Qualitative Systemwissenschaften
Konflikte
Die Konflikttheorie von Gerhard Schwarz
Verhandlungsführung
psychologische Grundlagen
Inhaltsverzeichnis
1.
Die Konflikttheorie von Gerhard Schwarz
1.1 Der Sinn eines Konfliktes
1.2
Lösung von Konflikten (Sechs Stufen)
2. Verhandlungsführung psychologische Grundlagen
2.1 Kognitive Ansätze
2.1.1 Kognitive Barriere in Verhandlungen
2.2
Motivationale Ansätze
1. Die Konflikttheorie von Gerhard
Schwarz
Typisch für diese Konflikttheorie ist es,
dass hier keine Suche nach dem Schuldigen stattfindet (soziale Ebene), sondern
einen Sinn des Konfliktes zu erkennen.
Weiters basiert diese Theorie nicht auf der
Vermeidung eines Konfliktes, vielmehr versucht sie den Konflikt als Solches
konstruktiv zu nutzen (Konfliktlösung als Prozess).
1.1 Der Sinn eines Konfliktes
Folgende Möglichkeiten werden laut Schwarz
definiert um einen Sinn des Konfliktes zu erkennen.
∙ Verdeutlichung von Unterschieden
z.B.: Kulturelle Konflikte
(Spannungen zwischen moderner und traditioneller Kultur)
Werden diese
Unterschiede erkannt und man ihnen offen gegenüber steht, ist es möglich
positiven Nutzen aus einem Konflikt zu ziehen (wer kann etwas besser?).
∙ Einheitlichkeit in Gruppen
z.B.: Konflikte in
hierarchischen Strukturen.
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∙ Komplexität einer Situation
z.B.: globale Konflikte
(Emission - Reduzierung)
Durch Vielzahl
unterschiedlicher Meinungen, Bedürfnisse und individuelle Besonderheiten der am
Konflikt beteiligten Personen, wird die Komplexität einer Situation sichtbar.
∙ Konflikte schaffen Gemeinsamkeiten
Interessen des
Einzelnen werden vernachlässigt um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
∙ Veränderung durch Konflikte
Konflikte als Einleitung für
Veränderung bzw. Weiterentwicklung.
1.2 Lösung von Konflikten (Sechs Stufen)
1. Flucht
2. Kampf mit
Vernichtung des Gegners
3.
Unterordnung des einen unter den anderen
4. Delegation
an eine höhere Instanz
5. Kompromiss
6. Konsens
Diese Stufen entsprechen einem
Entwicklungs- und Lernprozess, wobei Flucht die primitivste Form und Konsens
dagegen die anspruchvollste Form von Konfliktlösungen darstellt.
Flucht
Flucht scheint oftmals die einfachste
Methode zur Konfliktlösung zu sein, jedoch dient sie nicht wirklich zur Lösung
eines Konfliktes, sondern zur Vermeidung und der Verschiebung eines Problems
(Shifting the Burden). Da man sich hier nicht mit den Eigenschaften des
Konfliktes beschäftigt, kommt es auch zu keinem Lernprozess.
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Beispiele für Flucht als Konfliktlösung:
Verdrängung eines Problems (sich selbst
belügen); Der Realität entkommen
Konflikten aus dem Weg gehen
Kriege
Flucht kann schnell in ein
Aggressionsverhalten und somit in die nächste Stufe der Konfliktlösung
umschlagen.
Kampf mit Vernichtung des Gegners
Diese Methode zur Lösung eines Konfliktes
kommt unter anderem zum Einsatz wenn keine Flucht möglich ist (mit dem Rücken
zur Wand stehen). Auf diese Weise wird der bestehende Konflikt zwar
grundsätzlich gelöst, jedoch kommt es auch hier zu keinem Lernprozess. Weiters
ist die Lösung durch Vernichtung des Gegners nicht mehr rückgängig zu machen
und es könnten weitere Konflikte entstehen (Rache).
Beispiele für Kampf mit Vernichtung des
Gegners als Konfliktlösung:
Mobbing (Ausgrenzung)
Ungewollte Versetzung
Todesstrafe
Unterordnung des einen unter den anderen
Diese Stufe der Konfliktlösung verzichtet
auf die Vernichtung des Besiegten. Sie basiert auf dem Prinzip der Rangordnung
(Hierarchien) wobei diese von allen akzeptiert werden muss.
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Jedoch ist der Konflikt durch die Lösung
nicht unbedingt endgültig beseitigt, sie führt oft zu Spannungen zwischen
Vorgesetzten und Untergebenen.
Beispiele für Unterordnung des einen unter
den anderen als Konfliktlösung
Sklaverei
Unterordnung gegenüber des Vorgesetzten
(Angst vor Verlust des Arbeitsplatz)
Delegation an eine höhere Instanz
Diese Art der Konfliktlösung basiert auf
der Entscheidung einer außenstehenden Person die den Konflikt objektiv
betrachten kann. Damit eine Entscheidung höherer Instanz zustande kommt müssen folgende
Voraussetzungen gegeben sein.
▪ Es muss klar gegeben
sein wer im Recht ist.
▪ Die Entscheidung der
höheren Instanz wird akzeptiert.
▪ Die höhere Instanz wird
als kompetent genug für die Entscheidung wahrgenommen.
Beispiele für Delegation an eine höhere
Instanz als Konfliktlösung
Gerichtsurteile
Zwei Mitarbeiter kämpfen um dieselbe
Position (Beförderung) in einem Unternehmen. Nach Entscheidung der höheren
Instanz kann es jedoch zu weiteren Konflikten kommen (siehe Unterordnung).
Kompromiss
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Oft ist es der Fall, dass es zu
Teileinigungen kommt und andere Bereiche des Konfliktes von einer Lösung noch
weit entfernt sind. Dies ist jedoch nicht negativ zu werten, sondern als Teil
des Prozesses zur Konfliktlösung durch einen Kompromiss.
Konsens (Aporie)
Da sich aporetische Konflikte durch die
bisher genannten Ansätze nicht lösen lassen, basiert der Konsens auf der Idee,
diese Art Problemstellung durch die Form eines Prozesses (Weiterentwicklung)
auf eine höhere Ebene zu führen.
Dabei durchläuft der Konflikt laut Schwarz
folgende Phasen:
- Der Gegensatz entsteht
In dieser Phase
scheint Flucht die einfachste Lösung zu sein. Da dies aber zu keinem Erfolg
führen kann, ist es wichtig die vorhandenen Gegensätze anzuerkennen und die
Unterschiede klar darzustellen.
2. Kampf
Vernichtung oder Unterwerfung
Hier wird
versucht in der eigenen Position Recht zu behalten und die Position der
Gegenseite als falsch darzustellen. Jedoch hat dieses Verhalten wenig Sinn, da
beide Positionen berechtigt oder auch voneinander abhängig sind
(Selbstvernichtung).
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