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German

University, School

Universität Leipzig
2009

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Kunst- und Künstlerverständnis in Kafkas „Josefine, die Sängerin

oder Das Volk der Mäuse“

Seminar: Franz Kafka

SS 2009

Leitung: Dr. Silke Horstkotte

 

 

 

P. E.

 

 

M.A. Germanistik / Kulturwissenschaften

9. Fachsemester

 

Inhalt:

1.      Einleitendes S. 3

2.      Selbstverständnis und Doppelleben S. 3

2.1.           Zwischen Zionismus und Antisemitismus S. 4

2.2.           Schreiben – unersetzliches Versagen S. 8

3.      Einzelner vs.

Gemeinschaft S. 10

3.1.           Josefine S. 10

3.2.           Das Volk der Mäuse S. 11

4.      Musik und Weiblichkeit S. 13

5.      Fazit S. 15

6.      Literaturverzeichnis S. 17

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Kafka selbst ist sich immer sicher, die Schriftstellerei nicht als Brotberuf betreiben zu wollen, es hätte seinem „Selbstverständnis des Schreibens widersprochen“[1] davon leben zu müssen, es also ganz offiziell zu seinem Lebensinhalt zu erklären. Dennoch ist ihm der Gedanke, seinen Posten in der Versicherungsanstalt irgendwann einmal gänzlich aufzugeben, nicht völlig fremd[2]. Er hat oft das Gefühl, die Arbeit im Büro würde ihm Zeit und Muße rauben, die er zum Schreiben und Reflektieren nötig gehabt hätte[3]. Seine Anstellung ist somit einerseits hinderlich, Kafka fühlt sich eingeengt und abgelenkt von seiner eigentlichen, eigenen Arbeit, als die er das Schreiben teilweise auch bezeichnet,[4] und dennoch benötigt er eben diesen gesellschaftlich anerkannten Beruf, um seine Existenz vor sich und seiner Umwelt zumindest scheinbar zu rechtfertigen. Obwohl er also, anders als die stolze Josefine, niemals ernstlich darum bemüht ist, sein Leben durch die Schriftstellerei zu finanzieren, ist es ironischerweise, gerade in seiner finanziellen Notlage zum Lebensende, Josefine, die „ein bisschen helfen muss“, indem ihre Geschichte verkauft wird.[5]

Dieses „Doppelleben, aus dem es wahrscheinlich nur den Irrsinn als Ausweg gibt“[6] wirkt demnach auf Kafka genauso identitätsstiftend wie -zerstörend und es ist nicht verwunderlich, dass sich dieses dialektische Verhältnis auch in seiner Kunst wiederfinden lässt – so erscheint die Hauptfigur Josefine als ambivalent, einerseits wird sie bewundert, andererseits vers.....[read full text]

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So spricht er sowohl Juden als auch Frauen einen „Eigenwert“ sowie Persönlichkeit oder Seele ab und reduziert beide auf körperliche, triebhafte Bedürfnisse[13]. Außerdem beschreibt er die typisch jüdische Musik als „laut, aufdringlich, unvornehm“[14] und spricht aber auch Wagners Kompositionen von diesen Eigenschaften nicht frei.

Es kann angenommen werden, dass Kafka diese Schriften rezipiert, im Freundeskreis diskutiert und Weiningers Charakterisierung von Frauen als Inspiration für seine eigenen Figuren verwendet hat[15]. Was hier als frauenfeindlich gedeutet werden kann, erhält natürlich noch eine ganz andere Brisanz, wenn Kafka sich mit jüdischen Aspekten, und damit einem Teil seiner selbst, auseinandersetzt.

So wird sein verunsichertes, oft von Selbsthass gekennzeichnetes Verhältnis zu allen Teilen seiner Identität deutlich. Vor Kafka breitet sich mit diesen Einflüssen und seiner eigenen Erfahrung also ein breites Spektrum an (Vor-)Urteilen über die jüdische Kultur aus und er bedient sich dessen, verarbeitet sie, teils scheinbar ungefiltert, teils in seiner liebevollen Ausführlichkeit ironisch gebrochen. Er gibt diesen Klischees innerhalb des Textes sehr viel Raum, greift sie immer wieder auf und betrachtet sie fast liebevoll von allen Seiten.

Immer wieder werden Fragen gestellt, die die Natur des Volkes und seine Beziehung zu Josefine klären sollen, und immer wieder werden sie verworfen und neue Fragen kommen auf, der Erzähler wird nicht müde, sich damit auseinanderzusetzen und ergeht sich in den bereits thematisierten Reflexionen. Hierin kann man vielleicht den Autor erkennen, der seine eigene Unsicherheit immer wieder durch Diskussionen[16], und im Text durch geschickte Frage- und Antwortspiele .....[read full text]

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