Kommunikative Aspekte im Text Im Hutladen von K. Valentin
In dem Text „Im Hutladen“ vollzieht Karl Valentin eine Verkaufsgespräch in einem Hutgeschäft zwischen Verkäuferin und einem Kunden (genauer: sich selbst) in Dialogform nach.
In diesem Gespräch versuchen die beiden Figuren, miteinander zu kommunizieren, scheitern aber letztendlich durch mangelnde Beachtung von kommunikationstechnischen Mitteln an ihrem Vorhaben.
Um diese fehlgeschlagene Kommunikationssituation zu analysieren, möchten wir zuerst auf die verwendeten Sprachakte nach der Sprechakttheorie von Searle genauer eingehen: Beide Gesprächsteilnehmer verwenden zunehmend repräsentative Sprechakte, wie Behauptungen und Aussagen („Als Zivilist darf ich keinen Stahlhelm tragen“), und direktive Sprechakte (z.B. die Forderung des Kunden: „Einen Herrenhut!“, der Verkäuferin:
„Nun müssen Sie sich aber bald entschließen....“), weniger aber expressive Sprechakte, die den sozialen Kontakt der Sprecher aufrechterhalten. Auf Letzteres legt die Verkäuferin anfangs mit ihren Fragen noch mehr Wert als der Kunde, was in den Sätzen „Guten Tag, Sie wünschen?“ „Wollen Sie einen weichen oder einen steifen Hut?“ zu beobachten ist.
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Beispielsweise antwortet er auf die Frage „Was soll das für ein Hut sein?“ nur mit „Einer zum Aufsetzen.“ und gibt dadurch keine konkreten Angaben, die die Verkäuferin interpretieren kann.
Gegen Ende hin aber wird er zu ausführlich und konzentriert sich auf themenirrelevante Aspekte („Das ist ja eben das Traurige, dass die Geschäftsleute an den alten Sitten und Gebräuchen hängen und nicht mit der Zeit gehen...“), die die Kommunikation zum Stillstand bringen. Hiermit kann auch die Verletzung der Maxime der Relation begründet werden: Der Gesprächsverlauf geht (vor allem durch die Schuld des Kunden) über den Rahmen eines Verkaufs- bzw. Beratungsgespräch hinaus und kann so nicht zu einem Ergebnis führen.
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Im Weiteren kann zur Art und Weise des Sprechens noch gesagt werden, dass beide Personen oft ziemlich indirekt kommunizieren, was besonders bei der Figur der Verkäuferin zum Vorschein tritt. Das indirekte Kommunizieren manifestiert sich hier in einer Art Ironie: „Ja, anziehen können Sie niemals einen Hut, den muss man immer aufsetzen“, „Damenhüte führen wir nicht!“.
Die Aussage wird vom Kunden jedoch wortwörtlich aufgefasst und resultiert in einer abschweifenden Antwort, die sich nur noch weiter vom Ziel entfernt: „Nein, immer nicht – in der Kirche zum Beispiel....“ oder „Ich will auch keinen Damenhut“. Durch die Indirektheit der Aussagen kann ein Verstehen nicht gewährleistet werden und so reden die beiden Sprecher aneinander vorbei.
In Paul Watzlawick’s Kommunikationstheorie wird angenommen, dass Kommunikation aus einem Inhalts- und einem Beziehungsaspekt besteht. Ersterer bezieht sich auf die zu vermittelnden Daten und Fakten, im zweiten wird auf die zwischenmenschliche Beziehung Wert gelegt.
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Auch die situative Inkompetenz ist bei Valentin sehr auffallend, da Äußerungen oft nicht der Situation angemessen getätigt werden. Besonders im Satz „Das ist Quatsch – natürlich hatte jeder Mensch, solange die Menschheit besteht, seinen eigenen Kopf, aber...“ schweift er von den situativen Begebenheiten ab.
Da an diesen Stellen kein Bezug zur Verkaufssituation hergestellt werden kann, wird ihm auch keine hohe soziale Kompetenz in der Situation zugeschrieben. Da unseres Erachtens bei der Verkäuferin mehr Bemühen um eine erfolgreiche Kommunikation stattfindet, wird dieser mehr Kompetenz hinsichtlich kommunikativer Fähigkeiten zugestanden.
Da beide Personen nicht über das Gesagte reflektieren und stattdessen aneinander vorbei reden, wurde auch der metrasprachliche Aspekt in ihrem Gespräch nicht beachtet.
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