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Literarische Traditionen 1 .doc

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German
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2005
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Literarische Traditionen 1

1. Althochdeutsche Literatur

schriftliche Überlieferung beginnt in der 2. Hälfte des 8. Jhdts. Die ersten Schriften findet man in Form von Glossen, Vokabularen und Interlinearversionen.

Glosse= deutsche Übersetzungen einzelner Wörter oder Sätze. Man unterscheidet:

  • Marginalglossen (am Rande des lateinischen Textes)
  • Interlinearglossen (zwischen den Zeilen) und
  • Kontext- bzw. Textglossen (unmittelbar nach dem erläuternden Wort)

Ziel dieser Glossen ist das Verstehen des lateinischen Textes und das Erlernen lateinischer Wörter und Wendungen. Vorwiegend zu finden bei: Der Bibel, den Canones (Sammlungen von Konzilsbeschlüssen), den Schriften Gregors des Großen und anderer kirchlicher Autoritäten, aber auch frühchristliche und antike Autoren wie Vergil, Terenz, Prudentius usw.

Das älteste deutsche Buch ist ein Glossar namens Abrogans. Das ist ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis seltener lateinischer Wörter; zunächt übersetzt in geläufigere lateinische Wörter, später (Mitte des 8. Jhdts) auf deutsch glossiert.

Neben alphabetisch geordneten Glossaren gibt es auch Sachglossare, die Wörter zu einem bestimmten Themenbereich auflisten.

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Folglich:

Quellen der Überlieferung:

  1. Inschriften
  2. Glossen
  3. Sachwörter
  4. Übersetzungstexte
  5. Dichtungen
  6. Namen

 

Dichtungen

Hildebrandslied: 2. Hälfte des 8. Jhdts; Mischung aus hochdeutschen und altsächsischen Formen. Einleitend stellt der Erzähler die Situation dar ("Ich hörte das erzählen, dass sich Krieger einzeln trafen; Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren.

Sohn und Vater rückten ihre Rüstung zurecht..."). Im weiteren Geschehen wird ein Dialog zwischen den Protagonisten beschrieben; der Ältere (Hildebrand) fragt Hadubrand nach seinem Namen und erkennt, dass es sich um seinen Sohn handelt. Hadubrand glaubt ihm nicht und denkt, es sei eine List; Hildebrand klagt, doch der Kampf ist nicht zu vermeiden.

Das Ende ist nicht vorhanden; man geht davon aus, dass es mit dem Tod des Sohnes endet. Das Hildebrandslied war nicht Teil eines Großepos, war jedoch über Jahrhunderte nur mündlich überliefert und wird nun erstmals greifbar. Es ist in Stabreimversen verfasst; im ahd. Bereich jedoch bereits im 9. Jhdt. durch endgereimte Verse ersetzt.

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Merseburger Zaubersprüche: 1. Hälfte des 10. Jhdts geschrieben, jedoch wesentlich älter, weil lange Zeit mündlich überliefert.

Der erste Spruch handelt davon, wie zauberkundige Frauen (idisi) Heere aufhalten und Fesseln knüpfen oder lockern, schließlich die Befreiung von Gefangenen. Im 2. Spruch wird die Heilung eines Götterpferdes beschrieben, das sich den Fuß verrenkt hat. Mit der Heilung von Pferden und anderen Tieren befassen sich auch: "Pro nessia", "Ad equum errehet", "De hoc quod spurihalz dicunt", "Trierer Pferdesegen", "Wiener Hundesegen" und der "Lorscher Bienensegen".

Zur Blutstillung gibt es den "Strassburger Blutsegen", gegen die Fallsucht den "Contra caducum morbum" usw.

Wessobrunner Schöpfungsgedicht und Gebet: überlieferte Abschrift um 814 in der Diözese Augsburg.

Besteht aus zwei Teilen: Zunächst die Situation der Welt vor der Schöpfung; Nichtexistenz der Erde und des Himmels, nur Existenz des allmächtigen Gottes und seiner Geister (Engel). Abschließend wird um Stärke im Glauben gebetet, um dem Teufel wiederstehen zu können.

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Als Quelle diente die Bibel und biblische Apokryphen (= nicht in den Kanon der Bibel aufgenommene, aber ihr nachestehende spätantike Texte). Freie Stabreime, manchmal Endreime. Nicht nur religiöse, sondern auch rechtliche Fragen stehen dahinter.

Heliand: fast vollständig erhalten (HS. C 2. Hälfte d. 10.Jhdts, Rest aus der 2. Hälfte d. 9. Jhdts.).

In 71 Abschnitten wird die Lebensgeschichte Christi erzählt; Hauptquelle war die Evangelienharmonie von Tatian; außerdem apokryphe Evangelien und Bibelkommentare. Der altsächsische Dichter hielt sich weitgehend an die Historie des Leben Christi; die Geschichte wird jedoch in die vertraute Umgebung verpflanzt.

Stabreimverse, vermehrte Senkungssilben, charakteristisch sind auch die vielen Wiederholungen mit neuen Ausdrücken. Gesang ist belegt, allerdings kann die Melodie heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Evangelienbuch: Althochdeutsches Gegenstück zum Heliand; verfasst von Otfrid von Weißenburg, dem ersten deutschen Autor, dessen Name überliefert ist.

Lebte von 800 bis 870. Das Evangelienbuch schloss er um 867/868 ab. Das Leben Christi ist nach den vier Evangelisten dargestellt. Außerdem werden Bibelkommentare verwendet. 7418 Langzeilen, in fünf Bücher (=fünf Sinne) eingeteilt. 1. Leben Christi von Geburt bis zur Taufe 2. Berufung der Jünger und Christi Lehrtätigkeit 3. Wunder und Gleichnisse 4. Passin 5. Auferstehung und Jüngstes Gericht.

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Publikum war die illiterate weltliche Oberschicht. Das Werk ist in Reimpaarversen verfasst.

Ludwigslied: Das älteste bekannte politische Gedicht in deutscher Sprache. Erhaltene Aufzeichnung: 9. Jhdt, nach dem Tod Ludwigs. 59 Reimpaarzeilen, nicht nur die Darstellung der (von Ludwig III gewonnene) Schlacht über die Normannen, sondern auch die Lebensgeschichte des Königs.

Gott wird als Erzieher Ludwigs III dargestellt, er setzt ihn als König ein, schick ihn durch Prüfungen und Strafen und erteilt schließlich dem König den Befehl, gegen die Normannen zu kämpfen. Vorbild dieser Darstellung ist das Verhältnis Gottes zum Volk Israel und zu seinen Königen im Alten Testament.

Absicht des Ludwigslieds: Werbung für den König, seine positiven Eigenschaften sollen in den Vordergrund gerückt werden, da der König nicht unumstritten war. Publikum war der zweisprachige Adel des westfränkischen Reichsteils oder auch der ostfränkische Adel. Ein zweites politisches Gedicht, entstanden gegen Ende des 10. Jhdts., ist das deutsch-lateinische Mischgedicht "De Heinrico" über den bereits verstorbenen Herzog Heinrich von Bayern.

 

2. Frühmittelhochdeutsche Literatur

 

Zunächst lateinische Literatur.

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