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Konsumverhalten der Milieus der Oberschicht im Automobilsektor (Page 19).doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Sociology
Document category
Diploma thesis
University, School
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
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2010
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Darum gewichten die Angehörigen dieses Teils die Distinktionseffekte, die sich aus dem Konsum und der Nutzung eines Fahrzeugs mit alternativen Antrieb ergibt höher als die Einschnitte auf den Komfort und die Ansprüche an die Ästhetik. Sie sehen in den alternativen Antrieben verstärkt die Möglichkeit, diese als neue Statussymbole zu nutzen.

In der Folge ergibt sich auch eine vermutet höhere Aufpreisbereitschaft gegenüber dem wertmusterstabilen Teil der Etablierten für diese Fahrzeuge. Dabei spielen ökonomische Anreize in diesem Teil des Milieus eher eine untergeordnete Rolle, vielmehr verspricht die höhere Ökoeffizienz eines Fahrzeugs eine bessere Eignung als Instrument zur Distinktion gegenüber anderen Milieus.

Des Weiteren ermöglicht die Nutzung eines Fahrzeugs mit alternativem Antrieb die Fortführung eines Lebensstils mit hohen Ansprüchen an Qualität und Ästhetik ohne sich dem Risiko auszusetzen, aufgrund der nicht veränderten Handlungsmuster bezogen auf den Konsum von Automobilen in einem veränderten und stärker auf Nachhaltigkeit bedachten gesellschaftlichen Umfeld die Rolle als gesellschaftliches Leitmilieu zu gefährden.

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Diese Kombination bietet diesem Milieu dann auch weiterhin die Möglichkeit den Konsum des Fahrzeugs mit den gewohnten Anforderungen an Komfort, Luxus und Exklusivität zu erfüllen. Somit lässt sich feststellen, dass nach den Effekten der Krise für die wertmusterflexiblen Angehörigen des Milieus der Etablierten ein alternativer Antrieb, der die oben genannten Eigenschaften mit einem wirtschaftlich effizienten Motor verbindet, deutlich attraktiver geworden ist und zusehends in den Fokus des Kaufinteresses rücken wird.

Bezogen auf die verschiedenen alternativen Antriebsformen ergibt sich für die Angehörigen des Milieus der Etablierten mit einem stabilen Wertmuster keine signifikante Veränderung der Einstellung diesen gegenüber. Mit Wasserstoff oder einer Brennstoffzelle betriebene Fahrzeuge sind in absehbarer Zeit noch nicht marktreif.

Ethanol ist wirtschaftlich auch nach der Krise nicht attraktiv, da eine Wiederaufnahme der staatlichen Förderung zurzeit nicht diskutiert wird. Das Elektro-Fahrzeug kommt wegen seiner noch erheblichen Einschnitte bei Reichweite und Komfort für diesen Teil des Milieus der Etablierten auch nach der Krise nicht in Frage.

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Auch die wertmusterflexiblen Etablierten ändern nach der Krise aufgrund der beschriebenen Gründe ihre Einstellung zu den Fahrzeugen mit Wasserstoff-, Brennstoffzellen- oder Ethanolantrieb nicht signifikant. In der Übergangsphase bis der Elektroantrieb bezüglich der Fahrreichweite und Batterieladezeit keinen erheblichen Nachteil mehr mit sich bringt, werden die Angehörigen des wertmusterflexiblen Teils verstärkt auf den Konsum und die Nutzung von Fahrzeugen mit Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasmotor setzen, so dass für diesen Teil der Etablierten mit einer höheren Nachfrage für Fahrzeuge mit diesen Motoren zu rechnen ist als vor der Weltwirtschaftskrise 2008/09.

5.3.2        Die Postmateriellen

 

Auch nach der Krise bleibt das Milieu der Postmateriellen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben hoch affin. Die zentrale Stellung von Umwelt- und Klimaschutz bildet auch weiterhin den Rahmen für die Wertmuster der Lebenswelt der Angehörigen des postmateriellen Milieus.

Sie sind auch nach den Auswirkungen der derzeitigen Rezession bereit, für einen verbesserten Umweltschutz, den Fahrzeuge mit alternativen Antrieb gegenüber herkömmlichen Antrieben bieten, auch Einschnitte und unkomfortable Veränderungen hinsichtlich ihrer eigenen Lebenswelt hinzunehmen, da die Nutzung zum einen den Anspruch des Milieus an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit erfüllt und zum anderen das Bedürfnis nach einer hohen individuellen Mobilität befriedigt, ohne zu starke negative Effekte auf die Umwelt befürchten zu müssen.

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Für eine wahrscheinliche Steigerung der Affinität zu alternativen Antrieben spricht nun hingegen das durch die Verschiebung der bürgerlichen Mitte in die Wertmuster der postmateriellen Lebenswelt. Die Vorstellungen vom „richtigen Leben“ der Angehörigen des postmateriellen Milieus bezüglich eines besonders nachhaltigen und umweltschonenden Konsums bieten kein Alleinstellungsmerkmal mehr, da zunehmend die bürgerliche Mitte diese Verhaltensweisen adaptiert.

Folglich lässt sich vermuten, dass die Postmateriellen, über den Mechanismus der Verstärkung, mit dem Konsum von besonders ökologischen und nachhaltigen Antriebsformen versuchen werden, sich von den Milieus des gesellschaftlichen Mainstreams abzusetzen. Somit verändert sich die Rolle des demonstrativen Konsums im Kontext dieses Milieus erheblich.

Wurden vor der Krise seine Wirkungseffekte allenfalls unbewusst genutzt, stellt seine Nutzung nach den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise 2008/09 eine aktive Strategie zur stärkeren Abgrenzung zu den Milieus der bürgerlichen Mitte dar und ermöglich darüber hinaus auch die Selbstverortung des Einzelnen in das Milieu der Postmateriellen.

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Für die Einstellung der Postmateriellen bezüglich der verschiedenen alternativen Antriebsformen lässt sich schlussfolgern, dass auch in diesem Milieu Fahrzeuge die mit Wasserstoff oder Brennstoffzelle betrieben werden, aufgrund ihrer fehlenden Marktreife auch nach der Krise weiterhin keine Rolle für die Überlegungen spielen werden.

Das Interesse an globalen Ansätzen für eine nachhaltigere und ökologischere Ausrichtung von wirtschaftlichen und politischen Prozessen wird durch die Effekte der Krise eher noch verstärkt und führt zu ähnlich negativen Assoziationen bezüglich der Herstellungsarten von Ethanol, so dass auch weiterhin mit einer geringen Akzeptanz gegenüber diesem Kraftstoff zu rechnen ist und Fahrzeuge mit einem Ethanolbetriebenen Motor wahrscheinlich eine sehr untergeordnete Rolle bei der nächsten Kaufentscheidung spielen werden.

Eine ähnliche Entwicklung ist für die Akzeptanz für Fahrzeuge die mit Erd- oder Flüssiggas als fossile Energieträger betrieben werden, zu vermuten, da ihre Herstellung und Nutzung die Problematik der CO2-Emmission nur auf einen anderen Energieträger verlagert und die gleichen negativen Folgen für die Umwelt wie bei konventionellen Diesel- oder Benzinfahrzeuge, mit sich bringen


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