen, so gibt es:
·
Selbsthilfegruppen mit Krankheitsbezug (z.B. Menschen
mit Diabetes, Krebs)
·
Selbsthilfegruppen mit Suchtproblematik (z.B.
Anonyme Alkoholiker, Spielsüchtige, Raucher)
·
Selbsthilfegruppen von Frauen (z.B. Opfer von
Vergewaltigungen, junge Mütter)
·
Psycho-soziale Selbsthilfegruppen (z.B.
Menschen mit Depressionen, Suizidgefährdung, Kontaktschwierigkeiten)
·
Selbsthilfegruppen für Menschen mit Problemen
im sozialen Bereich (z.B. Arbeitslose, Obdachlose, Senioren, Alleinerziehende)
Zu
beachten ist hierbei, dass die Grenzen der Lebens-/ Problembereiche bzw. der
Selbsthilfegruppentypen nicht immer klar definiert, also fließend gestaltet
sein können (vgl. Heinze, Hilbert, Olk 1988, S. 31).
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sind Selbstveränderung, sowie die Entfaltung und Ausbildung der eigenen
Kompetenzen in der Bearbeitung und Bewältigung von Problemen als Ziele und
Funktionen der Selbsthilfe zu benennen. Die Aufnahme von Primärbeziehungen innerhalb
kleiner Gruppen außerhalb der Familie und die dann stattfindende Arbeit an sich
selbst, dienen somit dem Verwirklichen eigener Ziele und Werte.
Selbsthilfe beinhaltet aber auch eine Veränderung
gesellschaftlicher Verhältnisse. Soziale Ziele sollen mittels der Ausübung von
Partizipationsrechten, der Bildung des Bewusstseins für menschenunwürdige
Zustände und der Mitgestaltung von gemeinschaftlichen, staatlichen Versorgungsstrukturen,
insgesamt also der Arbeit in und an der sozialen Gesellschaft, verwirklicht
werden (vgl. Chassé 1999, S.434).
- Möglichkeiten und
Einschränkungen der Selbsthilfebewegung
Selbsthilfe ist eine Bewegung mit
zahlreichen Facetten, die in fast allen Lebensbereichen Problemlagen aufgreift.
Welche Möglichkeit eröffnet sie den Menschen und welchen Einschränkungen
unterliegt sie?
Zunächst hat die vielfältige Verbreitung
der Selbsthilfegruppen ihre Gründe:
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