Lern- und Motivationspsychologie
Beispiel für
ein fehlgeschlagenes Projekt meinerseits:
Da ich seit neun
Jahren Kampfsport (Jujitsu, Kobudo, Bojitsu)
trainiere, fungiere ich seit vier Jahren auch selbst als Trainerin.
Zu Beginn
war es noch sehr leicht, da ich sehr viel Unterstützung von meinem eigenen
Trainer und anderen Trainingskollegen und Kolleginnen bekam. Zur Erläuterung
sei gesagt, dass man fast ein Jahr auf den ersten Gurt trainieren muss. Man
lernt in diesem Jahr die kompletten Grundzüge der Fallschule und die
Bewegungslehre. Das ist der Grundsatz für ein weiteres erfolgreiches Training
und auch für das erfolgreiche Ablegen von Gurtprüfungen (Prüfungshierarchie:
weiß, gelb, orange, grün, blau braun schwarz).
Nun zu meinem
persönlichem Misserfolg:
Letztes Jahr war
es das erste Mal der Fall, dass ich in Graz ganz alleine einen Jujitsu – Kurs
abgehalten habe. In dem Jahr davor hatte ich wohl schon einen
Selbstverteidigungskurs geleitet, dieser schließt aber einen Großteil der
eigentlichen Kampfkunst aus. Der Jujitsu - Kurs dauerte zwei Semester lang und
sowohl Frauen, als auch Männer zwischen 18 und 25 Jahren nahmen daran Teil.
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Ein paar kleine Eindrücke, wie solch Lösetechniken aussehen sollten:


In den ersten zwei Einheiten war es auch nicht schwierig, den
Schülern und Schülerinnen drei oder vier Techniken beizubringen und auch in den
nächsten Einheiten erlernten sie immer Neues und ich hatte den Eindruck, sie
waren mit Herz, Hand und Hirn bei der Sache. Aber mein Erfolg sollte leider
nicht von Dauer sein. Ab der fünften oder sechsten Trainingswoche konnte sich
keiner mehr an die Anfangstechniken erinnern. Ich konnte es nicht verstehen.
Hatte ich ihnen doch bei den Techniken sowohl die deutsche als auch die
japanische Ausdrucksweise beigebracht, außerdem hatte ich sie ihnen nicht nur
vorgezeigt, sondern auch dazu jeden einzelnen Schritt erklärt. Auch an meiner
eigenen Motivation konnte es nicht liegen. Mir persönlich machte das Training
Spaß, ich mochte die Menschen um mich herum und auch die Örtlichkeit wo wir
trainierten war passabel. Mit Sätzen wie „Das wird schon“ und „Ihr könnt das“,
habe ich zusätzlich probiert meine Zöglinge zu motivieren und zu überzeugen. Am
Anfang hatte ich auch das Gefühl, dies würde etwas bringen, aber schon nach
kurzer Zeit spürte ich Frustration und Unmut die sich beim Training breit
machten. Zuerst konnte und wollte ich die Schuld meines Misserfolges nicht bei
mir suchen. Ich dachte mir „An mir kann es ja nicht liegen, ich bringe ihnen
doch nichts Falsches bei und bei mir funktionieren die Techniken doch auch
einwandfrei“. Somit kam ich zu dem Schluss, dass es nur an den Teilnehmern und
Teilnehmerinnen des Kurses liegen konnte.
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Was war passiert und wie habe ich es trotzdem geschafft die Leute
zwei Semester lang in meinem Kurs zu halten:
Anfang Dezember war ich selbst so frustriert, dass ich am liebsten
den Kurs „hingeschmissen“ und alles abgesagt hätte. Doch bevor ich diesen
Schritt wagte führte ich zu meinem Glück ein ausführliches Gespräch mit meinem
Trainer. Ich erzählte ihm von der Misere in welcher ich mich befand und dass
ich mit dem Problem zu kämpfen hätte, dass sich die Leute einfach keine
Techniken merken würden. Erst als mein Trainer mich unterbrach und meinte, dass
ich sie vielleicht überfordern würde machte es bei mir „Klick“.
Und genau das war es auch. Ich dachte, ich müsste ihnen in kurzer
Zeit so viel wie nur möglich beibringen und vergaß dabei, wie schwer der
Einstieg in eine Kampfkunst ist. Erst als ich mich an meine eigene Anfangszeit
erinnerte viel es mir wie „Schuppen von den Augen“. Ich hatte damals selbst das
Gefühl als würde ich die Techniken nie erlernen.
Mit dieser Erkenntnis ging ich neu motiviert zu meiner nächsten
Trainingseinheit. Ich fing bei Null wieder an, wiederholte die Techniken bis
sie alle verstanden hatten, setzte mir selbst und auch den Schülern und
Schülerinnen kleinere Ziele und genoss auch die Erfolge. Ich verlangte weder
ihnen noch mir Unmögliches ab.
Analyse:
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Am ehesten könnte man sagen, dass die Störungen beim Einprägen der
Übungen auf das Ranschburg´sche Phänomen zurückzuführen waren. Dadurch, dass
sich viele Lösetechniken sehr ähneln konnte wahrscheinlich keine richtige
Speicherung entstehen.
Auch an einer falschen Aufmerksamkeitssteuerung könnte es gelegen
haben. Ich habe immer probiert einen gewissen Schmäh bei der ganzen Sache zu
haben. Wollte ihnen meine eigene Begeisterung vermitteln und habe dabei einen
gewissen Grad an Ernsthaftigkeit vergessen. Und ich habe auf jeden Fall
vergessen sie für ihre kleinen Erfolge zu loben.
Es wäre wahrscheinlich auch einfacher gewesen, wenn ich die
japanischen Ausdrücke am Anfang weggelassen hätte.
Was ich mir im Nachhinein auch noch selbst eingestehen muss ist,
dass ich den Schülerinnen und Schülern zeigen wollte, wie gut ich selbst bin.
Was ich alles kann und dass sie eine gute Trainerin haben. Die Betonung liegt
hierbei wirklich auf dem Wort „TRAINERIN“. Da ich drei Brüder habe, bin
ich es gewohnt mich behaupten zu müssen. Man lenkt sich selbst in ein Schema,
wo man immer wieder in dem Glauben ist, dass man beweisen muss, dass das eine
Frau genauso gut kann wie ein Mann. Man setzt sich dadurch selbst so unter
Druck, dass man das Wesentliche aus den Augen verliert. Es besteht dann auch
die Gefahr, dass man eines der Geschlechter bevorzugt oder benachteiligt.
Auch das ist mir hin und wieder bei meinen Trainingseinheiten
passiert. Leider!
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Ich weiß bis heute nicht genau, warum ich ausgerechnet die Männer
bevorzugte. Ich glaube, auf der einen Seite war es meine eigene Überlegenheit,
die ich ihnen durch mein Wissen und Können beweisen konnte, auf der anderen
Seite war es auch eine persönliche Hersauforderung für mich. Dadurch, dass bei
einem Kampfsport viel Energie und Körperkraft dazu gehören um jemanden
beispielsweise festzuhalten, ist es für Zuseher sehr imponierend zu sehen, dass
Techniken sogar gegen einen viel Stärkeren funktionieren. Natürlich hat auch
die Begeisterung der Schüler und Schülerinnen für mich eine große Rolle
gespielt. Wenn ich gemerkt habe, dass sich jemand sehr dafür interessiert, habe
ich dieser Person auch mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Heute würde ich das nicht
mehr so machen. Man sollte immer auf das schwächste Glied in der Kette achten
und sein Arbeitstempo diesem anpassen. Anpassen ist vielleicht der falsche
Ausdruck, man sollte ihn oder sie eher so motivieren, dass er/sie dazu bereit
ist mehr zu machen, mehr zu geben und sich mehr zu engagieren. Es sollte eine
motiviertes Lernen entstehen, man sollte Ziele anstreben, ein gutes Konzept
dahinter haben und Misserfolge vermeiden. Wenn aus verschiedenen Gründen
trotzdem Misserfolge auftreten sollten, muss man nach der Ursache suchen und
versuchen, diese weitestgehend zu beheben. Man sollte versuchen verschieden
Assoziation aufzubauen um das Lernen zu vereinfachen und es ist sinnvoll, das
Gelernte mit Neuem zu verknüpfen.
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