. 2008/09............................................................ 71
Abb. 19. Verbraucher, die 2010
von der Krise betroffen sind............................74
Das Konsumgut
Automobil wird wie kein Zweites zur öffentlichen Inszenierung seines Besitzers
genutzt. Besonders in Deutschland ist es als Ausdruck der Persönlichkeit emotional
hoch besetzt.
So beschreiben Leggewie/Welzer:
„Das Auto ist
Identifikation für Belegschaften, die „beim Daimler“ schaffen; Orte wie Wolfsburg
oder Detroit sind industrielle Monokulturen. Automobile strahlen immer noch –
man betrachte die Jungs-Abteilungen der Spielzeugetagen – eine nachhaltige
technische und ästhetische Faszination aus. Die vier Räder stehen für das
Ingenieurswissen ganzer Nationen, die sich im Grand Prix austoben können. Das
Auto ist, obwohl es ein Dino der Moderne ist, der Hauptindikator sozialen
Fortschritts,.. ein unschlagbares Statussymbol und genauer Reputationsindex.“
Aus diesem Grund
versuchen Automobilkonzerne, die mit dem Automobil verbundene Erlebniswelt als
Kaufkriterium in den Fokus zu rücken. Dies legt die Vermutung nahe, dass
soziale Milieus und die damit verbundenen Lebensstile eng mit den individuellen
Erfahrungen der Besitzer, bezogen auf das Fahrzeug, verknüpft sind.
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immer schnellere Entwicklung der alternativen Antriebsformen einem
Paradigmenwechsel bezüglich der vorherrschenden Antriebstechnologien gegenüber.
Diese
Entwicklungen zeigen sich verstärkt in den Milieus der Oberschicht, da gerade
diese gesellschaftlichen Leitmilieus in Bezug auf neue Entwicklungen die
stärksten Potenziale für Veränderungen aufweisen.
Aus diesem Grund bilden sie den Schwerpunkt dieser Arbeit.
Zusammenfassend
stellt sich somit die Frage welche Auswirkungen die Weltwirtschaftskrise
2008/09 auf das Konsumverhalten der gesellschaftlichen Leitmilieus in Hinblick
auf die Einstellung zu alternativen Antrieben hat. Diese Fragestellung soll im
Folgenden untersucht werden.
In der
wissenschaftlichen Debatte der letzten Jahre entstanden verschiedene Werke, die
sich mit dem Konsumverhalten und der Marktsegmentierung in der
Automobilindustrie beschäftigen, wie zum Beispiel Beisswenger (2007) zu den
Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Automobilmarketing. Dabei
bedienten sich die verschiedenen Autoren der Analyse der Kundenstruktur von
Automobilmarken unter anderem des Konzeptes der sozialen Milieus, wie beispielsweise
Ohle (2007) über die Marktsegmentierung im Automobilmarkt sowie Förster (2009)
über die Lebensstile als Instrument der Marktsegmentierung.
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klassischen Auffassung von einer Klassen- oder Schichtengesellschaft, vertreten
von Rainer Geißler (1992) auch die Ansätze einer Ordnung der
Gesellschaftsstruktur nach sozialen Milieus von Ueltzhöffer/Flaig (1993)
heraus.
Der
Ausgangspunkt für die hierzu gehörende wissenschaftliche Debatte ist, dass
sozioökonomische Gegebenheiten zur Einordnung von Akteuren in die heutige
postmoderne Gesellschaft an Bedeutung verlieren. Dabei ist es unstrittig, dass
nach wie vor Unterschiede bei Armut und Benachteiligung, bezogen auf die
berufliche Stellung als Arbeiter, Angestellter oder Unternehmer bestehen,
doch diese Kriterien der Sozialstrukturanalyse treten immer stärker in den
Hintergrund. Stattdessen kategorisieren die Mitglieder der Gesellschaft sich
oder andere nach ihrem Freizeit- und Konsumverhalten (Siehe hierzu die
„Erlebnisgesellschaft“ von Schulze (1992)). Besonders deutlich treten dabei die
Dimensionen des Konsums hervor.
In Folge der
oben angegebenen Veränderungen entstanden verschiedene Modelle, die die sozialen
Milieus als Instrument zur Beschreibung von gesellschaftlichen Veränderungen
nutzen.
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Im Rahmen dieser
Arbeit soll mit Hilfe des wissenschaftlich fundierten Ansatzes des Sinus
Instituts, der auf den theoretischen Arbeiten von Ueltzhöffer/Flaig beruht, das
Konzept der sozialen Milieus genutzt werden, um die Veränderungen des
Konsumverhaltens der gesellschaftlichen Leitmilieus unter dem Eindruck der
Weltwirtschaftskrise 2008/09 zu untersuchen. Dabei werden für die
Analyse dieser Thematik drei Hypothesen aufgestellt.
Hypothese 1
Die Krise
bewirkt eine Entwicklung hin zu einer stärkeren Akzeptanz für alternative
Antriebe, da die Effekte der Krise einen Wandel bezüglich der Anforderungen an
das Konsumgut und Statussymbol Auto bewirkt haben. Nicht mehr ein möglichst
leistungs- und verbrauchsstarkes Fahrzeug verspricht den erstrebten
Prestigegewinn, sondern ein möglichst ökologisches, verbrauchsarmes und damit
nachhaltiges Automobil mit alternativem Antrieb.
Hypothese 2
Die Krise
wirkt der Entwicklung hin zu einer stärkeren Akzeptanz für alternative Antriebe
entgegen, da die Effekte der Krise zu einem stärkeren Kostenbewusstsein und
einer geringeren Risikobereitschaft der gesellschaftlichen Leitmilieus geführt
haben.
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Hypothese 3
Die Krise hat
keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Akzeptanz für alternative Antriebe,
da die gesellschaftlichen Leitmilieus aufgrund ihrer stabilen finanziellen
Situation keine negativen Auswirkungen der Krise verspüren.
Soziale Milieus
bieten tiefergehende Analysepotenziale als die „klassischen Theorien“ zur
Sozialstruktur, da sie zur Antizipation der Entwicklung oder Veränderung von
Verhaltensweisen oder Verhaltensmustern, wie zum Beispiel des Konsumverhaltens,
die Betrachtung des Einzelnen in der Gesellschaft um die Analyse seiner
Alltagswelt erweitern.
Für die
Betrachtung des Konsumverhaltens beschrieb Thorstein Veblen grundlegend spezifische
Motive für das Handeln der gesellschaftlichen Oberschicht besonders im Hinblick
auf das Konsumverhalten. Diese Effekte werden durch die Individualisierung in
der Postmoderne noch verstärkt. Somit bildet das Konzept des demonstrativen Konsums
eine hervorragende Möglichkeit zur Analyse des Konsumverhaltens der gesellschaftlichen
Leitmilieus. Aus diesen theoretischen Vorüberlegungen ergibt sich folgender
Aufbau für die vorliegende wissenschaftliche Arbeit.
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