Deshalb sind auch die Regieanweisungen sehr wichtig, da der
Erlebnisausdruck durch Gesten dargestellt wird. Banale Dinge werden
dargestellt: Alltägliches wie Essen (mit vollem Munde) wird literaturfähig
gemacht. Da die Gesten nur gezeigt werden und nicht explizit erwähnt werden,
findet mit der Körpersprache auch eine Interpretation statt. Das zeugt von Tiefe
(im Gegensatz zu Lessing → nur Oberfläche). → plurimedialer
Effekt des Dramas
Die Figuren (im sozialen Drama) sprechen
auch unterschiedlich je nach Stand, Milieu etc. = Soziolekt.
Zeißig schrieb über den Sprachstil in "Die
Überwindung der Rede im Drama". (Ballt 6)
- Übergang von der Alexandrinertragödie
hinein in die Dramaturgie des Sturm und Drang
- gut erkannt: der symptomatische
Erlebnisausdruck (ist charakteristisch für "Die
Soldaten", "Der Hofmeister", "Urfaust).
Das Drama besteht nicht mehr aus der
Aussage (Inhalt), sondern aus Sagungen. (Sturm und Drang) (Der Prozess
ist wichtig, wie etwas gesagt wird.) Die Regieanweisung drückt Gefühle
in einer Geste aus.
Die Sprache geht im Sturm und Drang aus
dem Erleben hervor.
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Das Sprechen ist dabei selbst der Moment
des Erlebens.
Bei Gottsched werden innere
Vorgänge benannt und analysiert. Die Person verwendet metasprachliche
Aussagen. ("Ich werde jetzt antworten"); sowie rhetorische
Elemente ("wie mich bedünkt"); Das hat aber nichts mit dem Erleben zu
tun; Gefühl selbst kommt nicht zum Ausdruck.
Implikation:
(=Erlebnisausdruck) arbeitet mit Andeutungen; es muss interpretiert
werden, sonst ist es nicht verständlich.
Tragikkomödie:
Der Begriff selbst ist erst später
eingeführt worden. Lenze hat zwar schon Tragikkomödien geschrieben, konnte sie
aber nicht (also solche) benennen.
tragisch: Morde, Abstieg (der Marie)
lustig: Witz, Humor, Ironie, event. Happy
End
Man holte sich auch Anregungen von
Shakespeare (bei ihm waren immer komödiantische Elemente enthalten). Lenz,
Goethe und Herder berufen sich ab 1771 auf Shakespeare und schreiben auch über
ihn.
Man hat auch die Technik der Kurzszenen von
Shakespeare übernommen. (viel differenzierter und psychologischer)
Blatt 9: III. 2. Szene:
neue Konstellation: Mutter & Sohn; Sie
kümmert sich um ihn wie ein "Kleinkind". Stolzius ist Hypochonder und
Spinner. → kommunikatives
Element
Büchner "Woyzeck" (Vormärz/Junges
Deutschland) (Blatt 14)
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und möchte aus ihrem Stand ausbrechen.
Unterschied zu Lenz: Büchner verfasst
ein soziales Drama. Woyzeck wir in seiner elenden Situation auch noch
ausgenutzt. Am Ende bringt Woyzeck nicht seinen Rivalen sondern Marie um.
Hintergrund: Johann Christian
Woyzeck hat es wirklich gegeben. Er hat seine Verlobte erstochen. Frage: War er
zurechnungsfähig oder nicht? Nach seiner Verhaftung beantragte Woyzecks
Verteidiger ein gerichtsärztliches Gutachten. Dr. Clarus, der die Gutachten
ausstellte, plädierte auf schuldig. Woyzeck wurde zum Tode verurteilt.
Büchner arbeitet die Geschichte um
und "erschafft" Franz Woyzeck.
Woyzeck hat einen Verfolgungswahn, deshalb
wird auch immer das Freimaurermotiv aufgegriffen, das Büchner Tatsachen
entnommen hat, aber er nimmt eine Idealisierung vor, um Täter
Woyzeck die Schuld zu nehmen. Denn Büchner fragt sich, ob es nicht
vielmehr die materiellen und sozialen Umstände sind, die Woyzeck zum Verbrecher
machen.
Woyzeck liefert alles Geld an Marie und das
Kind. In Wirklichkeit hatte Woyzeck ein zwielichtiges Verhältnis mit einer
Prostituierten.
Inhalt:
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erfährt, dass Marie ihn mit einem Tambourmajor betrügt, ermodert er sie.
Sprache: Büchner lässt
seine Figuren im Dialekt/Soziolekt sprechen.
Das Suggestive wird v.a. in der Sprache
ausgedrückt. Das Expressive steht im Mittelpunkt. (Das Stück wurde auch im
Expressionismus erfolgreich)
Schema des offenen Dramas
wird wieder angewendet:
- Das Stück ist zerlegt in Einzelheiten.
Jede Einzelszene steht für sich und bringt ein Stück der sozialen Welt, in der
sich Woyzeck bewegt, zur Darstellung.
- Wechsel der Orte.
- Zeit ist lang ausgestreckt.
Bei Lenz wird noch der Adle und das
Bürgertum gezeigt. Hier wird erstmals der niedrigste Stand
gezeigt. Büchner stellt die Bürgerschicht dem 4. Stand (Unterschicht)
gegenüber: niedrigste Soldaten, Tagelöhner, Asoziale, ...
"Analyse" einzelner
Szenen:
Szene Hauptmann - Woyzeck (Blatt 14):
Bürgertum gegen 4. Stand: Der Hauptmann
wirft Woyzeck vor, dass er ein uneheliches (nicht getauftes) Kind hat. Woyzeck
hat kein Geld für eine Heirat. Er erklärt das selbst in unvollständigen Sätzen
("Wir arme Leut") → Armut wird demonstriert. (→soziales Drama)
Außerdem geht es um Moral, Fleisch und Blut
und um die Natur!
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für Hauptmann wird "Moral"
als Konvention verstanden.
Wenn Woyzeck von "Natur",
"Fleisch und Blut" spricht, dann spricht er nicht von der wirklichen
Natur, sondern von der Gesellschaft
geprägte Natur (= 2. Natur).
Für den Hauptmann ist "Tugend"
ein Synonym für "Moral" und diese besteht aus Konventionen und ist
ein Machtwerk gegen die Unterschicht. Woyzeck bewegt sich unter der Konvention
von Tugend.
Woyzeck ist zu schlicht und einfach und
naiv um etwas entgegenzusetzen; er folgt der Definition der Tugend von
Hauptmann und macht bei Diskursregel mit.
Außerdem lässt sich durch den Redeanteil
das hierarchische Gefälle zwischen Woyzeck und dem Hauptmann erkennen. Denn zu
Beginn der Szene redet überwiegend der Hauptmann und Woyzeck stimmt nur zu.
Szene Doktor – Woyzeck: Woyzeck arbeitet
für zwei Groschen pro Woche bei dem Doktor. Er macht bei Experiment mit und
darf daher nur Erbsen essen. [= keine Erfindung, denn an der Uni Büchners in
Gießen haben Chemiker und Ärzte wirklich solche Experimente mit Soldaten
gemacht.] Indirekt kommt also heraus, dass Woyzeck sich für zwei Groschen
verkauft.
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