Die
Ergebnisse zeigen, dass überdurchschnittliche Intelligenz für Mathematik weder
erforderlich, noch hinreichende Voraussetzung ist. Spezifische Begabung und
persönliche Lerngeschichte scheinen also eine größere Rolle als
überdurchschnittliche Intelligenz zu haben.
Dies entspricht auch den Erkenntnissen der
Verhaltensgenetik, welche nach neuesten Erkenntnissen davon ausgeht, dass die
Entwicklung der Intelligenz nur zu 50% genetisch bedingt ist und die anderen
50% auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. Über die sogenannten
Umwelteinflüsse geben die Pisastudien interessante Aufschlüsse. Sie zeigen
nämlich, dass der soziale Hintergrund eine entscheidende Rolle beim Lernerfolg der
Schüler und der Einteilung dieser bei gleicher Intelligenz in das dreigliedrige
Schulsystem, spielt.
Erwähnt sei noch, dass bei der Entstehung von
Leistungsunterschieden genetischen Einflüsse auch bei der Kapazität des
sogenannten Arbeitsgedächtnisses, das neue Informationen mit bereits
vorhandenem Wissen verknüpft, wie auch bei sprachlichen und räumlich-visuellen
Fähigkeiten ermittelt wurden. Zu Gruppenunterschieden bezüglich Geschlecht,
Rasse und ethnischer Herkunft und den der Forschung in diesem Bereich
unterworfenen Mechanismen widmet dem Interessierten Elsbeth Stern in ihrem Buch
Lernen macht intelligent ein eigenes Kapitel.
- Konsequenzen
für das Lehren und Lernen
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Es scheint zunächst naheliegend anzunehmen,
dass es nur dann sinnvoll ist die Intelligenz als Grund für
Leistungsunterschiede heranzuziehen, wenn Schüler mit gleichem Bildungs- und
Sozialhintergrund sowie gleichen schulischen Lerngelegenheiten unterschiedliche
Leistungen zeigen.
Doch so einfach ist es nicht, obwohl Intelligenz durchaus
im Zusammenhang mit guten schulischen Leistungen stehen kann, ist sie keine
Garantie für diese, da noch eine Reihe weiterer Faktoren miteinbezogen werden
müssen. Eine der wichtigsten Variablen stellt dabei die Motivation dar. Ihr
widmete die OECD in ihrer Untersuchung Das Lernen lernen – Voraussetzungen
für lebensbegleitendes Lernen. Ergebnisse von PISA 2000 ein
eigenes Unterkapitel Kapitel 2: Motivation, selbstbezogenes Vertrauen,
Lernstrategien und Leistung.
Daraus sollte aber nicht geschlossen werden, dass
Intelligenz für die Schulleistung eher nebensächlich wäre, sondern es zeigt,
dass die Schule in weit größerem Maß als oft angenommen an der Förderung der
einzelnen Schüler und damit ihren Leistungen beteiligt ist. Führende Forscher
aus dem Bereich der Pädagogik fordern deshalb, „Begabungen muss man suchen,
erkennen, anerkennen, ansprechen“ und attestieren bei schlechten
Schulleistungen, „dass es der Schule nicht gelungen ist, die
Intelligenzreserven eines Individuums zu optimieren.“
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eindringlich vor weiteren Formen „pseudowissenschaftliche
Psychologisierung“
Die
Kategorisierung von Schülern stellt sich sehr ambivalent dar. Zum einen
entspringt die Einteilung in verschiedene sogenannte Schubladen einem
natürlichen menschlichen Bedürfnis nach „Reduktion von Komplexität“, welche
durchaus seine sinnvolle Berechtigung hat, da sie erlaubt neues Wissen aus
bereits bestehendem entwickelt und damit schlussfolgerndes Denken ermöglicht.
Zum anderen führt dieses Verfahren aber nur allzuschnell zu Vorurteilen, da aus
gezeigtem Verhalten auf Eigenschaften geschlossen wird, und auch zur Bildung
falscher Kategorien, wie die weit verbreitete Einteilung in Lerntypen zeigt.
Bei der Arbeit mit Schülern ist eine Form der Einteilung aber schon aus rein
praktischen Gründen nicht zu vermeiden, da sowohl die Schulart als auch die
Unterrichtgestaltung zum Schüler passen muss um einen optimalen Lernerfolg zu
sichern.
Welche Einteilung wäre nun sinnvoll?
Elsbeth Stern rät dazu, und dieser Meinung möchte ich mich
anschließen, eine „Differenzierung ohne Persönlichkeitsdiagnostik“ vorzunehmen.
Stattdessen sollte akzeptiert werden, dass sich die Schüler aufgrund spezifischer
Vorraussetzungen und Kompetenzunterschiede von Anfang an unterscheiden.
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Unterrichtsvorbereitung Fragen wie etwa: „Welche Routinen müssen beherrscht werden? Welche
Begriffe müssen verstanden und welche Fakten müssen bekannt sein, damit ein
bestimmtes Lernangebot genutzt wird? Wie könnte das Wissen aussehen, das einige
Schüler bereits mitbringen? An welche Art von Wissen kann man anknüpfen? Wo
liegen die Quellen für Missverständnisse? Welche unterschiedlichen
Möglichkeiten gibt es, einen bestimmten Sachverhalt auszudrücken? Welche
Veranschaulichungsformen können angeboten werden?“
Nach
der auch in der öffentlichen Meinung und Popularpresse gern rezipierten These
Sterns „Lernen macht intelligent“, auch unter Titeln wie „Wissen schlägt
Intelligenz“zu finden. Besondere Bedeutung misst die Lernforscherin dabei dem
Schulbesuch zu. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen aus dem fast schon
banalen Grund, dass in der Schule die Zeichensysteme eingeübt werden, welche
auch bei Intelligenztests eingesetzt werden, so gibt es beispielsweise einen
wenn auch indirekten Zusammenhang zwischen der Vertrautheit mit Zahlen sowie
den Grundrechenarten und den numerischen Aufgaben in Intelligenztests. Dies
lässt sich auch auf andere Bereiche des schulischen Kompetenzenerwerb und den
entsprechenden Aufgabenbereich erweitern. Zum anderen fördert der Schulbesuch
auch das, wie bereits erörtert entscheidende Element bei der
Intelligenzdefinition nämlich die Fähigkeit zum schlussfolgernden Denken und
das dafür grundlegende Verständnis für „die Spielregeln im Umgang mit
hypothetischen Situationen“. Aber auch die Einübung sogenannte
Kontrollstrategien und der Prozess der Automatisierung spielen hier eine wichtige
Rolle.
Es ist
also eindeutig sowohl ein Zusammenhang zwischen Wissen und Lernen festzuhalten,
als auch einer zwischen Wissen und der entsprechenden Anwendung, d.h. Lösungsstrategien
mit Hilfe von vorhandenem Wissen finden. Lernen zeigt sich also im
„Zusammenspiel der Wissensarten“. Daher lautet die Forderung von Forschern in
Führungspositionen „Einsichtsvolles Lernen: Bewusste Steuerung des
Wissensnetzwerkes“. Besonders im Zusammenhang mit dem sogenannten Hirnjogging
weist die wissenschaftliche Forschung darauf hin, dass nicht bloßes Wiederholen
sondern die Beschäftigung mit anspruchsvollen Aufgaben, die das selbstständige
Denken anregen die Intelligenz fördern.
In
Zukunft sollte die Schule also gesteigerten Wert auf die Vermittlung von
effektiven Lernstrategien legen und vor allem eigenständiges und aktives Lernen
fördern. Des Weiteren muss innovatives Verhalten durch vielfältige Inhalte
Lernquellen und Materialen geweckt werden. Und nicht zu letzt sollte auch der
erwiesenermaßen positive Einfluss der Motivation auf die schulischen
Leistungen, wie sie zu letzt von der PISA-Studie 2000 im Bereich Lernen lernen
gezeigt wurde verstärkt miteinbezogen werden und damit zu mehr
selbstgesteuertem Lernen führen.
5.
Literatur
Artelt,
Baumert, Julius-McElvany, Peschar:
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Stern: Die
Entwicklung schulbezogener Kompetenzen: Mathematik. In: Entwicklung im Kindesalter,
Hrsg. Franz E. Weinert, Weinheim 1998
Stern: Von Intelligenz, Schubladendenken und Lerntypen: Zum
Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
In:http://www.ganztagsschulverband.de/KongressDownload/KongressDownload2006/Stern_Heterogenitaet.pdf06.06.2008
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz
11.06.02008 11. 06. 2008
http://www.wiwo.de/karriere/einzeln-foerdern-156537/ 11. 06.
2008
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