Auf die italienische Vorlage von
Giovanni Boccaccio "Il Filocolo" geht der Roman "Florio und
Bianceffora" zurück. Es handelt sich um eine Neufassung des seit dem 12.
Jhdt überlieferten, zuvor bereits zweimal auf deutsch bearbeiteten franzöischen
Versromans "Floire et Blancheflor".
Fortunatus: gilt als
bedeutendster früher Prosaroman, 1509 in Augsburg erstmals erschienen, lässt
sich auf keine Quelle zurückführen. Unbekannter Autor. Inhalt: Theodorus, der
Vater des Fortunatus, verschwendet am Königshof seinen Reichtum. Fortunatus
muss arbeiten gehen, wird jedoch von den Dienern aus Hass und Neid vertrieben;
in London verliert er durch schlechte Gesellschaften sein Erspartes; die
Familie seines nächsten Dienstherrn wird von einem Verbrecher ins Unglück
gestürzt und Fortunatus entgeht nur knapp dem Galgen.
Im Wald begegnet ihm die
Jungfrau des Glücks. Er kann aus ihren Gaben wählen und wählt Reichtum, wodurch
er unendlich viel Geld besitzt. Er geht mit dem Reichtum vernünftig und
vorsichtig um. Mit einem Edelmann unternimmt er eine Weltreise. Schließlich
lässt er sich in seiner Heimatstadt nieder und heiratet die Tochter eines
verarmten Grafen.
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Gefangenschaft ermordet, das Säcklein mit dem unerschöpflichen Gold verliert seine
Wirkung und die Grafen werden auf dem Rad hingerichtet. Im Mittelpunkt stehen
Reichtum und Macht des Geldes. Die Unbeständigkeit der Fortuna, des Zufalls,
spielt eine große Rolle; die Guten werden nicht immer belohnt, die Schlechten
nicht immer bestraft, und das Schicksal kann sich rasch wenden.
Das Leben ist
zufällig.
Heinrich Wittenwiler
Verfasste um 1410 den "Ring".
Es handelt sich um ein komisch-didaktisches Großepos. Über den Autor ist wenig
bekannt; er war am Ende des 14. Jhdts Advokat und Hofmeister am Hof des
Bischofs von Konstanz. Der in Reimpaarversen abgefasste Ring ist zunächst eine
Art Lehrbuch, beinhaltet jedoch auch eine komisch-satirische Handlung. Inhalt:
Das Werk gliedert sich in drei Teile, die die verschiedenen Stadien des Bauernburschen
Bertschi Triefnas berichten. Im 1. Teil wirbt Bertschi mit großem Aufwand um
die hässliche Bauerndirne Mätzli Rüerenzumph, im 2. Teil wird Hochzeit
gefeiert, mit einem unappetitlichen Hochzeitsmahl und einem wilden Tanz, und im
3. Teil wird der Tanz zunächst eine Prügelei, dann ein Weltkrieg, bei dem die
feindlichen Dörfer, von Hexen, Riesen usw. unterstützt, Bertschis ganzes Dorf
auslöschen. Am Ende überlebt nur Bertschi, der sich als Einsiedler in den Wald
zurückzieht.
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Weitere Gattungen
Das umfangreichste Werk an kleineren Gedichten
in Reimpaaren wurde von Heinrich dem Teichner verfasst, die stets in der
letzten Zeile von ihm signiert sind ("also sprach der Teychnär"). Es
handelt sich um geistliche und weltlich-didaktische Reden, die einfache
Anweisungen geben, z.B. "Wenn einer ins Kloster will" oder "Wie
eine Jungfrau ihre Ehre behüten soll". Zeitgenosse des Teichners war Peter
Suchenwirt, der geistliche, weltlich-didaktisch und politisch-didaktische Reden
verfasste, vor allem aber Totenklage auf adelige Tote seiner Zeit. Zur selben
Zeit lebte auch Heinrich Kaufringer, der sich auf geistliche und
weltlich-didaktische Reden, geistliche Erzählungen und vor allem Novellen
spezialisierte. Der Wundarzt und Barbier Hans Folz verfasste einen Korpus aus
18 schwankhaften Novellen. Den höfischen Beitrag lieferten Johann von Morsheim
und Hermann von Sachsenheim.
Die international am meisten verbreitete
Novellensammlung waren die "Sieben weisen Meister" ("Historia
septem sapientum"). Aufgrund lateinischer Vorlagen entstanden im 15. Jhdt.
zwei deutsche Versfassungen, eine von Hans Bühel, der "Dyocletianus".
Eng mit den "Sieben weisen Meistern" verbunden sind sind die
"Gesta Romanorum" und die lateinische Sammlung von
Beispielerzählungen.
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Neben den Sammlungen ernster Geschichten
gibt es auch einige Schwanksammlungen, Vorläufer war der Stricker mit deinem
"Schwankroman". "Der Pfarrer von Kalenberg", verfasst von
Philipp Frankfurter reiht grobe Bauernschwänke und Klerikal- und Hofschwänke
aneinander. Til Eulenspielel übertraf natürlich alle; eine Sammlung von
Streichen, zunächst 1510/11 in Hochdeutsch erschienen. Ohne wirkliche Belege
gilt noch heute Hermann Bote als der Autor dieses prosaischen Werks.
Im 15. Jhdt. gab es weitere größere
didaktische Werke. Das moraldidaktische Werk "Fiori di virtú" vom
Benediktiner Tommaso Gozzadini um 1300 wurde 1411 von Hans Vintler bearbeitet.
Von ihm wurden auch die "Blumen der Tugend" verfasst, in denen Tugend
und Laster einander gegenüber gestellt werden; am Schluss steht das Maßhalten.
Um 1420 entstand am Bodensee "Des Teufels Netz", noch heute eine
kultur- und gesellschaftshistorische Quelle; der Teufel erklärt einem Einsiedler,
wie er die Menschen in einem Netz einfangen kann; im Hauptteil werden die
Angehörigen aller Stände mit ihren Verfehlungen dargestellt.
This paragraph has been concealed! Download the complete document for free! • Click on download to get complete and readable text • This is a free of charge document sharing network • First upload your own document, and you get a word document per email • No registration necessary, gratis Swap homeworks and notes at no charge! Gratis scripts for students and pupils! Internationale Verbreitung durch die lateinische
Übersetzung erlangt das "Narrenschiff" von Sebastian Brant
(1457-1521; Studium in Basel, Prof. für Rechtswissenschaften, ab 1503
Stadtschreiber). Brant führte publizistische Tätigkeiten aus, editierte Bücher
usw. Das Narrenschiff umfasst 112 Bildgedichte; jeweils ein gereimtes Motto,
dann ein Holzschnitt, dann ein Gedicht in vierhebigen Reimpaaren. Mit Narr ist
ein Sünder gemeint, dessen Verhalten von den religiösen und moralischen Normen
abweichen. Es werden alle möglichen Laster thematisiert.
Das Interesse an historischen Chroniken
hält im späten Mittelalter an; vom 14. Jhdt. bis 1517 wurden über 250 deutsche
und lateinische Chroniken verfasst. Die früheste deutsche Prosachronik ist die
"Nüwen Casus Monasterii Sancti Galli" (1335) von Christian
Kuchimaister. Eine Stadtchronik ist die "Limburger Chronik" von
Tilemann Elhen von Wolfhagen, in der alle Nachrichten aufgezeichnet wurden.
Jakob Twinger von Königshofen verfasste mit seiner "Deutschen
Chronik" die Weltgeschichte bis zu Alexander dem Großen, dann folgt die
Geschichte der Kaiser und Könige des Römischen Reichs und der Päpste,
schließlich die Taten der Straßburger Bischöfe und am Ende die Geschichte der
Stadt Straßburg und der Region.
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Es gibt auch einige autobiografische
Werke, z.B. schildert der Augsburger Burkhard Zink im Rahmen der
"Augsburger Chronik" seine eigene Lebensgeschichte. Helene Kottanerin
berichtet in ihren "Denkwürdigkeiten" von ihren Erlebnissen als
Hofdame. Kaiser Maximilian I ließ zwei große autobiografische Werke von seinen
Räten erstellen.
Besonders beliebt waren auch
Reiseberichte und Pilgerführer. Besonders bekannt waren die "Reisen"
von Jean de Mandeville. Der Autor ist wahrscheinlich fiktiv, möglicherweise war
es der um 1356 in Lüttich lebende Arzt Jean de Borgognedit á la Barbe. Im
Ich-Stil erzählt, wird zunächst eine Pilgerreise ins Heilige Land, dann eine
fantastische Entdeckungsreise nach Afrika, Indien und China geschildert. Marco
Polo konnte zwar nicht mit Mandeville mithalten, war aber ebenfallst mit seinen
Reisen im Fernen Osten äußerst bekannt.
Das älteste deutsche Kochbuch ist das
"Hausbuch des Michael de Leone" von Gottfried von Franken. Johannes
Hartlieb verfasste ebenfalls viele fachliterarische Texte, z.B. "Kunst der
Gedächtnüß" über das Memorieren, oder das "Mondwahrsagebuch"
über das Vorhersehen der Zukunft.
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Weiters gibt es noch geistliche und
weltliche Spiele; also um Aufführungen, bei denen kaum Autoren bekannt sind.
Stoffe liefern das Alte und das Neue Testament.
Johannes von Tepl: Mit "Der
Ackermann aus Böhmen" (1400) schuf er eines der glänzendsten Prosastücke
des deutschen Raumes. Der Text ist in Form eines Streitgesprächs zwischen
Ackermann und Tod in 33 kurzen Kapiteln geschrieben, im 33. Kapitel spricht
Gott. Ziel dieses Textes sei es, die rhetorischen Formen des Deutschen zu
demonstrieren.
Humanistische Literatur wurde zunächst
in Übersetzungen präsentiert. Bekannter Übersetzer war Niklas von Wyle mit
seinen "Translationen", ebenfalls Heinrich Steinhöwel und Johannes
Gottfried, der antike Übersetzungen vornahm.
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