Literarische Wertung zu „Charly
Traktor“
I. Vorwort:
Warum habe
ich mir das Werk „Charly Traktor“ von Michael Scharang ausgesucht? Ich muss
gestehen, dass ich eine Weile wahllos durch die Bibliothek ging und einige
Werke aus der Reihe Dossier in den Händen hielt. Sollte ich Elfriede Jelinek
oder doch lieber Peter Handke nehmen? Aber dann stieß ich auf Michael Scharang.
Ein bekannter österreichischer Autor, von dem ich bis dahin zwar schon einiges
gehört, aber noch kein Buch gelesen hatte.
Ich stöberte in seinen Werken und
dachte mir, dass es die Gelegenheit wäre mich ein bisschen näher mit diesem
Autor zu beschäftigen und ein Werk von ihm zu lesen. Ich schaute also seine
Werke durch und blieb bei „Charly Traktor“ hängen. Danach überprüfte ich, ob
dieses Buch in der Reihe Dossier auch bearbeitet war und als ich es darin fand,
stand meine Entscheidung fest.
II. Michael
Scharang wurde am 3. Februar 1941 in Kapfenberg in der Steiermark geboren.
Er stammt aus einer Arbeiterfamilie. Nach seiner Matura studierte er ab 1960 in
Wien Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Er promovierte 1965
mit einer Arbeit über Robert Musil zum Doktor der Philosophie.
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österreichischen und deutschen Zeitschriften und Zeitungen (z.B. „manuskripte“,
„Profil“, „Die Presse“, „Der Standard“). Anfangs galt er als politisch
engagierter Autor, dessen Texte im Dienste marxistischer Gesellschaftskritik
standen. Er selbst distanzierte sich später aber von dieser Phase seines
Schaffens.
Seine Werke:
-
Robert Musil, Wien 1965Verfahren eines Verfahrens, Neuwied
u. a. 1969
-
Schluss mit dem Erzählen und andere Erzählungen, Neuwied u. a. 1970
-
Zur Emanzipation der Kunst, Neuwied u. a. 1971
-
Einer muss immer parieren, Darmstadt u. a. 1973
-
Charly Traktor, Darmstadt u. a. 1973
-
Bericht an das Stadtteilkomitee, Darmstadt u. a. 1974
-
Der Sohn eines Landarbeiters, Darmstadt u. a. 1975
-
Der Lebemann, München 1979
-
Der Beruf des Vaters, Stuttgart 1981
-
Das doppelte Leben, Salzburg u. a. 1981
-
Harry, Darmstadt u. a. 1984
-
Die List der Kunst, Darmstadt u. a. 1986
-
Das Wunder Österreich oder Wie es in einem Land immer besser und
dabei immer schlechter wird, Wien u. a. 1989
-
Auf nach Amerika, Hamburg u. a. 1992
-
Bleibt Peymann in Wien oder Kommunismus wieder, Hamburg 1993
-
Das jüngste Gericht des Michelangelo Spatz, Reinbek bei Hamburg
1998
Preise und Auszeichnungen:
Ø 1970 Preis der Stadt
Klagenfurt
Ø 1970 Staatsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht
und Kunst für Literatur
Ø 1976 Förderpreis
für Literatur der Stadt Wien
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Ø 1996 Österreichischer
Würdigungspreis für Literatur
Ø 2000 Literaturpreis
des Landes Steiermark
Ø 2005 Fernsehpreis
der Österreichischen Erwachsenenbildung
Ø 2006 Goldene Romy
als Co-Autor für das beste Drehbuch zu „Mein Mörder“, ein Drama bei dem seine
Tochter Regie führte.
III. Heidi Pataki wurde am 02. 11. 1940
in Wien geboren und verstarb am 25. 04. 2006.
Sie hat in Wien Kunstgeschichte und Publizistik studiert, arbeitete
von 1970 – 1980 als Redakteurin der Zeitschrift „Neues Forum“ und von 1981 –
1983 als Redakteurin der Wiener „FilmSchrift“. Pataki war 1970 Mitbegründerin
des „Arbeitskreis österreichischer Literaturproduzenten“. Weiters arbeitete sie
als Essayistin, Lyrikerin und Übersetzerin.
Einige Werke:
-
Schlagzeilen, Suhrkamp 1968
-
Kurze Pause, herbstpresse 1993
-
guter ruf / die heilige
familie, herbstpresse 1994
-
Amok und Koma, Otto Müller Verlag, 1999
-
Contrapost. Über
Sprache, Kunst und Eros, Otto
Müller Verlag, 2001
IV. Jürgen Lodemann wurde am 28. März in Essen geboren. Er
studierte in Freiburg Germanistik und Geographie. Ab 1964
arbeitete er im Bereich Kultur des Südwestfunks Fernsehen als freier
Mitarbeiter, wo er auch einige Fernsehdokumentationen produzierte.
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Einige Werke:
-
Lynch und das Glück im
Mittelalter, Zürich 1976
-
Im Deutschen Urwald, Zürich 1978
-
Eigensinn, Pforzheim 1983
-
Alles wird gut, Karlsruhe 1991
-
Muttermord, Göttingen 1998
-
Siegfried und
Kriemhild. Die Nibelungen,
Stuttgart 2002
V.
Wertung der Kritik:
Beide
Kritiker sind Autoren und arbeiten auch als Journalisten. Bei ihrer Kritik
gehen sie eigentlich von dem Aspekt der Arbeiterklasse aus. In beiden Kritiken
sind kurze inhaltliche Angaben zu finden, worauf sie ihre Kritik stützen.
V.
1. Heidi Pataki
Heidi
Pataki bestätigt gleich im zweiten Absatz ihre positive Kritik durch
Wertausdrücke: „Es gehört zu den Vorzügen von Scharangs Roman, dass er
dieser merkwürdigen Alternative überlegen ist: er verflicht die private
und die politische Existenz seines Helden zu einer oft widersprüchlichen und
trotzdem überzeugenden Einheit.“
Hier handelt es sich um eine explizite Wertung. Gleich darauf folgt eine
implizite Wertungen (> Parallelisierung), indem sie die Klischees der
proletarischen Leidensgeschichte mit Scharangs Werk vergleicht und mit dem
Ausdruck Scharang vermeidet diesen Weg eine positive Stellung zu
seinem Werk einnimmt. Diese Parallelisierung zieht sich fast durch den ganzen
dritten Absatz: „Doch was die Geschichte von Charly Traktor von anderen,
den vielen Analogen Lebensläufen unterscheidet, ist die Tatsache, dass
er sich auf dem harten Pflaster der Großstadt nicht nur sein tägliches Brot,
sondern auch sein Bewusstsein und Selbstbewusstsein über seine
gesellschaftliche Position erkämpft.
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ist der Ausdruck „Das wirklich Originelle“ für mich ein positiver Wertausdruck.
(ich empfinde etwas, das originell ist als positiv.) Pataki bewertet im
siebenten Absatz Scharangs Werk wieder durch eine Parallelisierung mit allen
Romanen der europäischen Avantgarde. Auch diese Wertung ist positiv, da der
Roman die Richtlinien dieses Genres (= er ist subjektivistisch konstruiert)
erfüllt. Allerdings bewertet sie Scharangs Werk durch einen Kontrast mit Franz
Jung und dessen besten deutschen Arbeiterroman „Eroberung der Maschinen“
eben durch den Ausdruck besten deutschen Arbeiterroman nicht ganz so
positiv. Scharangs Werk wird hier eigentlich neutral beurteilt, aber durch die
sehr positive Wertung von Jungs Werk wird seines abgeschwächt. Im letzten
Absatz fasst sie ihre im Großen und Ganzen positive Kritik in ein paar lobenden
Sätzen noch einmal zusammen.
V.
2. Jürgen Lodemann
Jürgen
Lodemann bewertet Scharangs Roman schon in seiner Überschrift „Ein intellektueller
in Overall“. In unserer Gesellschaft könnte man diesen Satz als Ironie
auffassen. In den ersten zwei Absätzen versucht er einen Kontrast mit anderen
Werken von Scharang herzustellen, die Wertung lässt er aber dem Rezipienten
offen.
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