Diese Erscheinung fand in der Wirtschaftswissenschaft als
Veblen-Effekt einige Beachtung. Beim Veblen-Effekt (siehe Abbildung
7) zeigt sich die paradoxe Erscheinung, dass ein höherer Preis zu einer
größeren Nachfrage führt, als
ein niedrigerer Preis. Die Nachfragesteigerung
tritt in Abhängigkeit
von der Preissteigerung ein.
Es wird mehr gekauft, nur weil der Preis höher ist. Mit
dem hohen Prestige-Preis wird hohes Einkommen und damit
ein hoher sozialer Status demonstriert. Der gegenteilige Effekt wäre der Mitläufereffekt, bei dem die
Nachfrage gesteigert wird, nur weil andere Konsumenten ein Produkt bereits
gekauft haben.
Abb.
7. Veblen-Effekt
Grafiken wurden automatisiert entfernt
Der
amerikanische Soziologe David Reismann überträgt in seinem Werk „The lonely crowd“
die Ansätze des demonstrativen Konsums auf die amerikanische Mittelschicht der
modernen industrialisierten Welt. In seiner sozialwissenschaftlichen Analyse,
die verschiedene Stadien der Gesellschaftsentwicklung hinsichtlich der jeweils
dominierenden Verhaltenweisen in ihrem sozialen Kontext untersucht, beschreibt er
den Idealtyp des außengeleiteten Individuums.
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sich darauf, den Verbraucher zu beraten und überfordert ihn mit seinen über Massenmedien
angebotenen Empfehlungen so stark, dass dieser sich durch sein Umfeld in seinem
spezifischen Konsum bestätigen lässt und rückversichert.
Diese Rückversicherung garantiert ihm, mit den erworbenen Gütern auch das damit
verbundene Prestige zu erlangen und sich damit in einer zunehmend anonymisierten
Gesellschaft abzugrenzen und zu verorten.
Auch in der
Gesellschaft der Postmoderne existiert das Konzept des demonstrativen Konsums, indem
ein Individuum andere Individuen auf Grundlage ihres Konsums sozial verortet. Dabei
bildet der demonstrative Konsum ein Merkmal aus einem ganzen Set von
subjektiven sowie objektiven Merkmalen, wie „Wertorientierung, Lebensziele,
Arbeitseinstellungen, Freizeitmotive und unterschiedliche Aspekte der Lebensweise.“
Durch das einzelne Individuum wird eine Vielfalt von Indikatoren erstellt,
die dann - je nach Kombination der Konsumgüter und ihrer jeweils konstruierten
sozialen Verortung - eine spezifische Einordnung des Gegenübers in den sozialen
Raum ermöglicht.
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beschrieb Veblen bereits für die Epoche der Moderne, doch die Intensität der gefühlten
Orientierungslosigkeit hat sich in der Postmoderne erheblich verstärkt.
Eine mögliche Erklärung ist das allmähliche Erodieren der traditionellen
Klassen und Schichtenstrukturen und die Veränderung der Wertesysteme. Zunehmend
verschieben sich die Wertestrukturen hin zu Selbstentfaltungswerten, die sich
unter den Begriffen „idealistische Gesellschaftskritik“, „Hedonismus“ und
„Individualismus“ zusammenfassen lassen.
In dem daraus folgenden Prozess der individuellen kulturellen und sozialen Entwicklung
ergeben sich zu viele Möglichkeiten, um sich selbst in verschiedenste Milieus
zu verorten. Aus diesem Grund generiert sich das implizite Bedürfnis den demonstrativen
Konsum als Lokalisierungswerkzeug zu benutzen, um zumindest ein Grundgerüst der
Einordnung zu erzeugen. Zum Beispiel verstehen Käufer eines Premium-Produktes, zum
Beispiel eines Luxusautomobils, ihre Investition zumindest unterbewusst eher
als Gewinn denn als Kostenfaktor, da sie sich durch den Erwerb von anderen,
nicht so wohlhabenden Individuen absetzen können. Zum anderen versichert der
Indikator oder das Signal „Luxusautomobil“ auch nach außen den Wohlstand und
den Erfolg des jeweiligen Besitzers.
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zentrales Element für die Verortung eines Individuums in sein soziales Milieu.
„Wie kommt es zu dieser neuen Form der Abgrenzung und der Integration?
Hierfür ist die Konsumorientierung der modernen Industriegesellschaft der Auslöser.
Die Menschen bauen sich individuell ihre verschiedenen Lebenswelten auf. Sie
verwenden dazu Konsumangebote, (wie zum Beispiel Automobile),
jedoch nicht als eigenständige, isolierte Elemente, sondern als aufeinander
bezogene Teile komplexer Arrangements, die unterschiedliche Themen und „Kristallisationskerne“
haben.“
Somit wird der
Konsum als demonstrativer Konsum zur zentralen Kategorie der Bedeutungskonstitution
für die Einordnung in ein soziales Milieu.
„Die theoretische Kategorie der Bedeutungskonstitution verweist auf
die zentrale soziale Aktivität in einer von Medien und Konsum dominierten
Kultur. So setzen individualisierte soziale und kulturelle Aktivitäten voraus,
dass die Menschen Medien und anderen Symbolangeboten individuell ihre eigenen
Bedeutungen verleihen. Die Prozesse der sinnvollen Gestaltung der Alltagswelt
durch die Rezipienten basieren also auf der individuellen Auswahl und Deutung
insbesondere des Konsumangebots.“
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dem „äußeren“ sozialen Umfeld. Grund dafür ist, dass „Milieus nicht nur
Zugehörigkeiten einfordern oder erzeugen, sondern die darauf in der Regel aufbauende
Minimierung interner Unterschiede und Ungleichheiten bei gleichzeitiger
Abgrenzung „nach außen“ direkt oder indirekt selbst zur Produktion und
Reproduktion von Ungleichheiten beiträgt“.
Diesen Sachverhalt beschreibt Förster bezogen auf den Automobilmarkt wie folgt:
„Gerade der
Lebensstil wird durch das Demonstrieren des Erlebnisses durch und mit dem
Fahrzeug auch für Dritte sichtbar.“
Zentral für
diesen Vorgang der Abgrenzung sind zum einen die Form des Konsums und zum
anderen das jeweilige Konsumgut, wobei letzteres immer auch die Form des
Konsums mitbedingt. Eingehender verdeutlicht wird dieser Vorgang in Abbildung 8.
Abb. 8. Der demonstrative Konsum als Instrument zur
Milieuverortung
Grafiken wurden automatisiert entfernt
4. Das
Konsumverhalten vor der Weltwirtschaftskrise 2008/09
Im
vorangegangen Teil wurde gezeigt, dass der demonstrative Konsum von Individuen genutzt
wird, um sich in ein bestimmtes soziales Umfeld zu integrieren oder sich nach
außen anderen gegenüber abzugrenzen. In der Folge soll anhand eines „statustragenden“
Konsumgutes, nämlich des Automobils, der Einfluss von milieuspezifischen Einstellungsmustern
auf das Konsumverhalten aufgezeigt werden.
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